Gördünmü? Allah belasını verdi. (Siehst du, Allah hat ihm seine gerechte Strafe gegeben).

betrogenOft werden Menschen, überall auf der Welt, geschäftlich betrogen.

Der Betrogene sagt in der Türkei zumeist: „Allah belanı versin!“ (Allah soll dir deine gerechte Strafe zuteilwerden lassen!). Es dauert nicht lange, erfährt der Betrogene, das dem Betrüger etwas widerfahren ist, zumeist eine geschäftliche Niederlage, oder gar Konkurs. Dann heißt es, voller Genugtuung: „Gördünmü? Allah belasını verdi.“ (Siehst du, Allah hat ihn seine gerechte Strafe gegeben).

Dieses ist ein Irrglaube. Denn der Betrüger ist, auf kurz oder lang, dazu verdammt, Pleite zu gehen. Seine galoppierenden türkischen Gene zwingen ihn nämlich dazu. Er agiert ohne einen Businessplan, ja, sogar ohne einen Plan. Was soll schon dabei rauskommen?

Dazu kann ich auch ein Beispiel bringen. Mein Freund Ali ist von einem guten (mittlerweile Ex-)Freund Nihat, reingelegt worden. Der Betrüger, Unternehmer Nihat, hat mich als Berater verpflichten wollen. Da wusste ich aber noch nicht, dass er mein Freund Ali betrogen hatte, das habe ich erst später erfahren. Ich unterbreitete dem Nihat ein schriftliches Angebot. Am Telefon sagte er: „Wir wollen mit Ihnen arbeiten, wir haben uns für Sie entschieden.“ Klang gut, aber es kam bei mir noch keine Freude auf, denn man muss in solchen Fällen nachhaken, Erfahrung halt. „Sie meinen, dass Sie mein Angebot akzeptieren und mich beauftragen wollen?“

Nihat: „Kommen Sie erst mal, dann werden wir uns schon einig.“

„Wie einig, ich nehme den Auftrag nur an, wenn Sie mein Angebot akzeptieren.“

Nihat: „Wir werden Ihnen, statt Honorar, Prozente vom Verkauf vorschlagen.“

Ich habe dem Nihat gute Geschäfte gewünscht und aufgelegt. Ende der Durchsage.

Diese Situation erlebte ich in der Türkei, bestimmt schon zwanzig Mal und mehr. Wie oft bin ich früher, auf eine telefonische, oder E-Mail-Zusage hin, hunderte von Kilometern geflogen, um dann zu erfahren… „Ja, aber…“

Lange Rede, kurzer Sinn… Als ich später erfuhr, dass dieser Nihat, mein Freund Ali betrogen hatte, sagte Ali: „Allah belasını versin!“ (Allah soll ihm seine gerechte Strafe zuteilwerden lassen!).

Ali wird seine Genugtuung bekommen, denn der Nihat packt gerade ein Geschäft an, wovon er keine Ahnung hat. In einigen Monaten wird mein Freund Ali zu mir sagen: Gördünmü? Allah belasını verdi. (Siehst du, Allah hat ihn seine gerechte Strafe gegeben). Er wird dabei nicht wissen, dass es nichts mit ihm zu tun hat und schon gar nicht mit Allah, dass der Nihat Pleite ging.

Was lernen wir daraus? Es ist niemals die gerechte Strafe Gottes, sondern immer die eigene Unerfahrenheit, die einem etwas Schlimmes widerfahren lässt.

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