Beitrag Nr. 3.394 – Erlebtes kommt gut an

Gerne und oft schreibe ich über die Wirtschaft. Alles in Zusammenhang mit der Türkei. Am Ende muss ich feststellen, dass die Erlebnisberichte, ob aus der Wirtschaft oder Privates, bei Euch am besten ankommen.

Als ich gestern über die Zeit vor der Bosporus-Brücke schrieb, wurde ich mit vielen lieben Mails bombardiert. Sie dankten, dass ich Ihnen erlebtes, gelebtes aus der Heimat schrieb. Also mache ich das mal öfter. Schließlich habe ich genug intus.

Früher gab es mehr Dolmusche (Sammeltaxi), wie auf dem Foto. Bis Mitte der 80er Jahre fuhren Sie. Heute nennt man eher die Mini-Busse Dolmusch.

Ich habe diese Amischlitten, die als Dolmusch benutzt wurden, nie als Neuwagen gesehen. Als sie ‘neu’ waren und in den Besitz eines Türken kamen, waren sie schon mindestens 20 Jahre alt. Ab Anfang 60er wurden sie, so hatte ich mal erfahren, nicht mehr importiert. Dennoch hatte man nie den Eindruck, dass deren Zahl weniger wurden.

Schon als kleiner Junge fiel mir auf, dass in Deutschland Autos nach einiger Zeit verrosteten, diese Dolmusche aber nur ganz selten. Selbst nach 40 Jahren, war kaum Rost an den Autos.

Als ich meinen Großvater fragte, der Professor für angewandte Physik war, warum diese Autos nicht verrosteten, sagte er mir, das zum einen die warmen und kalten Jahreszeiten in der Türkei sich in der Temperaturdifferenz nicht so stark unterschieden, wie z.B. in Deutschland und zum anderen in Istanbul kaum Sauerstoff in der Luft wäre.

Ich weiß nicht, ob er das letztere ernst gemeint war, aber glauben konnte man daran schon damals.

Diese Amischlitten waren selten im Originalzustand. Zumeist wurden sie in der Mitte zersägt und durch das Verschweißen zusätzlicher Teile verlängert. ‘Extended Version’ sozusagen. Somit passten neben dem Fahrer 2 Personen sowieso nebeneinander, der der neben dem Fahrer saß, musste das linke Bein immer schräg halten. So konnte der vom Boden ausgehende Kupplungsknüppel bedient werden.

Im verlängerten Teil in der Mitte war eine zusätzliche Bank eingebaut. Gebaut für 2 Personen, doch saßen grundsätzlich 3 Personen drauf. Ganz hinten saßen natürlich 4, denn schließlich war die Bank für 3 Fahrgäste vorgesehen.

Somit waren wir immer, mit dem Fahrer zusammen, zu 10 Personen Unterwegs. Zwei mehr als zugelassen.

Schaffte der Fahrer den Polizeibeamten aus der Ferne zu sehen, mussten sich zwei von uns, die am kleinsten waren, ducken. Das war beim fließendem Verkehr möglich. Ansonsten bekamen zwei die Fahrgelder zurück und mussten vor dem Kontrollpunkt aussteigen.

dolmusEinmal fuhren wir auf der oft genannten Bagdat Straße auf der anatolischen Seite von Istanbul (jeder muss es mal gesehen haben). Übrigens in Suadiye gibt es den 1.000 qm Vapiano-Restaurant, die ich in der Türkei eingeführt habe.

Als der Fahrer sah, dass die Straße wegen einem Unfall dicht war, wollte er auf die Seitenstraßen ausweichen. Da er als Fahrer wohl neu war, fragte er die Fahrgäste, ob jemand denn Schleichwege nach Kadiköy (Enhaltestelle) kennen würde. Eine ältere Dame hob, wie in der Schule, den Finger hoch. Zufällig saß sie auch ganz vorne.

Sie lotste uns ca. 2o Minuten lang so, dass allen schwindelig wurde. Auf einmal sagte sie : “Stopp !” Wie unschwer zu erraten war, waren wir vor ihrer Haustür angekommen.

Da ich nicht fluchen kann, waren 8 Mann am fluchen. Anschließend dauerte es nochmals 20 Minuten bis wir wieder auf der Bagdat Straße ankamen. Ich schätze mal, dass wir in den 40 Minuten ca. 1 km weiter gekommen waren.

Übrigens, wenn am Ende fast alle ausgestiegen waren und 1-2 Personen zurückblieben, verhandelten diese mit dem Fahrer einen Preis aus und ließen sich ebenfalls bis vor die Haustüre fahren

Vodafone Türkei FlatKaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener

Das könnte Dich auch interessieren …