Türkei – Wie oft kann man noch aufs falsche Pferd setzen ?

marcruehlDas sah zu Beginn des arabischen Frühlings in Ägypten und anderswo unter den islamischen Ländern, schon mal anders aus. “Türkei, die Macht im Nahen- und Mittleren Osten” hieß es und so war es auch größtenteils. Nur merkte man alsbald, dass man immer auf das falsche Pferd gesetzt hatte. Zwischen den Guten und Schlechten hatte man, wie sich herausstellen sollte, immer auf die Schlechten und sich somit ins Abseits gesetzt.

Als Erdogan auf einmal gegen seinen ‘Bruder’ Esad, wie er des Öfteren früher sagte, war und ihn gestürzt sehen wollte, hatte er sich ebenfalls verspekuliert. Esad zeigte sich hartnäckig und konnte seine Position im Land halten und stärken.

Die Situation ist momentan mehr als verworren. Die Türkei ist gegen PKK, für Kurden, gegen IS usw. Dabei zeigen Bilder im türkischen Fernsehen, wie sich die IS Kämpfer bei Erdogan bedanken, dass er Ihnen ohne Probleme Zugang in die Türkei verschafft, wo sie sich in türkischen Krankenhäusern behandeln lassen und später ohne Schwierigkeiten wieder zurückgehen können. Wofür der Erdogan und folglich die Türkei steht, ist nicht ersichtlich. Die IS nannte er erst nach einer USA Reise als terroristische Gruppe.

Wie stark die Position der Türkei in der Region geschwächt ist, zeigte sich bei der letzten Abstimmung vor dem UN Sicherheitsrat als es um die Verteilung der Sessel ging. Stimmten vorher 151 Länder für die Türkei, waren es dieses Mal gerade mal 60, die für die Türkei waren. Die Lobbyisten aus Ägypten und Saudi Arabien sorgten dafür, das der Sessel an Spanien ging.

Prof. Abdulkhaleq Abdullah von der Universität der Vereinigten Arabischen Emirate sagte : “Die Positionswahl der Türkei nach dem arabischen Frühling hat dem Image der Türkei komplett geschadet. Außerdem agiert der Erdogan wie ein Diktator und beschneidet die Freiheit der Menschen in seinem Land. Die Liberalen in der arabischen Welt sehen die Türkei nicht mehr als ein Vorbild”.

Was nicht weggewischt werden kann, ist die Tatsache, dass die Türkei die modernste Wirtschaft in der Region, die zweitstärkste Armee der NATO und eine strategisch wichtige geographische Lage hat.

Der ehemalige US Botschafter in der Türkei Francis Ricciardone sagte mal, dass die Türkei nicht alleine stand mit den falschen Einschätzungen. Noch viele andere hätten die Situation in der Region falsch eingeschätzt.

Zuerst auf die Muslimbruderschaft in Ägypten gesetzt. Als deren Führer Mursi aus dem Spiel war, verlor die Türkei jegliches Gewicht über das wichtige Land. In Tunesien setzte man auf die Nahda Partei. Diese verloren im Oktober die Wahlen.

Zockerei ist eine Krankheit. 😉

In Anlehnung an den Artikel in : wsj.com.tr

Foto : Vom weltbestem Pferdefotografen Marc Rühl www.marcruehl.com

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