Der Klimawandel mit Schuld am Untergang der Osmanen?

Die Kleine Eiszeit war eine Periode relativ kühlen Klimas von Anfang des 15. Jahrhunderts bis in das 19. Jahrhundert hinein. Sie gilt in der heutigen Klimadiskussion als das klassische Beispiel einer durch kurzfristige Schwankungen geprägten natürlichen Klimavariation. Sie ist Teil der jüngeren Klimageschichte und Forschungsgegenstand der Historischen Klimatologie. (Wikipedia).

Das Gemälde IJsvermaak („Eisvergnügen“) von Hendrick Avercamp zeigt Menschen auf einem zugefrorenen Kanal in den Niederlanden im kalten Winter 1608. Heute dagegen sind die Kanäle im Winter meist eisfrei. Künstlerische Darstellungen solcher Szenen sind nur aus der Zeit zwischen 1565 und 1640 bekannt.

Die Zeiträume von 1570 bis 1715 besonders kalte Zeitabschnitte. Genau in diese Phase hinein macht man in Europa die Erfahrung, dass die Osmanen nicht unbesiegbar sind. Oft trägt die kalte Witterung dazu bei, dass die osmanischen Armeen scheitern. Die Feinde der Osmanen kämpften auf dem heimischen Boden und haben die Möglichkeit sich hin und wieder mal zu wärmen. Auch haben sie den Vorteil, dass sie sich an die grauen und ewig kalten Tage schon längst gewöhnt haben.

Noch wichtiger erscheint mir die Tatsache, dass ein Satz bei der Schilderung der kleinen Eiszeit genauso vorkommt, wie bei der Darstellung der Beginn des Niedergangs des osmanischen Reiches:

„Die Ernte fiel immer geringer aus, wurde knapper und teurer.“ Bei den Osmanen fängt das Volk an gegen die Herrscher sich zu erheben und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Europa ist zu der Zeit viel Fortschrittler und kann sich mit den Gegebenheiten besser arrangieren. Hingegen hatten die Osmanen sich schon längst von Bildung und Wissenschaft entfernt und registrierten womöglich nicht, dass ein Klimawechsel stattfand.

Was passiert ist passiert. Ich möchte auf etwas anderes heraus. Damals zu meiner Schulzeit und noch heute, weiß in der Türkei niemand was von der kleinen Eiszeit. Selbst die Lehrer der Lehrer nicht. Zumindest steht es nicht in den Büchern. Ich frage mich dann, was ich von dem, was in den türkischen Geschichtsbüchern steht, als bare Münze nehmen kann? Hat man da nicht automatisch ein schiefes Bild?

Wie schön wäre es doch, wenn der Osmanen-Fan sagen könnte: „Der Klimawandel war am Untergang der Osmanen schuld.“ Was ja so auch nicht stimmt. Wer die Bildung nicht in den Mittelpunkt stellt, ist dem Untergang geweiht.

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