Hiernach siehst du ganz klar, wohin die Türkei steuert

sonDiese Zahlen sind nicht gerne gesehen, in der Türkei, dennoch sind sie von offizieller Stelle herausgegeben. Türkstat gibt diese Zahlen heraus und die Regierung hofft, dass niemand sie kommentiert und an die große Glocke hängt.

Die Zahlen der Türkei, zeigen Probleme auf und sind nicht gern gesehen.

Statt zu überlegen „wie kann man diese Probleme angehen und lösen?“, heißt es: „Mach mir kein Ärger, sonst schlage ich dir die Fresse kaputt!“.

Diese Zahlen hat mein Freund Utku Kaynar herausgearbeitet. Ich habe diese aufgefrischt, aktualisiert, andere dazu ergänzt und kommentiert. Die Zahlen stehen im Raum. Sie sind der Öffentlichkeit zugänglich und folglich steht es jedem zu, diese aus seiner Sicht zu kommentieren.

We proudly present die unglaublichen Zahlen der Türkei:

Schauen wir zuerst auf die Einwohnerzahl.

78.460.000 Menschen leben in der Türkei (2015). Das Prokopfeinkommen war bis vor einem Jahr, fest angenagelt auf 10.000 USD. Durch den Wertverlust der türkischen Lira steht es momentan bei knapp über 8.000 USD und wurmt die Regierung, zumal man immer damit angab.

18.857.000 Jugendliche sind im schulpflichtigen Alter.

Dann sind wir auch schon bei den Akademikern und bei den Jugendlichen, die die Aufnahmeprüfungen zu den Universitäten ablegten.

Januar 2014 nahmen 2.007.069 Schüler, bei den Aufnahmeprüfungen (YGS) zu den Universitäten, teil. Nach verschiedenen Klassifizierungen haben 518.000 und 218.000 Kandidaten die Prüfung nicht geschafft. Also 736.000, die nicht wissen, wohin?

Jedes Jahr gibt es 730.000 Abiturienten und 430.000 Akademiker, die auf den Arbeitsmarkt drängen.

Wie sieht es mit der Arbeitslosigkeit aus?

Diese Zahlen sind am 15.02.2016 genannt worden. 10,5% beträgt die momentane Arbeitslosenquote. Direkt anschließend, nach der Bekanntgabe, sagte der stellv. Ministerpräsident Simsek, dass ohne neue Maßnahmen, eine Umkehr auf Einstellig nicht möglich sei. Bezeichnend ist sein Satz: „Die Arbeitslosigkeit kann nicht runtergehen, wenn so viele neue Arbeitskräfte nachrücken.“ Seit Jahren mein Sagen.

Übrigens, Erdogans Rat: „Macht drei Kinder!“ ist somit Gift für die Türkei.

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 17,5% und bei den Akademikern bei 28%.

Mal schauen, was die Zahlen, noch so Interessantes über die Türkei preisgeben:

63,9% der Bevölkerung ist zu Mahlzeiten aus ein und demselben Topf. 19 Millionen Wohneinheiten (Familien) gibt es in der Türkei. Pro Wohneinheit 4 Personen. 32 Millionen Internetabonnenten gibt es. 9% behaupten eine Fremdsprache zu können. Es ist anzunehmen, dass die Quote wesentlich geringer ist, zumal die Abiturienten mit einem „Sehr gut“ auf dem Zeugnis, gerade mal nur auswendig gelerntes von sich geben können und noch lange nicht, das gesagte, verstehen.

12% der Bevölkerung machen die Akademiker aus. 67% der Menschen leben im Familienverband. Nur 2% der Bevölkerung lebt alleine.

Kommen wir zu den Ausgaben eines konsumfreudigen Volkes:

69% des Familieneinkommens gehen für Lebensmittel, Miete, Nahverkehr und sonstige Haushaltsausgaben drauf. Anmerken muss man, dass diese nur statistischen Werte sind. In der Regel leben die Familien mit Unterdeckung und sind auf sonstige Angehörige aus der Großfamilie angewiesen.

Für Bildung geben die Familien 2% des Einkommens aus. Fast Food- und Restaurantausgaben machen 6% des Einkommens. Für Kulturelles (was man auch darunter zu verstehen mag) gibt man 3 und für Alkohol und Zigaretten 4% des Monatseinkommens aus.

2013 reisten 8 Millionen Türken ins Ausland. 5 Millionen davon in die Nachbarländer. Allein nach Georgien reisten 1 Mio. Türken.

Wie kann man diese Zahlen nun Kommentieren?

Verdammt viele Menschen leben in der Türkei. Wir haben unglaublich viele junge Menschen unter uns. Wir sind nicht reich. Das Bildungsniveau liegt am Boden, zumal wir es nicht für wichtig erachten und kein Geld dafür ausgeben.

