300 Schafe warten auf Dich!

Das Direktorat der Agrarbetriebe der Türkei (TIGEM) nimmt schon die Anträge entgegen. Vor einigen Wochen machte die Meldung die Runde, dass der Staat, um die Fleischproduktion anzukurbeln, Personen, die über die entsprechende Flächen verfügen, 300 Schafe für die Schafzucht geben wolle.

So soll auch das Brachland wieder zurückgewonnen werden. Was zuerst wie eine Schenkung klang, ist mittlerweile in einen Verkauf zum Einstandspreis (des Schafes), umgewandelt worden. Auch sollen die neuen Schafzüchter einen Vorschuss für den Unterhalt der Tiere bekommen.

Da die Türkei über keine Schafe in dieser Menge verfügt, welches nötig wäre, um die Antragsteller zu bedienen, sollen 500.000 Schafe aus dem Ausland gekauft werden. Nach 8 Jahren soll sich die Zahl der Schafe auf 5 Millionen gesteigert haben, teilt TIGEM mit.

Derzeit sollen die Auflagen festgelegt und die entsprechenden Antragsteller, die die Tiere bekommen sollen, selektiert werden.

Ich möchte Euch mal davon erzählen, wie das in der Türkei, in Wirklichkeit läuft.

Die Investitionsanreize bzw. die Förderprogramme sind für türkische Investoren Entscheidungshilfen, wenn es darum geht, sich für einen Geschäftsfeld zu entscheiden. Das, was ich aus deutschem Munde so oft höre: „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ ist für den Türken kaum zu verstehen. Warum bei einem Geschäftsfeld bleiben, wenn einem doch so viele Chancen, Förderungen etc. angeboten werden? Da muss man doch verrückt sein, wenn man da nicht zugreift.

So passiert es, dass viele sich auf Geschäftsfeldern wiederfinden, von denen sie keine Ahnung haben. Apropos Felder – da sind wir schon bei einem der Schlagwörter.

Auf dem Agrarsektor stehen sehr lukrative Fördergelder, zinslose Darlehen u.v.a.m. an Vorteilen im Raum, dass man kaum vorbeikommen kann. Zumindest der türkische Investor (zumeist sehr wohlhabende Leute) kommt daran nicht vorbei.

Dank der von der Regierung seit 2010 vergebenen zinslosen Darlehen und Subventionen für Agrarprojekte (Rinder-, Milchkühe-, Büffelzucht u.a.) hat es z.B. viele Textilhersteller, Tourismusunternehmer, Künstler bis hin zu Sportlern in Agrarprojekte verschlagen. Wenn wohlhabende Leute ihre Investitionen nach den Fördergeldern richten, entstehen so komische Situationen wie der Umstand, dass die größten Büffelzuchtgebiete der Türkei um Istanbul liegen. Die Mega-Metropole und Büffelzucht? Da antworte ich nur: Wo sonst, wenn nicht in Istanbul.

Reiche Unternehmer aus Istanbul wollen die Investition, wenn sie schon von dem was sie tun keine Ahnung haben, doch in greifbarer Nähe haben. Man kann ja jeden Monat mal dort vorbeifahren und etwas frische Luft mit der Familie schnappen.

223.000 Personen haben die o.g. Subventionen in Anspruch genommen (Zahl von 2010, weil ich die Recherche damals durchführte). Menschen, die von Rinderzucht und ähnlichem keine Ahnung haben. Die meisten sind nach kurzer Zeit Pleite gegangen. Heute suchen einige Hundert Zuchtbetriebe ihre neuen Besitzer.

Hier sehe ich die Chance für Deutschtürken wie auch für Deutsche allgemein.

Hier muss nun die Chance am Schopf gepackt werden. Warum sollten nicht mal die wahren Fachleute bzw. Unternehmen, die aus den jeweiligen Branchen kommen, die Nutznießer der Fördermittel sein, wie es auch Sinn und Zweck der Sache ist, anstatt Branchenneulinge, die zumeist nur kurze Zeit bestehen und dann aufgeben müssen. Übrigens sind Ausländer und Türken als Empfänger der Fördermittel, wie auch bei sonstigen Dingen auf türkischem Boden, gleichgestellt.

Fakt ist; Es werden die Wohlhabenden und die Großbauern, die durch Tricks an die Schafe kommen werden, die Nutznießer sein. Der Staat wird verlieren und Einzelpersonen, die es sicher nicht nötig haben, die Gewinner sein.

 

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