Wie ist der Umtauschkurs einer Bananenplantage ?

Wie in einer Wechselstube hören sich die Gespräche mit den Einheimischen von Alanya an. Die meisten sind durch Grund und Boden zu Wohlstand gekommen.

“Ich habe meine Bananenplantage gewechselt” sagt ein Alanyaner zu mir. Damit meint er das Wechseln, wie in einer Devisen-Wechselstube. “Ich denke, der Kurs war lohnend, sonst hätten Sie es ja nicht getan” sage ich.

“Das kann man wohl sagen. Ich habe 70 Wohnungen bekommen und wissen Sie, dass was die Wohnungen an Wert darstellen, hätte ich mit Bananen in 300 Jahren nicht erwirtschaften können, hat mein Sohn ausgerechnet”.

So oder so ähnlich verlaufen die Gespräche. Die Geschichte, dass es mehr reiche Frauen in Alanya gibt als Männer, ist mittlerweile bekannt. Für die die es noch nicht wissen, sei nochmals erwähnt. Hier lebten lange Zeit nur Bauern, die Landwirtschaft betrieben. Starb der Bauer, so erbten die Söhne das fruchtbare Land und die Töchter bekamen das Land direkt am Wasser, welches nicht zu verwerten war. Den Rest kann man sich schon denken. In den 70ern tauchten die ersten barbusigen Deutschen auf und schon wurde Alanya zu einer Tourismus-Hochburg.

Wie überall auf der Welt war auch Alanya früher viel schöner, sagen die Einheimischen, die es selber zugerichtet haben.  Obwohl, ich finde Alanya heutzutage ebenfalls schön. Wer weiß, in 20 Jahren erzähle ich vielleicht auch; „Du hättest mal Alanya vor zwanzig Jahren sehen sollen“.

beAUTIFULSo wechselten mit der Zeit die Bananen-, Orangen, Zitronenplantagen und Plantagen jeglicher Art schnell den Besitzer.  Eigentlich das, was in der gesamten Türkei tagtäglich passiert. Agrarland wird zum Bauland. Es wird nicht mehr lange dauern und die Türkei wird, wie schon jetzt teilweise der Fall, zum Importland für Agrarprodukte werden.

In Alanya, wie auch anderorts, wird kräftig gebaut. Darauf sind auch die Wirtschaftswachstumszahlen der Türkei in den letzten Jahren zurückzuführen. Ändern wird sich daran nicht viel. Auch die Industrien verschwinden, weil alle bauen wollen.

Zuerst kauft der Hersteller eines Produktes Halbfertigerzeugnisse aus einem der Billiglohnländer aus dem Fernen-Osten und dann merkt er, dass er das Endprodukt dort viel billiger erwerben kann. Er schließt sein Unternehmen, reißt das Fabrikgelände ab und macht es zum Bauland für Wohnungen und/oder EKZ’s . Er wird zum Importeur des Produktes, welches von der Familie seit Generationen hergestellt wurde.

Wir sind wieder in Alanya. Wie in der Türkei überall begegnet man auch hier, in verstärktem Maße, Menschen die kaum einer Tätigkeit nachgehen. Land und Immobilien zuhauf.

Zurück zu den Gärten und Agrarflächen, die zum Bauland geworden sind. Diese bringen noch ein weiteres Problem mit sich. Da die Bauherren und die ehemaligen Bauern den Hals nicht voll bekommen können, entstehen an den Gebäuden immer zusätzliche Ladenflächen. Auch, wenn die Bauten weit weg vom Zentrum entfernt, in einem der schmalen Seitenstraßen liegen, Ladenlokale müssen sein.

Das treibt natürlich die geschäftstüchtigen Türken, die durch einen Laden den Lebensunterhalt absichern wollen, vorwärts. Die Familie steuert die Gelder bei und schon ist der Laden eröffnet. Kaum überlebensfähig quälen sich die Mieter über die Monate und manche über Jahre, bis dann die Gelder komplett verbraucht sind und nichts mehr geht. Da die Jahresmiete immer ein Jahr in Voraus bezahlt wird, sind die Vermieter auf der sicheren Seite.

Die Ladenbetreiber sind durchweg aus ganz Anatolien, selten aus Alanya. Die Betreiber müssen sich nicht nur am Markt behaupten, sie müssen auch, sollten die Geschäfte mal gut laufen, so tun, als würden sie nichts verdienen.

Die Vermieter sitzen nämlich zumeist in einem der gegenüber liegenden Cafe’s und beobachten, wie die Geschäfte laufen. Die Mietverträge sind in Alanya immer Jahresverträge. Läuft der Laden, wird die Miete halt verdoppelt. Game over !

Leben und leben lassen scheint bei den Ladenlokalvermietern der Türkei eine Sünde zu sein. So tragen die Ladenlokale auf der einen Seite zum Reichtum der Eigentümer bei und auf der anderen Seite, treiben sie die Menschen, nämlich die Betreiber, in den Ruin.

Zum neuen Flughafen in Alanya-Gazipasa hin sind noch viele Plantagen vorhanden, die sicher bald zur Wechselstube gebracht und gegen Wohnungen umgetauscht werden.

In den Metropolen gibt es bei Ladenlokalanmietungen nur ein Unterschied. Die Ladenlokale kann man längerfristig mieten. Die Mietkalkulation der Vermieter ist aber gleich. Ein Beispiel :

Nehmen wir an, es ginge um einen Gastronomiebetrieb.

„Was würde ein Gastrobetrieb in meinem Laden in einem Monat  verdienen?“ Diese Frage stellt sich der Vermieter.  Schätzt er den Gewinn auf 50.000 Euro, so verlangt er schweren Herzens 40.000 EUR/Monat Miete. Schweren Herzens deshalb, weil er auf die 10.000 EUR Differenz verzichtet hat.

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