“Ne olacak bu Türkiye’nin hali ?” oder schaffe, schaffe, Häusle baue

Nach dieser Erfahrung, bin ich fest der Überzeugung, dass die Türkei, egal wie viel an alternative Energien erzeugt werden (weil man denkt, dass die Energieimporte das größte Problem darstellen), immer importabhängiger werden wird. Tendenz  : Steigend !

Zwar berichtete ich in den letzten Wochen oft darüber, dass der Minister und wichtige Entscheidungsträger der Industrie darauf hinwiesen “Weg vom Bauen und hin zur Industrie !”, jedoch wird dieses kaum umzusetzen sein.

Zum einen ist es so, dass die Personen, die mit diesem Ratschlag kommen, selber kräftig am Bauen sind. Zum anderen aber auch, dass sogar die Bauern des Landes an nichts anderes mehr denken können. Die letzten Wochen bekam ich den Auftrag  Haselnussplantagen ausfindig zu machen, die man sofort erwerben konnte. Der Kaufinteressent war ein Weltunternehmen. Am Ende mussten wir feststellen, dass es ein hoffnungsloses Unterfangen war. Die Besitzer von Haselnussfeldern denken auch nur ans Bauen. Drei Plantagen, die gleiche Größe und Ergiebigkeit hatten und drei unterschiedliche Preise. Sicher, wir rechneten nicht mit Einheitspreisen aber dennoch dachten wir an Preise, nahe der Realität. Fehlanzeige ! Diese drei Grundstücke kosteten 600.000 €, 1.280.000 € und 2,1 Mio. €. Das teuerste Grundstück war 1 km vom Meer entfernt. So argumentierte auch der Eigentümer. “So nahe am Meer, können Sie gut bauen und noch besser verdienen”, “Die Hauptstraße ist dieses hier. Die Wohnungen, die man hier baut, kann man gut erreichen”, “Das Grundstück ist zwar weiter weg von der Hauptstraße aber es gibt eine Planung, welches eine Autobahn direkt in der Nähe vorsieht”. Die letzte Aussage war vom Besitzer des günstigsten Grundstückes. Von Haselnüssen, um die es ging, sprach keiner von denen. Auch ca. 15 weitere Besitzer von Haselnussfelder sprachen nur vom Bauen. Wir konnten diese nicht davon überzeugen, dass der Kunde tatsächlich nur Haselnüsse haben wollte. Die Hoffnung der Bauern kann man außerdem noch verstehen, wenn man weiß, dass die Olivenbauern schon zu Bauunternehmern wurden bzw noch werden. Die Regierung hat die Olivengärten, die kleiner als 25 Hektar sind, zum Bauen freigegeben. Keine Kraft der Welt kann einen türkischen Bauern, Industriellen oder den der Geld hat, vom Bauen abhalten. Der Standardsatz der Türken : “Wie soll es nur weitergehen mit der Türkei?” (“Ne olacak bu Türkiye’nin hali?”) kann eigentlich in jeder Branche seine Anwendung finden.  Eigentlich müssten sich diese Frage mal auch die Bauherren stellen. Wer soll eines Tages diese Wohnungen erwerben können, wenn das Land keine eigene Agrarindustrie und Industrie überhaupt hat ? Es kann noch lange dauern, bis diese Menschen merken, dass es in die falsche Richtung geht. Eine Kehrtwende ist dringend erforderlich.

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