Istanbul Hanimefendisi anlatiyor (Eine Lady aus Istanbul erzählt)

Eine Lady aus Istanbul erzählt;

Es war 1919. Istanbul war von den Briten besetzt. Das Gymnasium hatte ich gerade beendet. Ich war sehr hübsch. Man wollte mich verheiraten. Er soll ein Rechtsanwalt sein.

Aus der Entfernung hat man ihn mir gezeigt. Groß gewachsen. Fesch sah er aus. Er hat mir sofort gefallen.

Wir verlobten uns. Ich liebte meinen Verlobten. Ich träumte von einem schönen Heim und Kindern.

Es dauerte aber nicht lange und ein Gerücht machte in der Ortschaft die Runde. (Ayse’s Verlobte soll kein Rechtsanwalt sein, er ist ein Taugenichts, außerdem trägt er Särge vor der Moschee, um sich zu ernähren).

Ich war fix und fertig. Mein Vater nahm mich mit. Wir haben ihn aus der Ferne beobachtet. Es stimmte, er schleppte Särge. Ich war am Boden zerstört und warf mein Verlobungsring weg.

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(Göksu Çayı Keyfi) Göksu Deresi Boğaziçi’nin Anadolu yakasında yer almaktadır. Anadolu Kalesi (Anadoluhisarı, 1393 ve 1394 yılları arasında inşa edilen) arka planda görülür. Bu resimdeki Osmanlı hanımefendisi, nereden bakarsanız bakın, sizi gözleriyle takip eder. Fausto Zonaro (1854 – 1929)

Fünf Jahre später heiratete ich. Ich bekam einen Sohn. Wir schrieben das Jahr 1924. Unser Land war mittlerweile frei. Ich begegnete ihm in Beyoglu. Meinen Sohn hatte ich dabei. Als er mich sah, ging ein Ruck durch ihn, das konnte man spüren. Er stand ganz höflich vor mir und knöpfe als Zeichen der Höflichkeit seine Jackenknöpfe zu.

„Wenn Sie Zeit haben würde ich Sie gerne zu einem Tee einladen“ sagte er.

„Warum nicht“ sagte ich.

Wir gingen in ein Büro rein. Sein Name stand an der Tür. Im Büro waren seine Mitarbeiter. „Sind Sie wirklich ein Rechtsanwalt ?“ fragte ich erstaunt. „Ja“ sagte er.

Wenn Sie ein Rechtsanwalt sind, warum haben Sie dann damals vor der Moschee Särge getragen, fragte ich.

Er atmete tief ein, senkte sein Kopf nach vorne  und sagte : „Verzeihen Sie mir. Istanbul war von den Briten besetzt. Die Briten durchsuchten alles. Wir konnten unseren Truppen in Anatolien nur Waffen schicken, in dem wir Begräbnisse vortäuschten. Es ging um unser Land, da konnte ich selbst Ihnen nichts sagen“.

Manchmal schuldet man die Freiheit Menschen, die ihr Leben und ihre große Liebe dem Land opfern.

So, wie es die Türken und den Geist von damals nicht mehr gibt, wird auch so eine Geschichte sicher nicht mehr geben.

Diese tolle Geschichte habe ich gestern aufgeschnappt (Autor unbekannt) und wollte es mit Euch teilen.
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