LC WAIKIKI – Türkisches Unternehmen auf Höhenflug

Die Geschichte der türkischen Marke LC Waikiki fängt französisch an. George Amoul flog mit seinem Partner 1985 in den Sommerurlaub. Kurz vorher hatten sie beschlossen nach der Reise ein Textillabel zu gründen. Während dieser Reise lasen die beiden ein Bericht über Waikiki Beach und fanden den Namen so interessant, dass sie es zu ihrem Label machten. Da „Les Copains“ auf Französisch „die Freunde“ heißt, nahmen sie kurzerhand die Anfangsbuchstaben LC und hängten Waikiki dran.

Taha Tekstil produzierte anfänglich für die Marke und hatte die Türkei-Vertretung. Als die Marke anfing in der Türkei erfolgreicher zu werden als woanders auf der Welt, übernahmen sie die Marke. Somit ist die Marke LC Waikiki seit 1997 Türkisch.

Taha Tekstil produziert heute noch, neben der eigenen Marke LC Waikiki, für bekannte Label weltweit.

Die Entstehung der Marke und die Beständigkeit des Erfolges hat mich schon immer begeistert, dass ich die Marke nie aus dem Fokus verlor. Siehe da, ich hatte den richtigen Riecher.

Vahab Kücük ist der Eigentümer von Taha Tekstil und ein Visionär, wie er im Buche steht. Er schickt sich an, abgesehen von Mineralölkonzernen, das größte türkische Unternehmen und weltweit bekannteste Label der Türkei zu werden.

Zum 100. Jahrestag der Republik Türkei 2023 strebt er 1.500 Läden und 10 Milliarden USD Umsatz an. Davon 6 Mrd. USD im Export. Diese Zahlen sind umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, wie günstig die Textilien der Marke verkauft werden.

Filiale Nairobi

Nun könnte man sagen, dass ja auch die Regierung wirtschaftliche Ziele für 2023 ausgerufen hat, die allesamt verfehlt werden. Nur bei LC Waikiki kann man sicher sein, dass dieses klappt. Ich verfolge das Unternehmen nunmehr seit 2003 und bis jetzt wurden alle Ziele erreicht.

LC Waikiki macht weltweit alle 2,5 Tage ein Laden auf. 2018 werden 12 neue Exportländer hinzukommen, womit die Zahl 50 erreicht sein wird.

Bei der Pressekonferenz vor ca. 10 Tagen sagte Vahap Kücük, dass sie 2017 mit 30% Plus und 12,2 Mrd. TL Umsatz abschließen werden. Die Marke hat 469 Läden in der Türkei und 364 im Ausland. Somit sind das 833 Filialen in 38 Ländern.

Während die Marke in 2017 in der Türkei um ca. 19% wuchs, war der Wachstum im Ausland mit 60% umso höher.

Noch eine beeindruckende Zahl kann ich nennen. Während das Unternehmen in 2016 35.000 Mitarbeiter hatte, beträgt die Zahl mittlerweile 42.000, wovon 55% Frauen sind.

Vahab Kücük sagte, dass indirekt 200.000 Personen zusätzlich von LC Waikiki ihr Auskommen hätten. Somit würden 1.000.000 Menschen durch die Marke satt werden.

Dieses sagt er mit besonderem Stolz, zumal die Marke sehr sozial unterwegs ist. Jeder einzelne MitarbeiterIn erfährt den gleichen Respekt und kann viele soziale Leistungen in Anspruch nehmen, die ihnen die Firma bietet.

Auch viele sozial Projekte werden parallel mitgetragen und realisiert.

Hier noch einige imposante Zahlen:

In der Woche hat LC Waikiki 12 Millionen Kunden in den Läden. In der Minute werden 1.724 Artikel verkauft, was 436 Millionen Stück im Jahr ausmacht.

Kücük sagt, dass in diesem Jahr Indonesien, Malaysia und Kenia neu hinzukamen. Der Laden in Kenia fand so viel Zuspruch, dass jetzt auch andere afrikanische Länder die Marke haben wollen.

In vielen Märkten, wo LC Waikiki vertreten ist, zählen sie zu den führenden Labels. In 15 Ländern sind sie Marktführer. Die Produktbreite ist ebenfalls enorm. In den Läden gibt es modische Textilien für Säuglinge, Kinder, Schwangere, Damen und Herren.

Mit 1.700 Frauen in Führungspositionen ist die Marke auch auf diesem Gebiet die Nr. 1 in der Türkei.

Kücük unterstreicht, dass diese Frauen durch Fleiß und Können diese Positionen erreicht hätten und man nicht über die Frauenquote agierte.

Am Tag werden 2.000 und im Jahr 700.000 Textilien in den Labors auf Hautverträglichkeit getestet. Das Logistikzentrum von LC Waikiki ist 485.000 m2 groß.

Jedes Jahr werden ca. 40 Läden restauriert bzw. neu eingerichtet. Genug geschwärmt, noch eine Besonderheit zum Schluss, wenn ich es abschließen kann. Für die Sehbehinderten gibt es die LCW Sense App, welches den Sehbehinderten im Laden, sowie zuhause, das Leben erleichtert.

Kücük wurde gefragt, ob er denn an die Börse möchte. Er sagte, weder an die Börse noch ein Teilhaber. Man wolle eigenständig bleiben.

Er sprach noch die Probleme der Textilbranche an. Derzeit würde das Unternehmen 80% des Materials aus der Türkei beziehen. Da aber viele Unternehmen Pleite gingen, oder die Unternehmer von sich aus aufhörten, weil sie keine MitarbeiterInnen fanden, würde sich die Situation immer mehr erschweren. Die Textilhersteller, die geschafft haben zu existieren, würden sehr gute Geschäfte machen. LC Waikiki hätte Dank den Syrern, die ins Land strömten, noch die Kurve kriegen. „Dennoch werden wir die Ware dort produzieren und beschaffen, wo es am günstigsten ist.“ sagt er.

In diesen Tagen würde er nur noch auf kalte Witterung hoffen, zumal die Läden voll mit Winterware wären.

Trotz der erreichten Größe des Unternehmens würden sie in einer riskanten Branche operieren. Bei Wetterkapriolen würde man die Ware schwer loswerden. Auch würden die Wechselkursschwankungen in der Türkei dem Unternehmen zusetzen. Die politischen Situationen, die man im jeweiligen Land vorfindet würden auch schon mal die Pläne über dem Haufen werfen. So konnte man in Iran statt 60 Läden nur 20 neue eröffnen.

Auf die Frage eines Journalisten: „Sie sagten, wenn die syrischen Flüchtlinge nicht wären, hätten wir nicht produzieren können und die Regale wären leer geblieben. Wie sieht es mit den Sozialversicherungen ihrer Mitarbeiter aus?“

Kücük: „Unsere syrischen Mitarbeiter sind selbstverständlich alle versichert. Auch verlangen wir von den Ateliers, mit denen wir zusammenarbeiten, den Nachweis, dass dort die Mitarbeiter nicht Schwarz arbeiten.“

Auf die Frage, wie LC Waikiki schaffen würde die Produkte so günstig anzubieten, sagte er: „Wir tun alles für den Kunden. Die Zufriedenheit des Kunden, Qualität zu bezahlbaren Preisen ist unser oberstes Ziel. Noch was zu den Wechselkursen, die stark schwanken. Wir rechnen mit spitzer Miene und ich denke, dadurch, dass wir mehr exportieren als wir importieren, haben wir alles bestens im Griff.“

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