Mein erstes Auto war ein Opel Ascona.

An einem regnerischen Renntag, wo es unaufhörlich regnete auf der Pferderennbahn in Mühlheim-Raffelberg, traf ich in allen neun Rennen die Wetten und kam mit Taschen voller Geld nach Hause. Den Wagen kaufte ich, als ich noch keinen Führerschein besaß und nicht einmal 18 Jahre alt war.

Die erste Fahrt war abenteuerlich, denn einer der Zylinder funktionierte nicht. Die erste Reparatur wurde fällig. Dann musste ich drei Monate später  auch noch durch den TÜV. Mein Tankwart brachte den Wagen in Ordnung und sagte: “Hör mal, wenn die in deinen Papieren sehen, dass du Türkischstämmiger bist, werden die Geld sehen wollen, vergiss nicht denen was zu geben.” Ich war fix und fertig. So etwas hatte ich noch nie gemacht. Ich sagte: “Wie, die Deutschen lassen sich jetzt auch noch schmieren?” Der Tankwart sagte: “Die Türken haben es denen beigebracht, jetzt geht es nicht mehr ohne.”

Ich war da. Alles ging automatisch. Die Anweisungen kamen und ich befolgte diese. Danach war ich durch und war am Ausgang angekommen. Jetzt ging es drum. Ich hatte einen 100 DM Schein schön säuberlich gefaltet. Ich glaube 3 mal, denn es war ein kleines Quadrat entstanden. Dann aber fing ich zu Grübeln an. Nichts ging mehr. Dieser so ehrlich aussehende Deutsche sollte sich schmieren lassen? Niemals! dachte ich. Falsch gedacht! Ich bekam die Plakette nicht und durfte wieder vor fahren. Drei Wochen hatte ich Frist. Ich fuhr zu meinem Tankwart und Kfz-Meister des Vertrauens zurück. Als er hörte, dass ich die TÜV-Plakette nicht bekam, sagte er: “Ich mache an dem Wagen nicht mal eine Außenwäsche. Du hast ihm das Geld nicht gegeben.”

Am letzten Tag der drei Wochen, stand ich wieder vor dem TÜV. Hundert DM-Schein wieder, einmal, zweimal und dreimal gefaltet. Ich war bereit. Die Osmanen waren bis vor Wien marschiert und ich sollte nicht mal einen Deutschen schmieren können, hach, das wollen wir mal sehen! Es klappte wieder nicht. Ein anderer, aber wiederum ehrlich aussehender Typ stand da. Dann auf einmal sah er auf dem Monitor, dass ich zum zweiten Mal da war und agierte. Bückte sich zu mir runter und fragte: “Haben Sie was für die Kaffeekasse?” Denn Typ hätte ich glatt umarmen können. Sofort griff ich in meine Hosentasche, dort wo die Türken ihr Geld aufbewahren und zog den Schein raus. Leider den falschen. Es war ein Zehner. Dann die Reaktion vom TÜV-Mann: “Ooh, so viel. Danke!” Verdammt dachte ich mir, hätte ich dem den Hunderter gegeben, hätte er den Wagen bestimmt nochmals kontrolliert, ob er den was schwerwiegendes übersehen hätte. Schon wieder hatte ich einen bessere Meinung von den Deutschen. Sie sind halt genügsame Menschen. 🙂

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