Wirtschaftdaten der Türkei und Investitionsentscheidungen haben fast nichts miteinander zu tun

Ich bin ernsthaft am überlegen, ob ich einige Zahlen überhaupt noch nennen soll, wenn es um die Türkei geht und der Entscheidung : „Soll ich mit meinem Unternehmen oder meinem Produkt in die Türkei ?“.

„Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast“ heißt es und da ist auch was Wahres dran.

Was bringt es Euch, wenn ich die Arbeitslosenquote der Türkei von momentan 9,6% nenne ? Dann wisst Ihr, dass 10 von 100 Leuten, die um uns herum sind, offiziell als Arbeitslos gemeldet sind. Nur was ist mit denen, die in der Schattenwirtschaft unangemeldet einer Arbeit nachgehen ? Oder, was ist mit den vielen Frauen, die zwar im arbeitsfähigen Alter sind, aber aus vielerlei Gründen der Arbeitswelt nicht zur Verfügung stehen ? Was ist mit den über 25% arbeitslosen Akademikern ? Es gibt 55 Mio. Erwerbsfähige Menschen in der Türkei von denen nur 25 Mio. arbeiten. Wird zwar nicht passieren aber, was würde passieren, wenn alle Erwerbsfähigen in den Arbeitsmarkt drängen würden ? Ihr seht, die Zahl sagt eigentlich nicht viel aus. Kommen wir zum Wirtschaftswachstum. Wenn dieser momentan 8-9% betrüge, würde man sagen können ; „Wahnsinn, dem Land geht es aber richtig gut. Hier geht die Post ab !“ (Hier geht tatsächlich die Post ab aber aus anderen Gründen). Bei den zu erwartenden 3,4% für 2014 kann man, bei einem der aufstrebenden Ländern, wie die Türkei einer ist, eher von einem Stillstand sprechen.

Wie viele wissen, dass dieser Wachstum der Binnennachfrage und im Besonderen der Bautätigkeit zu verdanken ist und folglich kein gesundes Wachstum darstellt ?

Das Pro-Kopf-Einkommen des Türken ist seit Jahren wie angeschlagen auf 10.000 USD fixiert. Dieses ist die magische Grenze, die es zu überschreiten Probleme bereitet. Nur was hat das wiederum für eine Aussagekraft, wenn ich mit meinem Unternehmen in die Türkei ziehen will ? Fast keine !

Die Konsumfreude reißt nicht ab. Die Menschen verschulden sich und geben Geld aus, wie verrückt. Das war schon immer so und so wird es auch bleiben.

Ich möchte auch die falsch oder sagen wir lieber anders als woanders ausgerechnete Inflationsrate nennen. Die Gewichtungen von Produkten und Dienstleistungen, die bei der Berechnung der Inflationsrate zugrunde gelegt werden, ist als sensationell zu bezeichnen.

So gibt jeder Türkei jeden Monat 5,7% seines Einkommens für den Autokauf aus. So sind die Autokäufe bei der Inflationsberechnung gewichtet.  Brot hat z.B. die Gewichtung 3%. Brot isst jeder jeden Tag, nur ausgehend von fast 25 Mio. Erwerbstätigen muss man sich fragen, wie viele davon kaufen sich in ihrem Leben überhaupt ein Auto ? Kostet ein Auto 50.000 TL, so kommt das dem Brotkauf von 50.000 Menschen gleich, die jeden Tag für 1 TL Brot kaufen. Die Gewichtung für Miete beträgt 5%. Liegt also unter dem des Autokaufs. Die Gewichtung für Erdgas liegt bei 1,32%. Wenn die Autopreise in den letzten Jahren eine Verteuerung von 40% erfuhren, so sind die Erdgaspreise, im gleichen Zeitfenster, um gleich über 170% gestiegen. Da aber die Erdgaspreise, bei der Berechnung der Inflationsrate, gerade Mal mit nur ¼ der Autokäufe zu Buche schlagen, fallen die Preissteigerungen bei Erdgas nicht so ins Gewicht.

Was lernen wir daraus ? Die Inflationsrate taugt auch zu nichts ? Die gefühlte Wirtschaft, die gefühlten Verteuerungen und Entwicklungen, das Käuferverhalten, die man durch Insider erfährt, die am Puls des Lebens und der Wirtschaft, nicht nur sitzen, sondern auch unterwegs sind, sollten den Ausschlag für unternehmerischen Entscheidungen geben. Ansonsten können Sie auch Monopoly spielen.

Die Konsumfreude im Lande, die optimale geographische Lage und die günstigen Lohnkosten machen die Türkei zu China Europas.

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