Russisches Roulette am Bosporus

Der russische Oligarch Michail Fridman bietet 2,8 Milliarden US-$ für die Kontrolle des türkischen Mobilfunkmarktführers Turkcell. Er kann nun auf ein Gegenangebot hoffen.

In der Türkei bahnt sich möglicherweise die Übernahme des größten Mobilfunkunternehmens des Landes durch russische Investoren an. Wie diese Woche bekannt wurde, bietet die zum Konglomerat des Oligarchen Michail Fridman gehörende Alfa Telecom Turkey 2,8 Milliarden US-$ für 13,8 Prozent an Turkcell. Sollte er erfolgreich sein, würde Fridman dann über zwischengeschaltete Holdings den türkischen Anbieter kontrollieren. Die der Investmentgesellschaft Letter One gehörende Alfa besitzt nach eigenen Angaben bereits 13,2 Prozent der Anteile an Turkcell, das mit 35 Millionen Kunden die Hälfte des türkischen Mobilfunkmarktes beherrscht. Alfa bietet für den Anteil der türkischen Cukurova Holding.

Ringen um Turkcell-Kontrolle

Damit wird die nächste Runde im jahrelangen Ringen um die Kontrolle bei Turkcell eingeläutet. Cukurova musste ihr Anteilspaket erst voriges Jahr als Sicherheit für einen Kredit bei der staatlichen Ziraat Bank hinterlegen. Das Darlehen über 1,6 Milliarden $ hatte die Holding von dem Kreditinstitut bekommen, damit sie ihren Turkcell-Anteil von Alfa zurückkaufen konnte. Zuvor hatte Fridmans Alfa Group, zu der die Alfa Turkey Telecom damals gehörte, die frühzeitige Rückzahlung eines Darlehens über 1,7 Milliarden $ gefordert, woraufhin die Türken ihr Aktienpaket an den russischen Miteigentümer hätten abtreten müssen. Allerdings hat ein Gericht in Großbritannien 2013 entschieden, dass Cukurova seinen Anteil zurückbekommt, wenn es Schulden und Zinsen tilgt, was die Türken mit dem geliehenen Geld der Staatsbank Ziraat im Juli 2014 auch getan haben.

Jetzt liegt es am Eigentümer von Cukurova, dem Milliardär Mehmet Emin Karamehmet, dem Angebot der Russen zuzustimmen. Allerdings kann die türkische Regierung das Geschäft noch blockieren. Sie hat bereits früher Turkcell als ein für das Land strategisch wichtiges Eigentum bezeichnet und signalisiert, dass sie eine Übernahme durch die Russen wahrscheinlich nicht genehmigen werde.

Die Kontrollverhältnisse bei Turkcell sind jedoch kompliziert, weil mehrere Holdings dazwischengeschaltet sind. Im Kern geht es bei dem Übernahmeangebot der Russen um Aktien der Cukurova Telecom Holding, die über eine weitere Gesellschaft Turkcell kontrolliert. Die Muttergesellschaft Cukurova hält an dieser Tochterholding 51 Prozent und Alfa Telecom die restlichen 49 Prozent. Bekommen die Russen die 51 Prozent der Türken, die zwar nur 13,8 Prozent an Turkcell entsprechen, würde sie damit den türkischen Mobilfunkanbieter komplett kontrollieren. Nach Berechnung der russischen Zeitung „Wedomosti“ würden die 2,8 Milliarden $, die Fridmans Letter One über die Tochter Alfa Telecom bietet, rund 90 Prozent über dem aktuellen Marktwert des Aktienpakets an der Börse in New York liegen.

Gegenofferte muss auf den Tisch

Das Blatt zitiert zudem eine Person, die den Turkcell-Eigentümern nahesteht, mit Worten: „Letter One schlägt Cukurova damit vor, russisches Roulette zu spielen.“ Denn sollten die Türken das Angebot nicht annehmen, müssten sie für den gleichen Preis Alfa eine Gegenofferte vorlegen, was den Russen 2,7 Milliarden $ einbringen würde. So sieht es die Aktionärsvereinbarung aus dem Jahr 2005 vor.

Beide Seiten haben damals Folgendes vereinbart: Erscheint ein Partner dreimal nicht auf Direktoren- oder Aktionärsversammlungen, bestehen unüberbrückbare Differenzen. Daraufhin können sich die Eigentümer gegenseitig Übernahmeangebote vorlegen. Für den 26. März soll erstmals seit 2011 wieder eine Hauptversammlung stattfinden – ob sie zusammenkommt, ist ungewiss. Jede Übernahme aber muss immer noch von der Aufsicht genehmigt werden. Sollte sie nicht zustimmen, verfällt das Angebot.

Wirtschaftsblatt.at

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