…lasst Knöpfe regnen!

Ich jobte, zu meinen Studienzeiten in Köln. Mein Arbeitgeber war Jude und der einzige überlebende seiner Familie während des Holocausts. Als Jugendliche lebte er eine Zeit lang in Marseille, wo viele Juden aus allen Himmelsrichtungen, vor der Abreise in die USA, verweilten.

Er erzählte mir von seiner Zeit in Marseille und von einer Begebenheit. Juden, die dort ankamen und vor lauter Heimatliebe dort nicht aushielten und in die Heimat zurückkehrten. In welche Heimat? In die Türkei natürlich. Die türkischen Juden wurden krank vor Fernweh. Scheinbar gab es kein Ausweg für sie. Auf die Gefahr hin, dass der zweite Weltkrieg und Hitler auch die Türkei erreichten, kehrten sie zurück.

10. November 1938, die Menschen vergießen Tränen ohne Ende. Atatürks Sarg kommt an ihnen vorbei. Der Wagen mit dem Sarg bewegt sich Richtung Stadtteil Karaköy, damals der Stadt- und Geschäftszentrum von Istanbul.

atatürkknopf
…und auf einmal! Es regnen Knöpfe auf den Sarg von Atatürk. Viele bunte Knöpfe in allen Größen. Die Menschen an den Fenstern schmeißen es runter. In kurzer Zeit gibt es ein Meer von lauter bunter Knöpfe.
Nur die die Knöpfe runterschmeißen, wissen worum es geht. Die anderen staunen, bis sich die Sache später doch noch aufklärt. Es sind jüdische Türken, die ein Brauch pflegen. Sie reißen die Knöpfe ihrer Hemden und Jacken und schmeißen es hinter dem Toten, die sie verehren.
„Nach dir bin ich nie mehr wieder ganz“ soll es bedeuten.

Ich fragte mein Freund, den bekannten Künstler Heiko David Schaldach, ob er mir zu dieser Geschichte etwas zeichnen könnte. Die Story fand er auf Anhieb gut. Er sagte sofort zu und fing zu recherchieren an. Nach der Recherche hatte er eine Vorstellung, wie es damals beim Begräbnis von Atatürk zugegangen sein musste und das Bild entstand.

Auf diesem Wege Heiko David, nochmals vielen lieben Dank.

Hier ein Spruch von ihm, an dem ich euch teilhaben lassen möchte:

“Ich habe mich mein ganzes Leben als Künstler (Internationaler Karikaturist) im Dienste des Friedens eingesetzt. Meine Antwort ist als Künstler Grenzen zu überschreiten, in der Reflektion des tun´s durch Karikaturen. Was ist Menschlich? Der Mensch ist nicht zum Menschen geboren, er wird Mensch, in dem er menschlich handelt. Ihre Unmenschlichkeit zeigen ihre Taten”.

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