Gezi-Baustoppurteile aufgehoben – Ich denke wir sollten Ende September …

Gezi-Baustoppurteile aufgehoben – Ich denke wir sollten Ende September demonstrieren gehen

Den 1. Juni 2013 werde ich nie vergessen. Die Gezi-Park-Demos gingen los. Warum ich das so genau weiß ? Besonders die deutschen Medien berichteten so, dass die Deutschen glaubten, in der Türkei wäre ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Auftraggeber von mir stornierten die Aufträge und sagten: „Türkei ja, aber nicht jetzt“.

Einer fragte mich im August 2013 : „Kann ich am Wochende nach Izmir fliegen?“ „Wenn Sie ein Ticket haben, ja !“ „Nein, das meine ich nicht. Wie steht es mit den Demos und Polizeieinsätzen und so?“ Da wusste ich erst, was der Herr meinte.

Vorgestern sind nun still und heimlich die Baustopp-Urteile für den Gezi-Park aufgehoben worden. Also hat die Situation vor dem 1. 6. 2013 wieder bestand. Warum ist es dann so still ? Wo sind die ganzen Demonstranten von damals?

In Urlaub, in den Ferien oder sie feiern Bayram!

Die Türken demonstrieren nicht in den Ferien, oder wenn es zu heiß oder zu kalt ist. Wenn ich einen Termin nennen müsste, würde ich sagen, Ende September könnte es losgehen. So kurz nach dem Opferfest (Kurban Bayrami). Aber nur unter einer Bedingung – das Wetter muss passen.

Ich warte oft mit der Kritik auf, dass die Türken bequeme Menschen sind, denen alles gleichgültig ist. Danach gibt es rauchende Colts. „Müssen Sie das denn in Deutsch scheiben, wir (Türken) blamieren uns“.

Dieses Dauerempören geht mir dermaßen auf den Zeiger. Was das an Energie kostet, die man in Veränderung stecken könnte.
Aber “Machen” ist ja Arbeit und schon ist die Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit wieder auf dem Plan.

Die Bestätigung von dem, was ich hier schreibe, habe ich auch nach dem großen Erdbeben am 17. August 1999, beobachtet.
Ich fuhr an der Rennbahn Veliefendi in Istanbul vorbei. Direkt an den Mauern der Rennbahn zelteten die Menschen, weil sie Angst hatten in die Häuser zurückzukehren. Die Szenerie änderte sich im September nicht. Die Menschen lebten immer noch in den Zelten. Wenn sie was brauchten, gingen sie über die Straße auf die andere Seite, holten es aus der Wohnung raus und brachten es in die Zelte. Ich habe dem deutschen Auftraggeber, der bei mir im Auto saß, gesagt : „Warten Sie mal ab, wenn es das erste Mal regnet, schon wohnen alle wieder zuhause. Das macht momentan Spaß, ist wie Abenteuerurlaub“.

Keine zwei Tage später dann 2 Regentage in Folge. Die Menschen wohnten wieder in den Wohnungen. Übrigens, es soll jetzt nicht so klingen als würde ich mich über Erdbebenopfer lustig machen. In diesem Ortsteil hat man das Erdbeben (Epizentrum war knapp 100km entfernt) zwar gespürt, aber Schäden an den Häusern gab es nicht.

 

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