Türkische Urlaubshotels mit hervorragender Belegung für die Saison, aber …

Alanya, my ex Hometown

Hotels an der Küste melden hervorragende Belegung für die Saison, aber…
Die Kriegsberichterstattung im türkischen Fernsehen kann man, nüchtern betrachtet, als Comedyshow bezeichnen, wenn es nicht so ernst wäre.
Reporterinnen in Tarnfarbenparkas und Kopftuch, ernst verzogenen Augenbrauen, leichtem Makeup, sind dieser Tage die Kriegsberichterstatterinnen der türkischen TV-Nachrichten. Schließlich wurden damals Christiane Amanpour und Hala Gorani mit dieser Aufmachung berühmt. Da die Damen weit weg der Schusslinie sind, womöglich nicht einmal in Syrien, wird im Hintergrund Krieg ,per Animation ergänzend, dazu reingespielt. Dramatik pur!
Auf der anderen Seite bereitet sich die Tourismusindustrie auf die neue Saison vor. Die Belegungen werden als hervorragend bezeichnet, doch enthalten die Sätze immer ein ‚aber‘.
Die Reiseveranstalter sollen der türkischen und ägyptischen Tourismusindustrie die Pistole an die Brust gesetzt haben, berichten die Hoteliers. Heute schon planen diese bereits für das Ende der Saison und schauen schon mal nach, wo sie die Finanzierungen bekommen können, um die Löcher zuzumachen.
Hotelbesitzerfreunde aus Alanya, wie die gesamte Hotelbranche, mussten für die Reiseveranstalter extrem niedrige Preise machen. Einen Tag, alles inklusive für 16 Euro. Lasst uns das Ganze mit gesundem Menschenverstand angehen! Wie viel Qualität kannst Du dafür bekommen? An Essen, Trinken, Service und alles, was noch dazu gehört. Schon jetzt halten sich einige Hoteliers an syrische Arbeiter ran, die fast zum halben Mindestlohn anheuern.
Die Türkei wies 2017 ein Leistungsbilanzdefizit von 47 Milliarden USD aus. Das macht 5,4% des Volkseinkommens aus. Da neben dem Export, die Tourismusindustrie, die einzige Devisenquelle ist, muss man sich ranhalten, nur nicht so.
Auf der anderen Seite verlassen viele ausländische Residenten die Türkei. Größtenteils wegen des hohen Alters und dem damit verbundenen Pflegebedarfs. Aber die Entscheidung, die Türkei zu verlassen, trifft man bei diesen Zuständen, die momentan herrschen, umso leichter.
Der Staat agiert nicht. Die Tourismusindustrie ist auf sich alleine gestellt. Die hohen Steuern, teure Energie u.a. lassen dem Hotelier, um über die Runden zu kommen, nur eine Möglichkeit offen: An der Qualität sparen!

Kaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener