The beast from the East

Kürzlich in Istanbul: Mehmed will mich zum Essen einladen. “Köfte”, sagt er. Sein liebstes Köfte-Lokal ist hinter der Hagia Sophia. Das ist ein beeindruckendes Bauwerk. Der Name leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet “Geheiligte Philosophie”. Das ist ein schöner Name.

Ursprünglich war es eine byzantinische Kirche. Nach dem Fall Konstantinopels im Jahr 1452 wurde die Hagia Sophia zur Moschee umprogrammiert. Man muss sich das wie bei einem Computer vorstellen: Die Hardware blieb gleich. Nur die Software war neu. In den 1920er-Jahren übergab Kemal Atatürk das Bauwerk wieder an die “geheiligte Philosophie”: Es ist jetzt ein UNESCO-Weltkulturerbe und Christen fühlen sich wie Moslems gleichermaßen darin wohl. Das tun auch die Besucher im Köfte-Lokal. Hier sitzen Christen, Moslems, Buddhisten und wohl auch ein paar Ungläubige. Die Lokale in diesem hochheiligen Zentrum von Istanbul sind allesamt sehr touristisch. Deshalb sind sie auch sündhaft teuer. Immerhin spart man sich die Qual der Wahl. Im Köfte-Lokal gibt es keine Speisekarte. Hier gibt es – wie der Name sagt – Köfte. Aus! Pasta! Das sind würzige Fleischbällchen aus Lamm- und Rindfleisch. Dazu gibt es Gemüse und Brot. Getrunken wird Wasser, Cola, Ayran oder Salgas. Ayran ist Buttermilch, Salgas ist ein Rote-Beete-Saft mit Chili. Mehmed fragt, wie mir der Salgas schmeckt. “Wie der beste Energy Drink der Welt”, antworte ich höflich. Das freut Mehmed – und bringt ihn auf eine Idee: “Wir könnten Salgas bei euch im Westen als Energy Drink vermarkten!” “Nicht mit diesem Namen”, gebe ich zu bedenken. Mehmed zückt sein Smartphone und informiert sich über die Konkurrenz. “Also”, sagt er: “Es gibt Red Bull, Monster, Power Horse, Rockstar, Mad Bat, Black Cat, . . .” Dann kneift er die Augen zu und sagt: “Das ist ja ein Testbericht. Alle Energy Drinks sind ,ungenügend’, ,mangelhaft’ höchstens ,ausreichend’. Warum sind die dann so teuer?” Meinen Einwand, dass Köfte um 15 Euro auch nicht billig sind, kontert er mit deren Qualität. Da hat er Recht. Zum Abschied schenke ich ihm zwei “Lifestyle-Namen” für seinen Saft: “The Beast from the East” oder “Eastern Bull aus Istanbul.” “Mehr als zwei Wörter merkt ihr euch nicht”, sagt er. “Und Eastern Bull allein kapiert ihr nicht.” Auch damit hat er wohl recht.

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