Wäre Marc Zuckerberg ein Türke, Facebook gäbe es nicht.

Ein Freund von mir hat türkische Auftraggeber beraten. Es ging darum festzustellen, über welchen Betrag man für eine bestimmte Investition verfügen müsse, um erfolgreich zu sein.

Der Freund stellte fest: „Wenn Sie keine 4 Mio. Euro haben, brauchen Sie das Geschäft nicht anfangen“. Sofort wurde er zum Buhmann erklärt. Unverschämtheit, wie kommt er dazu, den Kapitalbedarf so hoch anzusetzen. Zum Glück hatte er einen notariellen Vertrag abgeschlossen. Der Kunde musste sein Honorar bezahlen.

Kassieren Sie von türkischen Auftraggebern (hier sind nur Einzelpersonen und Personengesellschaften gemeint) das Beratungshonorar nicht im Voraus, haben Sie später keine Chance, den Betrag zu bekommen.

Ab dem Zeitpunkt, an dem der Auftraggeber keine Chance mehr sieht (dabei kann er das zumeist nicht selber einschätzen, denn hätte er es gekonnt, hätte er den Berater nicht) sind Sie (der Berater) für ihn gestorben. Deshalb gilt: die Beratungskosten immer im Vorfeld kassieren. Übrigens ist es in der Türkei üblich, dass der Berater das vereinbarte Honorar immer in Voraus kassiert (es sei denn, man hat Teilzahlungen vereinbart).

Natürlich habe ich diese Erfahrungen auch selber gemacht

Ich habe mit dem Beispiel von einem befreundeten Berater angefangen. So könnte ich die Beispiele weiterhin von Fremden aufzählen, jedoch möchte ich auch aus meinen eigenen Erfahrungen berichten, die sich mit denen der anderen türkischen Berater und deren türkischen Kunden decken. Eigentlich muss ich sagen, dass Sie als Berater auf der sicheren Seite sind. Nennen Sie Ihr Honorar, kommt das Geschäft erst gar nicht zustande. 😉

Der Türke hat immer Recht !

Übrigens, als ich zu Studienzeiten als Übersetzer bei deutschen Gerichten arbeitete, hatte ich die Erfahrung schon längst gemacht. Die Türken hatten grundsätzlich alle Recht. Auch wenn beide streitenden Parteien Türken waren, alle beide hatten sie Recht. Zumindest wähnten sie sich im Recht, auch wenn der eigene Rechtsanwalt sagte, man könne auch verlieren. Natürlich hat er das nicht so direkt gesagt, dann wäre der Mandant eine Türe weiter zu einem anderen Rechtsanwalt gezogen. Der Mandant würde nie auf die Idee kommen, dem eigenen Rechtsanwalt, während des laufenden Prozesses zu sagen: „Ich habe mir anders überlegt, ich möchte es hier abbrechen, geben Sie mir die bisher bezahlten Honorare zurück“.

Einem Berater aber sagt man das ganz locker. Die Distanz ‘Auftraggeber – Berater’  und der Status des Beraters gegenüber einem Rechtsanwalt sind in den Augen der Turkish-People merklich niedriger bis nicht vorhanden. Schließlich hat er ein Leben lang auf das Rat der Eltern, der Tanten, der Geschwister, dem Onkel auf der Straße gehört und das völlig kostenlos. 😉

Einen Fehler zwei Mal machen reicht nicht. Es kann Zufall gewesen sein.

Eigentlich müsste ich durch die ersten beiden Fälle bedient gewesen sein, aber ich mache einen Fehler gleich mehrmals, denn so kann ich sichergehen, dass die ersten  Male kein Zufall waren. 😉

Auf in die Selbständigkeit

Dieses Mal sollte ich einem Mandanten den Weg in die Selbständigkeit ebnen. Es sollte etwas Tolles und sicheres sein, dass ich dabei als Partner auch mitmachen wollte. Klar, so etwas findet man nicht auf der Straße. Recherchieren, herantasten, abwägen und nach der Risikobewertung in die Planungsphase übergehen. Vieles, was am Anfang wie ein Geschäft aussah, war auf dem zweiten Blick mit Risiko behaftet. Außerdem geht man bei einem Neuling, der die ersten Schritte in die Selbständigkeit tun wird, über vorsichtiger vor. Bloß kein großes Risiko eingehen, wird er in der zweiten Etappe investieren können, reichen die vorhandenen Mittel aus, wie ist der Lieferant, wird er zuverlässig sein, hat er Exporterfahrung u.v.a.m.

Ein erster Ansatz für eine geschäftliche Tätigkeit

Wir hatten zwischendurch einen Termin bei einem Textilhersteller, der in den deutschen Markt wollte. Der Termin verlief sehr gut, so dass mein Auftraggeber glaubte „Das Ding ist bereits sicher !“. Da kommt die Erfahrung ins Spiel. Ich sagte ihm, dass ich mir nicht so sicher wäre. Wir hatten nämlich für den Start eine Vorauszahlung verlangt. So etwas macht ein türkischer Unternehmer nicht. „Erst verdienen, dann können wir sehen, ob und wie wir Sie bezahlen“ ist deren Vorgehensweise.

