Mit der Glühbirne aufgewacht und mit der Leuchtstoffröhre…

Ich war mit dem Airport-Shuttle unterwegs nach Ankara-City. Wenn alles glatt geht, fährt man ca. 45 Minuten bis in die Innenstadt, genügend Zeit, um sich mit dem Fahrer zu unterhalten.

„Ich habe gehört, Sie stammen aus Deutschland?“ fängt er an. „Ihr seid auch alle für den Erdogan“. „Anhalten, ich möchte aussteigen!“ hätte ich rufen können. Schließlich befand ich mich nach den Wahlen am Sonntag in der Reha-Phase. Das Wahlergebnis war ein Schock für viele.

An dem Wahlsonntag wollten wir die Glühbirne (das Logo der AKP-Partei) auspusten. Denkste, stattdessen gingen wir mit einer Leuchtstoffröhre im Hintern schlafen. So heftig hat es uns erwischt.

Wie 100% der Stimmen in 2 Stunden gezählt werden konnten, wo doch meine Freunde in Istanbul, die als Wahlaufseher agierten, um 23 Uhr noch die Säcke mit den Wahlzetteln zur Zentrale brachten und dort auf dem Monitor sahen, dass alles schon gelaufen war, werden wir niemals wissen. In einem Land ohne Briefwahl, wo man dadurch, dass 20% schon vorab ihre Stimme abgegeben haben, sogar einen Zeitvorteil beim Zählen hätte.

Kommen wir zum Fahrer, der feststellte, dass wir Deutschtürken auch für Erdogan seien. So gab er Preis, dass er AKP gewählt hatte. Ich fragte ihn nach den Gründen.

Er sagte, er hätte eine Tochter in der 8. Klasse. Für die Bücher und die Übungsbücher hätte er nichts bezahlt. Glückspilz, ich habe für die Übungsbücher richtig was hingelegt. Er sagte weiter, dass er bis letztes Jahr für die Bücher immer bezahlt hätte und wenn jetzt nichts mehr bezahlt wird, dann wäre das auf die Regierungspartei zuzurechnen. Ich hatte kein Bock, das Gespräch zu vertiefen.  Die AKP ist seit 13 Jahren an der Macht und warum waren die Übungsbücher jetzt auf einmal für ihn kostenlos und für mich nicht?

Leider rutschte ihm noch ein Satz raus. „Die AKP tut richtig viel für die Bildung“. Da hatte er mich aber an der empfindlichsten Stelle getroffen. „Das denken aber auch nur die AKP Wähler“ sagte ich.

Das sollte ich mal bitte erklären. Warum Bezug nehmen auf andere, dachte ich, wenn ich doch ein Beispiel direkt vor meiner Nase habe. „Mein Sohn, ist einer der besten in der Klasse, lernen tut er aber kaum was“ sagte ich.

Fast wäre er auf den Vordermann aufgefahren. „Wie geht das denn, wer er doch einer der Besten ist?“. Das Multiple Choice Verfahren (da ich das Wort in Türkisch nicht kannte, habe ich mal schnell mit 10 Sätzen umschrieben) sagte ich, vereinfacht das Ganze und die können die passende Antwort oftmals erahnen. Eigentlich brauchte ich nicht mehr weiterreden, denn die Umschreibung des Wortes ‚Multiple-Choice‘ war zu viel des Guten. In seinen Augen war ich ein verwirrter Vollidiot. Schon waren wir in der Stadt  angekommen.

Jetzt wird es 2 Tage länger in Anspruch nehmen, bis ich meine Fabrikeinstellungen wieder erreicht haben werde.

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