Zinswende bedroht die Türkei

Bevor ich unten zitiere, möchte ich erwähnen, dass der Schock vom Montag, als sich die Nachricht der Herabstufung der Kreditnote der Türkei, durch Moody’s auf den Finanzmärkten sich niederschlug, am Dienstag teilweise überwunden wurde. Die Regierung ist bemüht darum, die Situation, so gut wie nur möglich zu vermitteln. Der Grund sind die 3. Quartalszahlen. Man möchte verhindern, dass die schwierige Finanzlage, in den Quartalszahlen sich wiederspiegeln. Dennoch, die Probleme bleiben bestehen.

n-tv: Wird die US-Notenbank mit einer Zinserhöhung eine neue Krise in den Schwellenländern auslösen? Analysten von S&P fürchten im Fall einer Anhebung mit massiven Kapitalabflüssen. Die türkische Volkswirtschaft dürfte es demnach am härtesten treffen.

Die Türkei wäre nach Einschätzung der US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) im Falle einer Zinserhöhung in den USA wegen der dann zu befürchtenden Kapitalabflüsse der größte Verlierer unter den Schwellenländern. “Es gibt kein anderes großes Schwellenland, das so stark wie die Türkei von externer Finanzierung abhängig ist”, sagte Chefanalyst Moritz Kraemer.

S&P beziffert den Bruttofinanzbedarf der Türkei auf 180 Prozent der über Leistungsbilanz und Währungsreserven verfügbaren Mittel. Das Land liegt damit noch vor Venezuela, Argentinien und Ägypten. Laut Krämer rechnet S&P damit, dass die US-Notenbank ihren Leitzins im Dezember um 25 Basispunkte erhöhen und ihren “sehr graduellen Zinserhöhungskurs” anschließend fortführen wird.

Comeback der Dollar-Anlage

Eine US-Leitzinserhöhung würde Anlagen im 14 Billionen US-Dollar schweren US-Anleihemarkt attraktiver machen. “Das würde bedeuten, dass die supergünstigen Finanzierungsbedingungen für viele Schwellenländer zu Ende gehen”, sagte Krämer. Allerdings könne niemand wissen, wie viel Geld tatsächlich aus Schwellenländern abgezogen werde.

Um die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes steht es nicht zum Besten: Der S&P-Analyst hob hervor, dass sich die türkische Regierung – vor allem seit dem Putschversuch – vor allem auf die “Herstellung politischer Stabilität” konzentriert habe, und zwar zu Lasten “wirtschaftspolitischer Aktivitäten”. Im Klartext: Die Regierung unter Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat es in den Augen der Bonitätsprüfer versäumt, das Land auf die absehbaren ökonomischen Umwälzungen vorzubereiten.

Ende des Türkei-Booms?

Die Türkei hatte in den vergangenen Jahren einen breiten wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Angesichts des neuen politischen Klimas in dem einstigen Musterkind unter den Schwellenländern zweifeln Experten allerdings längst, ob sich das Wachstumswunder am Bosporus fortsetzen wird.

Ende vergangene Woche hatten bereits die Analysten der Ratingagentur Moody’s das Rating der Türkei von “Baa3” auf “Ba1” gesenkt. Die Anleihen rutschen damit von der Investment- in die Spekulationsklasse. Die türkische Lira wertete daraufhin deutlich ab. S&P bewertet die Türkei ebenfalls nur noch mit “BB+”. der Ausblick steht auf “negativ”.

Laut S&P sind auch die meisten anderen großen Schwellenländer anfälliger für externe Schocks geworden. Die Ratingagentur weist darauf hin, dass die Verschuldung der 20 wichtigsten Schwellenländer seit 2013 um 21 Prozent gestiegen sei.

Auf dem größten Schuldenberg sitzt (unter Einrechnung der Staatsunternehmen) China mit rund 160 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, gefolgt von Brasilien (knapp 100 Prozent) und Mexiko (über 60 Prozent). Neun Schwellenland-Ratings von S&P haben derzeit einen negativen Ausblick, zwei einen positiven. Das ist nach Aussage von Moritz Krämer das ungünstigste Verhältnis, dass es je gab.

Quelle: n-tv.de , mmo/DJ

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