Viele Deutschtürken machen diesen Fehler

Es kommen viele Deutschtürken mit einer guten Idee oder einem Produkt  in der Türkei an und wollen bereits zu Beginn Lizenzgebühren kassieren. Zumeist, um sich selber zu finanzieren. Hat der deutsche Unternehmer 100 verlangt, sagen sie dem potentiellen türkischen Interessenten 200 und bringen das Geschäft zum Scheitern. Vergessen Sie es ! Ein türkischer Unternehmer wird nichts in Voraus zahlen. Keine 100 keine 10 keine 1. Das kommt auch nicht in Frage.

Wäre Marc Zuckerberg ein Türke, Facebook gäbe es nicht.

Deshalb hätte Facebook niemals in der Türkei erfunden werden können. Der potentielle türkische Investor hätte dem Marc Zuckerberg gesagt : „Lassen Sie uns ein Jahr mal vorbeiziehen, dann schauen wir, ob Sie die zum Start erforderlichen 500.000 USD verdient haben. 😉

Das Vorhaben steht fest.

Kommen wir zu meinem Fall. Nach einigen Beinah-Startphasen wurde dann nicht ein Produkt sondern eine Dienstleistung favorisiert und angegangen. Eine Versicherungsgesellschaft in der Türkei war der Ausgangspunkt. Es fanden mehrere Treffen statt, an deren Anschluss die jeweiligen Hausaufgaben gemacht werden sollten. Man arbeitete auf der türkischen Seite mit außergewöhnlich viel Elan dran und wollte es zum Erfolg führen. Mein Auftraggeber und zukünftiger Partner war in der Türkei und wurde hier eingewiesen. Viel Organisatorisches war zu klären und es mussten Genehmigungen von Behörden in der Türkei und Deutschland eingeholt werden. Fachanwälte aus Deutschland und, wie ich erfahren konnte, auch aus der Türkei, waren jetzt im Spiel und suchten nach Möglichkeiten, so schnell es geht in Deutschland zu starten.

Dann kam Whatsapp ins Spiel.

Dann eine Whatsapp Message, eine Mail… Mein Auftraggeber, wollte nicht mehr. „So wird das nichts. Es dauert zu lange. Ich wurde nur hingehalten“ u.a. waren die Argumente. Er verlangte das Honorar bzw. die Kostenbeteiligung komplett zurück als ob er sagen wollte : „Lassen Sie uns so tun als hätten wir nie gestartet und als wären keine Kosten angefallen, als ob niemals eine Horde von Menschen auf das Projekt angesetzt worden wäre, als wären niemals Prospekte dafür gedruckt worden…“.

Dann noch die Drohungen. „Was ab jetzt passiert, hast Du selber zu verantworten !“ (Bundan sonra olacaklarlardan sen sorumlusun). Das ist ein türkischer Klassiker.

Sogar dafür bringe ich noch Verständnis auf.

Eigentlich kann ich mir die Situation beim Auftraggeber im Hause oder Umgebung ganz genau vorstellen. Man trifft sich auf ein Tee oder trifft jemanden auf der Straße und schon wird erzählt. „Und, wird das was aus deinem Geschäftsvorhaben ?“ fragt einer meinen Auftraggeber. Noch bevor er antworten kann sagt ein anderer „Ich habe dir gesagt, dein Geld ist weg. Du bist betrogen worden“.

Die meistgestellte Frage in der Türkei ist :

Die meistgestellte Frage der Türkei stellt der Türke sich selbst : „Was denken die anderen über mich ?“ (Insanlar benim hakkimda ne düsünüyorlar?). Der Türke lebt eigentlich nicht für sich sondern nur für sein Umfeld.

Angestachelt von den Tribünen gerät mein Auftraggeber in Rage und fühlt sich bestärkt darin, dass er im Recht ist. Schließlich wissen die anderen nicht, dass er selber derjenige ist, der ausstieg , alle anderen Beteiligten auf den Kosten und der Hoffnung Geschäfte mit ihm in Deutschland zu machen ein Ende setzte.

Dieses Mal bin ich aber bedient. Garantiert !

100 Jahre Deutschland können einen mit türkischen Genen nicht ändern.

Diese Feststellung mache ich immer wieder. In Deutschland geboren und aufgewachsen, Uni-Abschluss. Und ? Gewisse Automatismen bleiben. Ich möchte es nur auf den geschäftlichen Bereich beziehen und auch da nur einige Beispiele geben weil alles andere zu umfangreich wäre.

Berater : Nennt sich einer, der glaubt mir mehr geben zu können als meine Eltern, Tanten und Geschwister und dafür auch noch Honorare kassiert.

Lizenzgebühren : Das sind eigentlich Beträge, die sich der Initiator noch vor dem Geschäftsstart schnell einheimsen will.

Freier Handelsvertreter : Den Beruf gibt es in der Türkei nicht. Das wäre auch was. Im großen weiten Land rumfahren, den teuersten Benzin der Welt tanken und am Ende kein Geld bekommen.

Halbtagskraft : Der Halbtagskraft ist eigentlich in den Metropolen der Türkei eine Vollzeitkraft. Schließlich sind die halben Tag lang zur Arbeit und zurück unterwegs.

Arbeiten in Büros der Kleinunternehmen, bei Behörden Türkei … : Die Arbeitszeit eignet sich gut zum Chatten und online einzukaufen. In der Mittagspause dann Erholung von dem Ganzen (die meisten Umsätze erzielen die e-Commerce Portale der Türkei, während der Arbeitszeit. In der Mittagspause geht der Umsatz zurück).

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