“Nirgendwo in Deutschland konnte ich Wasser zum Trinken auftreiben”

“Nirgendwo in Deutschland konnte ich Wasser zum Trinken auftreiben”. Diesen Spruch hörte man früher von den Deutschland-Reisenden Türken sehr oft. Eigentlich immer.

Damit meinte man ‘Tafelwasser’ ohne Kohlensäure. Bis zur Tschernobyl-Katastrophe (26. April 1986) gab es in Deutschland nur Wasser mit Kohlensäure. Nach Tschernobyl allerdings wurden sogar Babys eine Zeit lang in Trinkwasser aus der Flasche (ohne Kohlensäure) gebadet.

Ich kann mich an Situationen erinnern, dass wir mit Geschäftsleuten aus der Türkei, die zu irgendeiner Messe in Deutschland gekommen waren, Nachts durch die Stadt fuhren, um irgendwo “Wasser”, wie man sie in der Türkei kannte, aufzutreiben.

Das Gleiche ist heute noch mit den Konditoreien und Patisserien, die in der Türkei bis nach Mitternacht auf haben. Bekam der Türke in Deutschland am Abend Heißhunger auf ein Stück Kuchen (das passiert beim Türken ganz oft), ist er aufgeschmissen.

Kommen wir zum Sprudelwasser und dem Sprudelwasser-Markt in der Türkei. Sprudelwasser gab es früher und eine ewig lange Zeit nur vom türkischen Roten Halbmond (das Gegenstück zum Roten Kreuz). Diese besaßen und besitzen die Quellen und vertrieben Sprudelwasser in bräunlichen Flaschen. Diese Flaschen (200 ml.) weil es in der Türkei keine Pfandflaschen gibt, wurden auch fremd eingesetzt und dienten als Behälter für Urinproben. Verlangte der Arzt eine Urinprobe, so nahm der Türke schnell eine leere Sprudelwasserflasche vom türkischen roten Halbmond und machte es voll mit Urin. In der bräunlichen Flasche konnte man es schön tarnen. Übrigens, das Sprudelwasser wurde damals nicht einmal getrunken, sondern ausgeschüttet.

kizilay

Die braune Flasche gibt es immer noch im Sortiment. Wahrscheinlich wegen den Urinproben. 🙂

In der Türkei ist Sprudelwasser naturbelassen. Das vom  roten Halbmond hat soviel Kohlensäure, dass man schwerlich 2-3 Schlucke davon auf einmal trinken kann. Man hat das Gefühl mit der starken Kohlensäure die Zunge zu durchlöchern.

Mittlerweile gibt es in der Türkei 32 Sprudelwasserproduzenten. Die Nachfrage steigt von Jahr für Jahr. Im letzten Jahr tranken die Türken 600 Mio. Liter Sprudelwasser. Der Prokopfverbrauch liegt bei 15 Liter/Jahr. In Europa sind es 200 Liter/Jahr.

Übrigens haben die Deutschen in der Türkei ein ähnliches Problem wie die Türken, die früher Deutschland bereisten. Sie kommen schwerlich zu Sprudelwasser in 1 Liter-Flaschen. Mit den Mini 200 ml. Flaschen kann man schwerlich den Durst löschen.

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