Dervis verspricht Wirtschaftsminister zu werden, wenn …

Sollten bei den kommenden Wahlen im Juni widererwarten die sozialdemokratische CHP an die Macht kommen, so soll der ausgewiesene Finanz- und Wirtschaftsexperte und der frühere Wirtschaftsminister nach dem Krisenjahr 2000, Kemal Dervis, abermals der neue Finanzminister werden.

Kemal Dervis ist ein sehr gebildeter Mann, der Deutsch, Englisch und Französisch, wie ein Muttersprachler spricht. Ein Mann seine Kalibers ist seit seinem Weggang aus der türkischen Politik auf der politischen Bühne in der Türkei nicht mehr gesichtet worden.

Er gehört zu den Türken, die weltweites ansehen genießen und etwas bewegen können.

Kemal Dervis’ Reformpakete seiner Ministerzeit wurden von Erdogan größtenteils von Erdogan übernommen und fortgesetzt. Dervis leitete ein Umschuldungsprogramm ein, erwirkte Kredite für die Türkei beim Internationalen Währungsfonds und bei der Weltbank, schloss überschuldete Banken und sorgte für Kapitalzuschüsse bei sanierungsfähigen Banken. 2002 betrug das türkische Wirtschaftswachstum wieder 8 %.

Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine Hochschulausbildung an der London School of Economics und an der Princeton University, die er im Alter von 24 Jahren mit der Promotion abschloss. Von 1973 bis 1976 war er Mitglied an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Technischen Universität des Nahen Ostens. In dieser Zeit arbeitete er als Berater von Bülent Ecevit während und nach dessen Amtszeit als Ministerpräsident. Von 1976 bis 1978 war er Mitglied an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Princeton University.

kemaldervis1977 trat er in die Weltbank in Washington ein. Er blieb 24 Jahre in Washington. Nach seinem Zwischenstopp auf der politischen Bühne, bei dem er keiner Partei angehörte und nur angeheuert wurde, kehrte er 2005 auf die internationale Bühne zurück. Er wurde von den Vereinten Nationen zum Direktor von deren Entwicklungsprogramm UNDP ernannt. Dieses Amt hielt er bis zum April 2009 inne. Aufsehen erregte er mit einer Rede im März 2008 in Mumbai, in der er eine heraufziehende globale Finanzkrise prognostizierte und in der er den „Marktfundamentalisten“ bescheinigte, dass sie erneut einen „irrationalen Überschwang“ an den Tag legten, der bereits zur Asienkrise von 1997, der Internetblase von 2001 und der Subprime-Krise von 2007 geführt habe. Er prangerte an, dass die „Super-Bankiers, die neuen Barone des Finanzkapitalismus, gierig auf sofortige Profite“, ihre Verluste auf die Gemeinschaft abwälzen würden.

Im März 2009 wurde Kemal Derviş als Wirtschaftsexperte und Vizepräsident in die Brookings Institution berufen.

 

 

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