Der türkische Riese hat sich festgefahren

Kein türkisches Unternehmen hatte in der Geschichte der Türkei, ein Darlehen in dieser Höhe aufgenommen. Die im September 2016 fällige Rate über 290.000.000 USD konnte nicht bedient werden.

Schon kochen die Gerüchte, dass es dem türkischen Riesen nicht gut geht. Die Rede ist von Türk Telekom. Eigentlich sind es keine Gerüchte, sondern die harte Realität.

55% der Anteile gingen 2005, im Rahmen der Teilprivatisierung, an die, der saudische Gruppe Oger zugehörige, Oger Telekom. Schon damals war die Türk Telekom eine Negativ-Schlagzeile wert. Oger Telekom zahlte für die Anteile lediglich eine Summe, welches dem damaligen 4 Jahresgewinn von Turk Telekom gleich kam.

In 2013 nahm Türk Telekom ein Darlehen in Höhe von 4,6 Milliarden USD auf. Die fällige Rate von 290 Mio. USD konnte nunmehr nicht bedient werden.

Im Konsortium der Kreditgeber sind u.a. die Deutsche Bank, Citibank, Garanti Bankasi und Akbank. Dabei trägt die türkische Akbank, mit 1,6 Mrd. USD, die Hauptlast des Konsortiums.

Wie man hört, mussten einige Unternehmen der saudischen Gruppe Konkurs anmelden. Die Analysten rechnen damit, dass sich das auch auf die Türk Telekom auswirken wird.

Wissen sollte man noch, dass die Türk Telekom 2013 sich zu einem Dollarkurs von 1,8560 TL verschuldet hat. Momentan steht der USD bei 3,0800 TL. Somit betragen die Schulden zum heutigen Tag 14,1 Mrd. TL, die es zu managen gilt.

Oger Telekom hatte die 55% Anteile für 6,5 Mrd. USD gekauft. 20% wurden direkt beglichen. Obwohl der Rest in 5 Raten zu zahlen war, nahm Oger Telekom in 2007 ein Darlehen über 4,3 Mrd. USD auf und bezahlte die Restschuld mit einer Einmalzahlung. Somit gingen die Anteile 4 Jahre eher über.

Am 28. Mai 2013 dann, refinanzierte man sich, um das o.g. Darlehen zu begleichen, über ein Konsortium von Banken, über 4.478.970.000 Mrd. USD. Als Sicherheit gab man die 55%igen Anteile an Türk Telekom.

Die bestehenden Verbindlichkeiten können, mit dem vorhandenen Umsatz und den möglichen Gewinnen, nicht mehr aufgefangen werden. Das Unternehmen hat sich hoffnungslos festgefahren. Die meisten Analysten sind der Meinung, dass der Staat die 55% Anteile sofort übernehmen müsste. Auf der anderen Seite gibt es noch eine zweite Variante. Die Garanti Bankasi der Dogus Gruppe soll Interesse bekundet haben, die Anteile zu übernehmen.

Die Gewinne für die ersten 9 Monate dieses Jahres, lagen mit 9 Mio. TL (ca. 2,7 Mio. EUR), weit unter den Erwartungen und zeigen deutlich auf, dass mit dieser Summe keinerlei Kredite bedient werden können.

Jetzt bleibt abzuwarten, was in den nächsten Tagen mit der Turk Telekom passiert. Egal was passieren wird, es wird schnell passieren müssen, zumal die Darlehen gebenden Banken diesen Kredit in ihrer Bilanz bereits verbucht haben. Geld oder Anteile?

Das, was der Turk Telekom widerfährt, hat auch für andere Unternehmen der Türkei Bestand. Allein in den letzten 3 Jahren hat die türkische Währung, gegenüber den USD, 40% an Wert verloren. Folglich müssen die Unternehmen, die in 2013 Devisenkredite aufnahmen, 40% mehr an TL in der Kasse haben als vorgesehen, um diese Kredite zu bedienen. Wer hat das?

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