Wenn der Milchmann Atomkraftwerke baut

Der Energieminister der Türkei sagt, dass die AKW’s Mersin und Sinop, wenn sie fertiggestellt sind, dafür sorgen werden, dass man für 7,2 Mrd. USD weniger Erdgas importieren wird. Dieses bedeutet 15% des Energiebedarfs und soll schon 2030 der Fall sein.
Seit den Ausschreibungen ist viel Wasser den Euphrat herunter geflossen. Der Bau des AKW’s soll in 4 Jahren beginnen und 2023 in Betrieb gehen. Die Baukosten des AKW Sinop belaufen sich auf 22 Mrd. USD. Gebaut wird das AKW von den Japanern.
Das 2. AKW wird in Mersin von den Russen gebaut werden.  Wo ein Drittes gebaut werden soll, weiß man noch nicht. Alle 3 sollen zusammen 60 Mrd. USD kosten.
Am Bau der 3 AKW’s sollen über 10.000 Bauarbeiter eingesetzt werden. Bis hierhin könnte man sich noch zwingen alles positiv zu sehen. Nur ist die Kehrseite der Medaille ist dennoch ein anderer.
Zum einen steigt der Energiehunger der Türkei unaufhörlich. Wenn man oben von 15% des Energiebedarfs ausgeht, geht man von den heutigen Werten aus. In 10 Jahren, wenn die AKW’s in Betrieb gehen, wird die Türkei wesentlich mehr Energie verbrauchen als es jetzt der Fall ist. Also sind die 7,2 USD weniger Importe von Erdgas Augenwischerei, zumal die Kosten von 60 Mrd. USD sicherlich auch nicht realistisch sind. Noch nie kostete ein staatliches Projekt weniger als es geplant worden ist. Das war während dieser Regierung und noch davor jemals der Fall.
Als Brennstoff soll Uran Dioxide eingesetzt werden. Nach heutigen Preisen soll dieser ca. 720 Mio. USD kosten. Ausgehend von heutigen Preisen und der Tatsache, dass die Preise in 20 Jahren noch stabil bleiben. Ein Fall der Unmöglichkeit.  Da die Türkei über keine Uran Reserven verfügt und folglich kein angereichertes Uran erzeugen kann, muss dieser teuer importiert werden.
Die als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme dargestellten 3 Projekte, werden größtenteils die russischen und japanischen Arbeiter und Ingenieure erfreuen, die dann in der Türkei zum Einsatz kommen werden. Die Abhängigkeit vom Ausland wird besonders in der Betriebsphase viele Fragezeichen aufwerfen. Besonders Russland kann mit der Abschaltung des AKW’s drohen. Das Land ist schließlich bekannt für Drohungen dieser Art.
Was ist mit den Betriebs- und Folgekosten ? Wo sollen das radioaktive Material endgelagert werden ? In den Statements der letzten Tage heißt es, man ‘sollte’ jetzt mal anfangen die Endlager zu planen. Jetzt bleibt es abzuwarten, ob die die dafür sind, das Ganze noch so lustig finden werden, wenn vor der Haustüre ein Endlager für Atommüll steht.
Die AKW’s sollen ca. 60 Jahre Lebenserwartung haben. In Deutschland sieht man, dass man teurer abbauen kann als man gebaut hat. All diese Kosten werden in der Türkei nicht berücksichtigt.
3 Kernkraftwerke nach Milchmannsrechnung geplant und als Riesenerfolg dem Volk präsentiert. Kann das funktionieren ? In der Türkei ja !
Schade um die Türkei, wo Sonne und Wind reichlich vorhanden sind. Das Wasser zähle ich nicht dazu. Es wird von Tag zu Tag knapper. Schon jetzt wässert man in der Agrarwirtschaft immer weniger und in Mittelanatolien an abwechselnden Tagen . Die Türkei wird auf Dauer das Meerwasser teuer zu Brauchwasser verarbeiten müssen, da führt kein Weg daran vorbei. Dafür wird ebenfalls Energie nötig sein.
Istanbul könnte das Wasserproblem in den Griff bekommen. Dadurch, dass die Betonbauten in der Stadt das Grün beseitigt haben, scheinen in und um die Stadt die klimatischen Bedingungen sich dermaßen geändert zu haben, dass es in kurzen Folgen zu noch nie dagewesenen Unwettern kommt. Landunter heißt es dort immer öfter.
Gerade fällt mir ein, dass die beiden bis jetzt geplanten AKW’s direkt an der Schwarzmeer- und Mittelmeerküste sind und das Kühlwasser von den Meeren kommen soll. Jetzt fehlt noch eines an der Ägäis. Dann hat man es geschafft.
Wie heißt es so schön : “Nach mir die Sintflut !” Noch treffender kann man die Situation nicht beschreiben.

 

 

 

 

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