Türken aus Anatolien waren sie ganz am Anfang, dann…

…in Deutschland angekommen, wurden sie Gastarbeiter genannt. Zu der Zeit wurden sie in der Türkei als ‘Gurbetçi’ bezeichnet. Das Wort umschreibe ich mit: “Der mit Heimweh im Herzen lebt.” Eigentlich sind sie das dauerhaft. Mit der Zeit wurden aus den Gastarbeitern in Deutschland die Deutschtürken und den Gurbetçi nannte man in der Türkei auf einmal ‘Almancı’ Deutschländer. Auch wurden sie zum Spielball der Mächtigen aus der Türkei.

Oktober 1961, Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei. 56 Jahre ist es her. Wie die Zeit vergeht. Für viele Türken ein neuer Lebensabschnitt, eine neue Chance, viel weiter zu kommen, als sie es in der Heimat jemals gekonnt hätten.

Weil man dachte, sie würden nach einer gewissen Zeit zurückkehren, nannte man sie in Deutschland liebevoll „Gastarbeiter“. Sorry, da fließt wieder ein wenig Sarkasmus rein, aber die Deutschen können sich dabei gut fühlen, denn die Türkei-Türken nannten und nennen diese Menschengruppe „Almanci“, die Deutschländer.

Sie gehörten somit nirgendwo hin. Die deutsche Haltung damals kann man verstehen, denn wenn man solche Dinge bewerten möchte, muss man die Brille der jeweiligen Zeit aufsetzen. Die Sichtweise und Meinungen der Deutschen haben sich durch die Jahre gerändert. Nicht aber die der Türkei-Türken.

Da die meisten Türken vom Lande Verwandte in Deutschland hatten und diese mit Geld sie unterhielten, war die Türkei ab 1961 abhängig von Deutschland. Die „Gastarbeiter“ schickten Milliarden von DM in die Heimat. Die Deviseneinnahmen durch die Deutschländer waren lange Zeit höher als die türkischen Exporte und Tourismuseinnahmen zusammen.

Deutschland profitierte nicht nur von der Arbeitskraft dieser Menschen, sondern auch von der Kaufkraft. Was sie nicht als Geldbetrag in die Türkei schickten, legten sie in Waren an, die sie dann mit ihren Fahrzeugen, oder per Flieger und Zug (damals ganz populärer Verkehrsmittel), in die Türkei schafften. Besonders Elektrogeräte, wie Fernseher, Videorekorder u.a. waren sehr gefragt. Somit hatte Deutschland riesige Exportumsätze, die nicht als solches gezählt wurden, zumal es Inlandskäufe waren.

Ich Mitinitiator einer Werbemaßnahme und bewies die Kaufkraft der Türken in Deutschland. Als die Betamax-Video-Systeme von Sony das Rennen gegen VHS-Systeme verloren, saß die Marke auf Betamax-Videorekordern von einigen Hundertmillionen DM.

Die Verkaufserfolge von Sony mit dem Betamax-System in D war so erfolgreich, dass das System unter den Türken in Deutschland und der Türkei, führend war. Wohlwissend, dass Betamax bald nicht mehr geben würde, schworen sie dennoch darauf.

Wir machten türkische Kataloge, ausschließlich über die Ladenhüter. Der Erfolg war gewaltig und ein Beweis der Kaufkraft. In knapp vier Wochen waren die Läger von Sony leer und die Geräte unterwegs in die Türkei.

Kommen wir zu dem bitteren Teil. In der Türkei gibt es das Kastendenken. Die Stadtbevölkerung, besonders die die in der betreffenden Stadt geboren wurden, sehen sich als was ganz Besonderes und akzeptieren die Landbevölkerung nicht.

Das ist auch die Erklärung dazu, warum die Deutschländer von den Türkei-Türken niemals akzeptiert wurden und werden können.

Die Abneigung der Stadtbevölkerung gegenüber den Deutschländern verstärkte sich in den Sommermonaten. Die Gastarbeiter mit ihren Ford-Transits und den gebrauchten deutschen Schlitten brachen wie die 300 Spartaner (eher 3.000.000 Spartaner) in die Türkei ein.

„Ich habe was, was du nicht hast!“ Der Graben zu den Deutschländern wurde immer größer und brannte sich in den Hirnen ein. ‘Wir’ und ‘die’ gab es damals in dieser Konstellation.

