“Fleisch kann in der Türkei nicht billiger werden!”

Auf dem Wirtschaftsforum in Uludag (Bursa) wurde besonders über die Agrarwirtschaft der Türkei gesprochen. Die Headlines in aller Kürze sind:

12% der Erdoberfläche ist für die Agrarwirtschaft geeignet. In der Türkei beträgt diese Quote 30%. Also ist die Türkei eigentlich in einer glücklichen Lage, wenn sie denn damit was anfangen könnte. Nicht nur, dass die Flächen nicht genutzt werden, auch das, was benutzt wird, hat nicht die Ergiebigkeit z.B. europ. Länder. Die Techniken sind veraltet.

Der CEO der Haciince Gruppe Ahmet Haciince sagte, dass ohne die Flüchtlinge eine Fleischproduktion unmöglich wäre. „Wie finden keine Arbeiter, die in der Rinder- bzw. Schafzucht arbeiten wollen. Günstiges Fleisch wird es in der Türkei niemals geben. Wie soll das auch gehen, wenn wir das Futter mit harten Devisen kaufen müssen.“

Der CEO der Yildizlar Holding, Hakki Yildiz sagte: „In der Agrarwirtschaft der Türkei läuten schon lange die Alarmglocken. Wir müssen alles umkrempeln und neu organisieren. Ein Land ohne Agrarwirtschaft ist wie ein Haus ohne Küche. Wir können nicht alles auf die Importe setzen.“

Jannes Maes, vom Verband der europ. Jungbauern, sagte: „Sie können keine jungen Bauern haben, wenn die Marge der Produkte nicht stimmt. Die jungen Menschen haben kein Kapital um als Bauern anzufangen. Der Staat muss diese gut ausbilden und mit Startkapital ausstatten, anders kann das nicht funktionieren.“

ARD: Ich schreibe oft über die Agrarwirtschaft. Alle wissen um die Probleme, keiner tut was. So wird es auch zukünftig sein. Es bleibt Stückwerk und keines der Förderprojekte ist von Dauer. Auf der einen Seite kann man es verstehen. Seit Jahren wird das Land nicht regiert. Es geht um den Machterhalt des Präsidenten. Wenn interessiert es schon, wo die Türkei in 5, 10, 15 Jahren steht?

Immer mehr Agrarflächen in Bauland umzuwandeln, hat noch nie etwas gebracht. Das türkische Nationalgetränk Tee wird es demnächst aus dem Ausland geben. Die Teepflanze hat eine Lebensdauer von knapp 80 Jahren und das bei guter Pflege und günstigen Bedingungen. Die 80 Jahre sind um. Die Teebauern spielen auf Zeit. Die Qualität wird von Tag zu Tag schlechter, mit viel Holzanteil dazu. Um einen Neuanfang zu machen, muss abgerodet und neu gepflanzt werden. Dauert mal 4-5 Jahre. Ich weiß, eine lange Zeit für die Bauern, aber der Staat muss da eingreifen und es möglich machen, denn die Bauern steuern so oder so in den Ruin.

Aber auch hier die Frage: Wenn interessierts?

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