Die Universitäten, für viele die Hoffnungsträger, bringen eigentlich die Arbeitslosigkeit mit sich, oder abschwächend ausgedrückt, sind sie keine Garanten für einen Job. Dass die Arbeitslosenzahlen mal richtig fallen könnten, ist ausgeschlossen. Mathematisch unmöglich, zumal keine neuen Arbeitsplätze hinzukommen, die mit dem Zahl der in den Arbeitsmarkt strömenden schritthalten könnten.

Das Internet und sonstige Technologien benutzen wir eigentlich nur zur Unterhaltung. Die Welt reicht bei uns nur bis zu den Nachbarländern, wenn überhaupt. Die meisten Nachrichtensendungen bringen nur Beiträge, die durch die Überwachungskameras gefilmt worden sind.

Wir leben mit unseren Familien, essen aus einem Topf, lernen keine Fremdsprachen und werden nicht automatisch zu einem Volk, die sich weiterentwickelt.

Nennen wir noch ein Paar Zahlen. Wie steht es um die Bildung in der Türkei, wenn man die 65 OECD Länder betrachtet?

In Mathematik an 44. Stelle. Das Gelesene verstehen und wiedergeben, an 42. Stelle und bei den wissenschaftlichen Fächern an 43. Stelle.

Wenn diese Zahlen Euch nicht befriedigt haben, gehen wir zu den Wirtschaftswachstumszahlen rüber:

Die Emerging-Markets, zu denen auch die Türkei zählt, sind zwischen 2002 und 2008, um durchschnittlich 7,6% gewachsen. Die türkische Wirtschaft ist in diesem Zeitfenster um 5,9% gewachsen.

Zwischen 2008 und 2012, China ausgenommen, betrug das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der Emerging Markets 5,6%. Türkei 3,9%

Somit betrug das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der Emerging Markets zwischen 2002 und 2013 7%. Die türkische Wirtschaft wuchs um durchschnittlich 5,2%.

Ich weiß nicht, ob Ihr noch in Erinnerung habt, wie die Regierung mit dem Wirtschaftswachstum der letzten Jahre, sich rühmte. Dabei liegen die Werte allesamt unter den Durchschnittswerten der sonstigen Länder der Emerging Markets.

Wo steht die Türkei in der Weltwirtschaft und wo führt das Ganze hin?

Während Korea 1985 0,9% der Weltwirtschaft ausmachte, stand die Türkei für 1% gerade. Im Jahre 2012 dann zeichnete Korea für 1,9% und die Türkei für 1,35%.

PriceWaterhouseCoopers gibt die folgenden Top 10 der Weltwirtschaft für 2030 aus: China, USA, Indien, Brasilien, Russland, Deutschland, Mexiko, Frankreich und England. Auch die anderen Organisationen und Institute, wie; die Weltbank, IWF, Goldman Sachs u.a. sehen die Türkei, bis 2050 nicht unter den Top 10. Dabei hieß es doch vor jeder Wahl und bei jeder Kundgebung von Erdogan, dass die Türkei bis 2023, zum 100 jährigem Bestehen der Republik, unter den größten 10 Industrien der Welt zu finden sein würde.

Wir sollten auch die Wirtschaft kurz anschneiden:

Die High-Tech Exporte aus dem Jahre 1990: China 4,3 Milliarden USD, Korea 1,9 Mrd. USD, Türkei 100 Millionen USD.

Im Jahre 2012 sieht es für die Türkei noch miserabler aus: China 457 Mrd. USD, Korea 122 Mrd. USD und die Türkei 1,9 Mrd. USD. Die anderen Nationen ziehen auf Abstand weg.

Solange die Türkei sich, auf die niedrigen Löhne basierend anpreist und die Waren nur über den günstigen Preis verkauft, werden die Menschen in der Türkei, immer als Knechte anderer Industrieländer agieren. Nach derzeitigem Stand und Entwicklung, erscheint eine Umkehr ausgeschlossen.

Der Industriekammer von Ankara (Ankara Sanayi Odasi) hat im Jahre 2012 eine interessante Studie vorgelegt und einige Exporte mit den Importen gegenüber gestellt.

Die Türkei exportiert 670 Sattelschlepper Stahl und importiert 1 Sattelschlepper Handys.

Für 582 Sattelschlepper Mehl importiert die Türkei  1 Sattelschlepper Medikamente.

Für 2.088 Sattelschlepper Chromerz importiert die Türkei 1 Sattelschlepper Impfstoff.

Für 25 Sattelschlepper Marmor gibt es ein Tomographiegerät.

Für 2.612 Sattelschlepper Zement, kann man 1 Sattelschlepper Computer importieren.

Die o.g. Zahlen zeigen ganz genau, wo die türkische Wirtschaft steht und wie es aufgestellt ist.

Während 2012 1 Kilo Zement 0,14 TL kostete, zahlte man für 1 Kilo Computer 860 TL

Für 5,6 Tonnen Getreide, bekommt man 1 kg. Flugzeugersatzteil.