Nur, da es kein Erdogan gab, teilten sich die Türken in Linke und Rechte ein. Die anderen Unterschiede wurden akzeptiert, aber zumindest geduldet.

Die Spaltung in den letzten 15 Jahren ist extremer worden, so dass unter den „Wir‘s“ und „Die’s“ nochmals Unterteilungen hinzugekommen sind.

Die Türken, Deutschländer und die Deutschen, die Gräben werden immer tiefer. Es wird auch immer tiefer werden, zumal sich das Deutsch-Türkische Verhältnis, solange Erdogan an der Macht ist, immer weiter verschlechtern wird.

Oft fragen sich einige Deutsche: „Was haben wir bei der Integration von Deutsch-Türken falsch gemacht?“ Eigentlich viel, aber auch gar nichts. Was hätte man denn schon anders machen sollen, wo sich doch alles, hier wie dort in den Köpfen abspielt.

Seht, die Deutschtürken sind ja nicht mal in der Türkei integriert. Auch dort sind sie eine Randgruppe, nämlich die Deutschländer.

Wie möchte man eine Volksgruppe, die sich untereinander als Türken, Kurden, Aleviten u.a. selber nicht grün sind und als Deutschländer nicht mal in der Türkei als Türken angesehen werden, in Deutschland integrieren?

Entweder geht das von alleine, dass der Einzelne stark genug ist und sich zu seiner eigenen Stärke und Status in der Gesellschaft bekennt und diese Position findet, oder es geht nie.

Momentan sind die Deutschländer von Erdogans Mannen als Stimmungsmacher in Deutschland entdeckt worden. Unruhe schüren und von innertürkischen Problemen ablenken. Das klappt!

Es mag sein, dass viele „Wir’s“ und „Die’s“ sich jetzt aufregen, aber hier ein Beispiel mehr.

An die 70er Jahre kann ich mich gut erinnern. In Köln und Düsseldorf gab es am Flughafen Baracken, die speziell für die „Gastarbeiter“ gebaut waren. Diese wurden wie bei den Viehtransporten gesammelt und gesondert wegtransportiert.

Diese Baracken waren im Winter eiskalt und im Sommer die reinsten Glutöfen. Die bösen Deutschen? Stimmt, deren Verhalten kann man nicht gutheißen, nur was soll man den Türken in der Türkei sagen? Folgt unten.

Im Flieger dann die Gespräche: „Unerhört, wie die Deutschen mit uns umspringen. Die Deutschen fliegen vom normalen Terminal ab und für uns haben sie die Baracken geschaffen.“

Die Freude, dass man all das Schlechte hinter sich ließ und Richtung Heimat flog war groß.

In Istanbul angekommen dann der Schock. Hier hatte man auch wunderschöne Blechbaracken gebaut. Speziell für die Deutschländer, abgesondert vom eigentlichen Flughafenterminal wurden sie hier abgefertigt.

Es gab zwei Unterschiede: Den deutschen Baracken sah man an, dass sie „Made in Germany“ waren. TÜV abgenommen. Die Türkischen Baracken waren dann halt Türkisch. Abgenommen von Ali Amca (Onkel Ali).

Der nächste Unterschied war, dass die Baracken in Deutschland für die Gastarbeiter bestimmt waren und in der Türkei für die Deutschländer. In Deutschland wurde sie wenigsten wie Gäste gesehen und in der Türkei?

In all den Jahren waren und sind die Deutschtürken die Melkkühe der Türkei gewesen. Auch wenn einige das nicht wahrhaben wollen, fairer werden sie in Deutschland behandelt, wo es den Rechtsstaat gibt. Bitte jetzt nicht die Makel aufzählen, schließlich leben einige Hunderttausend von der Sozialhilfe und viele davon sehr gerne.

Nur wem sage ich das. Bei so vielen verbalen Kämpfen der „Wir’s“ und „Die’s“, bei dem es um sinnlose Rechthaberei geht, geht alles unter.

Ich wollte nur aufzeigen, dass die Wirklichkeit eine andere ist, als wir es glauben wollen und wahrhaben wollen.

Deutsche, Türken und Deutschtürken, geht auf die Fabrikeinstellungen zurück und Ihr werdet sehen, das Miteinander klappt doch.

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