Ein Land, wo alles wächst und gedeiht

Stellt Euch ein Land vor, wo die Wirtschaft genauso wächst, wie alles andere auch. Hier wächst einfach alles. In sich nicht schlüssig, aber es wächst.

Noch gestern schaute ich mir einen Beitrag bei arte, über die Machenschaften der ältesten Bank der Welt, Banca Monte dei Paschi di Siena, an. Dort fiel der Satz: „Es ist so viel gefälscht worden, dass es nicht mehr möglich ist alles zurückzuverfolgen und zu rekonstruieren, was war.“

Wenn in 20-30 Jahren ein Dokumentarfilm über die Ära Erdogan gedreht wird, wird man sich ebenfalls fragen: „Wo anfangen?“ „Was war los damals?“ wird es heißen.

Als die Vorquartalszahlen zum Wirtschaftswachstum mitgeteilt wurden sprach man schon davon, dass die Zahl vom dritten Quartal 2017 zweistellig sein könnte. So ist das in der Wirtschaft. Während Du die eine Zahl nennst, bekommst du Vorahnungen, wie das nächste sein dürfte.

11,1% ist die türkische Wirtschaft im dritten Quartal gewachsen. Wie ich schon festgestellt habe, wächst und gedeiht fast alles sehr gut in diesem Land.

Alles findet in der Türkei einen nährhaften Boden. Neben der Wirtschaft sind gewachsen: die Arbeitslosigkeit, die Inflation, die Auslandsschulden des Staates und der privaten Wirtschaft, die Armut, die Zahl der ohne Anklage Inhaftierten, die Korruption, der Kurs des US Dollars, die Islamisierung an allen Fronten u.v.a.m.

Gestern sorgte der Ministerpräsident o. F.* im Parlament für Lacher. Er erwähnte die Türkei und sagte: „Wir sind in die Agrarwirtschaft Nr. 1 in Europa!“. Er hätte auch ‚weltweit‘ sagen können. Als er merkte, dass sogar die AKP Mitglieder lachten hakte er nach: „Warum lacht ihr?“ Nicht, dass jetzt bei einigen der Verdacht hochkommt, die Aussage des Ministerpräsidenten o. F.* könnte annähernd stimmen. Dem ist leider nicht so.

Die Niederlande exportierten letztes Jahr für 100 Mrd. USD Agrarprodukte und die Türkei nur 18 Mrd. USD. Dabei ist die Türkei flächenmäßig 19 Mal größer als die Niederlande. Als damals die türk. Familienministerin aus den Niederlanden ausgewiesen wurde, drohte man von der türkischen Seite mit wirtschaftlichen Sanktionen. Zuhause angekommen stellt man fest: Die Niederlande brauchen uns nicht! Eher hat man vergessen, dass man mit Sanktionen gedroht hatte.

Im Türkischen gibt es den Spruch: „Die Zunge hat keinen Knochen“, soll heißen, Du kannst das Gesagte drehen und wenden wie Du willst. Davon machen Herr Erdogan im Besonderen, aber auch seine Mannen regen Gebrauch.

Eigentlich ist Herr Erdogan ziemlich Deutsch affin. Zum einen nimmt er sich Hitler zum Vorbild und wendet seine Taktiken an ,um das Volk zu täuschen und für sich einzunehmen. Dann aber wendet er auch die Taktik von Bismarck an. Er schafft sich im Ausland künstliche Baustellen und lenkt von der Lage im Inland ab.

Ministerpräsident Tsipras rechnete bestimmt damit, dass Herr Erdogan bei seinem Staatsbesuch, auf die durch Griechenland still und leise vereinnahmten Inseln im Ägäis ansprechen würde. Weit verfehlt! Er kam mit der Äußerung, dass die türkisch-griechische Grenze evtl. neu gezogen werden müsste. Schock! Schon war Jerusalem ein Thema. Es muss nur noch festgelegt werden, wann die Türkei dort einmarschiert. Auch möchte er Trump zur Rechenschaft ziehen, wie das möglich sein wird, werden wir natürlich niemals erfahren. Schon am nächsten Tag war Zypern dran. Er sagte das Zypern auch den Türken gehöre und diese ein Anspruch auf das Ganze hätten. Als Ungeübter kann man es nicht leicht wiedergeben, wie er das gesagt hat, aber es hat sich in etwa so angehört, als würde die Türkei demnächst auch dort einmarschieren und den Rest auch noch holen.

Der Normalsterblich rauft sich die Haare (Raufen ohne Haare macht keinen Sinn), nur die Anhänger jubeln. Ziel erreicht!

(*) o. F. = ohne Funktion

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