Die Türkei exportiert 3,4 Tonnen Tomaten und kauft dafür 7 kg Tomatensaat.

Wir verkaufen 1 kg Auberginen für 2 TL und kaufen 1 kg Auberginensaat für 14.250 TL.

Wie stehen wir zu High-Tech-Produkten?

Lässt man die Energieimporte gänzlich raus, so bestehen die Importe der Türkei zu 98% aus High-Tech-Produkten. Beim Export hingegen, macht High-Tech, gerade mal 3% der Gesamtexporte aus.

Was sagen die Untersuchungen und Umfragen über den Türken aus?

Jeder 10. glaubt, dass man den Menschen vertrauen kann.

64% glauben, dass bei der Ausübung der Religion, vorrangig die Gesetze des Koran zu beachten sind und den Menschen etwas Gutes zu tun, erst danach kommt.

Als man ermittelte, ob im Land mehr die rechte oder linke Gesinnung schwerer wiegt, bekam die Türkei 6,4 Punkte und war unter 47 europ. Ländern ganz rechts einzuordnen. Noch mehr rechts ging nicht mehr.

Bei der Geschlechtergleichstellung unter 60 Ländern an 48. Stelle.

In der Türkei sagen 59% der Frauen, dass die Frau das tun muss, was der Mann sagt. In einigen Regionen der Türkei stieg diese Quote bis 71%. Die Frauen zu emanzipieren kann man folglich, ebenfalls als hoffnungslos bezeichnen.

Jetzt sollte ich noch einige Umfrageergebnisse und Statistiken aufführen, die aufzeigen, was der Türke so denkt und wie er drauf ist:

71% der Türken sind Stolz auf die Erfolge der Türkei im Bereich Wissenschaft und Technologie. Nachgefragt, welche diese sind, wissen sie aber keine Antwort drauf.

49% der Türken glauben, dass die Türkei von Lobbyisten und anderen Ländern gelenkt wird. Diese Quote beträgt in Norwegen z.B. 5%.

Die meisten Bürger der Türkei glauben, dass die Regierung Korruption und Bestechungen effizient bekämpft. (Die Umfrage war von dem 17. Dezember 2014, als die angeblichen Korruptionsfälle, gegen viele Regierungsmitglieder aufgedeckt wurden).

Auf die Frage, welche Institutionen man als entartet ansieht, antworteten die meisten: Die politischen Parteien.

Noch eine schreckliche Zahl: Ende 2014 hatten 3.183.000 Menschen wegen Kreditkartenschulden die Pfändung vor der Tür. Dabei muss man bedenken, dass die Banken Umschuldungen von Umschuldungen anbieten und die Schulden auf Jahre, ja sogar auf Lebenslang strecken.

Aus dem Ganzen sollte jeder seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen. Ich behaupte aber, dass die Türkei die Chance verpasst hat, eine neue Erfolgsstory zu schreiben. Das Land schafft es nicht, High-Tech-Produkte zu entwickeln, Produkte und Dienstleistungen mit Mehrwert zu erzeugen.

Das wird auch mittel- und langfristig schwer möglich bis unmöglich sein. Das Vertrauen unter den Menschen fehlt gänzlich. Teamgeist existiert nicht. Das, was man einem in der Jugend ins Ohr geflüstert hat und was man vom Hörensagen aufgeschnappt hat, ist Gesetz.

Auch, wenn man sagt: „Glaube nur den Statistiken, die du selber gefälscht hast“, so kann man bei den o.g. Zahlen eine Ausnahme machen. Sie sind von der Regierung herausgegeben. Also, wenn sie der Wahrheit nicht entsprechen, so sind die Zahlen eher beschönigt, aber immer noch grausam genug.

Um zu wissen, wie das Land tickt, kann man die Zahlen als Basis nehmen.

Untereinander sind die Türken sich nicht grün. Die auferlegten Regeln, bestimmen das ganze Leben. Auf der einen Seite gelten die politischen Parteien als entartet, doch auf der anderen Seite hält man die eigene Partei, als Non-Plus-Ultra. Ein Widerspruch, von vielen, an sich.

Die Konsumfreude und die Sorglosigkeit, treibt die Menschen, von einer Schuldenfalle zum anderen.

Und dürfen wir hoffen?

Tja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Solange wir alles glauben, was man uns auftischt, werden die Probleme, im Bewusstsein der Menschen, immer gelöst sein. Nur die Realität schreibt eine andere Geschichte.

http://www.turkstat.gov.tr/Start.do

http://www.milliyet.com.tr/bir-dizustu-bilgisayar-kac-ton-cimento-ediyor-/ekonomi/ekonomidetay/07.04.2010/1221986/default.htm

http://www.aktifhaber.com/mehmet-simsek-issizligi-nufusun-artmasina-bagladi-1305905h.htm

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