Um ein Machtwort zu sprechen, bedarf es zunächst einmal Macht.

unterdemteppichIn Zusammenhang mit der Türkei erwarten die, die in der Lage sind, zu sehen, was in der Türkei abgeht, dass die EU endlich mal Tacheles redet und auf den Tisch haut.

Geht nicht!

Die EU und im besonderen Deutschland und die Türkei sind so miteinander verwoben, dass hier wie dort, ein „Auf den Tisch hauen“ und anschließend Aktionen folgen zu lassen, fast unmöglich ist. Die EU kann der Türkei nicht weh tun. Womit den auch?

Was aus der EU bzw. Deutschland, in Richtung Türkei gesagt werden kann, kommt in der Türkei nicht, oder anders an. Interessiert einfach niemanden, zumal es so wichtig nicht sein kann. Die Türkei weiß, die EU braucht die Türkei wegen den syrischen Flüchtlingen, die im Lande gehalten werden sollen und das Gesagte kann unmöglich Aktionen oder gar Sanktionen hinter sich ziehen.

Egal, wie hart der verbale Austausch in die eine oder andere Richtung gehen könnte, darf es nicht dazu führen, dass der Gesprächsfaden zerreißt. Das wäre fatal, aber auch fast unmöglich, denn beide brauchen einander. Die türkischen Minister und Erdogan sagen schon mal Dinge, die im Normalfall einen Abbruch der Beziehungen hinter sich ziehen könnten, aber das überhört die EU und macht weiter.

So wird Erdogan seinen Weg gehen. Niemand wird sich ihm in den Weg stellen (können). Hoffen kann man da noch auf einen Fehltritt, den man so nicht vorhersehen und planen kann, einfach ein Fehltritt, dass alles auf einmal gegen ihn läuft. Nein, während ich schreibe, merke ich wie schwer meine Finger werden, denn er ist ja für nichts verantwortlich. Immer wird er von jemandem getäuscht worden sein und die Verantwortung von sich weisen. Also braucht man da auch nicht hoffen.

Wie lange wird die Wirtschaft den Wertverlust der türkischen Lira noch und die Schwankungen überhaupt, aussitzen können? Das könnte die Schwachstelle in den Planungen von Erdogan sein. Jedoch passiert hier was, wofür die Analysten bald auch keine Erklärungen mehr haben. Wo bleibt der Knall?

Es gibt zwar viele Baustellen, die Fragen aufwerfen, aber nur auf die Devisenschulden der privaten Wirtschaft bezogen, herrscht folgende Situation:

Die private Wirtschaft der Türkei hat über 300 Mrd. USD Auslandsschulden, die bedient werden müssen. Devisen kommen aber nur durch Export und Tourismus rein. Während der Tourismus, nach der miserablen Saison 2016, am Boden liegt, werden die Exporte im vierten Jahr in Folge abermals zurückgehen. Während die Deviseneinnahmen der Unternehmen und des Landes zurückgehen, steigen die Schulden, allein durch den starken Wertverlust der Lira. Ein Unternehmen das sich in 2013 verschuldete, wo der Euro-Kurs bei 2,35 TL stand, muss heute 3,50 TL aufbringen um die teuren Euros für die Rückzahlung zu kaufen. Dabei sind die Margen am Markt so gering, dass selbst gesunde Unternehmen das nicht stemmen könnten. Wie die Wirtschaftslage sich auf das Ganze auswirken wird, müssen wir abwarten.

Ansonsten gibt es nur eines: Der Dialog muss weitergehen, auch wenn es für normale Menschen unerträglich ist, was in der Türkei abgeht.

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