Türkei muss von der Bauwirtschaft weg. Wird aber nicht gehen.

Der stellvertretende Ministerpräsident hat es letztens auf den Punkt gebracht. Die Türkei muss von der Baubranche zur Industrie zurück finden. Wie das allerdings passieren soll, wo man doch bei den Grundstücken und Immobilien auf einem Schlag so viel verdient, ist fraglich.

Der türkische Technologieriese  geht hin und investiert alleine 800 Mio. USD in ein Grundstück mitten in Istanbul und baut darauf ein EKZ und mehrere Residenzen. Was machen die Exportchampions der Türkei, investieren in Bauprojekte. Top-Textilmarke investiert nur noch in Bauprojekte. Wer den Regierenden nahe steht, der kommt um das Bauen nicht herum. Auch, wenn der Babacan absolut Recht hat, mit dem was er sagt. Es wird gedreht und gewendet, dass letztendlich wertlos erscheinenden Grundstücke auf einmal Goldwert werden.

Ich möchte nicht die kritisieren, die sich illegal auf diesem Wege bereichern, denn sie bezeichnen es als Schläue. Eher geht mein Kritik dahin, dass die Türkei sich davon entfernt eine Industrienation zu werden, wo sie doch laut dem neuen Präsidenten bis 2023 sich unter den Top 10 weltweit bewegen soll.

panoramaistanbulWer soll noch in so einer Landschaft sich mit F&E rumschlagen oder gar ein Baum pflanzen und warten, bis er Früchte gibt. Da wird schnell mal gebaut. Die Ingenieure des Landes werden Dauerarbeitslose oder arbeiten in anderen branchenfremden Jobs. Wenn ein Ingenieur aus dem Beruf, auch nur zeitweilig raus ist, ist er draußen und für die Wirtschaft verloren. Nur Erfahrung in der eigenen Branche bringt diese Menschen weiter und hält sie auf Augenhöhe mit den weltweiten Entwicklungen. Sie fallen aus dem Wirtschaftskreislauf raus.

Wie soll ein Land, wo die zahl der Industrieunternehmen immer weiter abnehmen, als Industrienation bezeichnen oder gar sich zu den Top 10 zählen ?

Etwas anderes kommt hinzu. Die Türkei möchte die Energieimporte senken und setzt auf die alternativen Energien. In den kommenden 10 Jahren soll die Eigenenergieproduktion verdoppelt und so die Importe verringert werden. Wird nicht funktionieren. Zum einen wird sich auch der Energiebedarf bis dahin erhöht haben und hinzu kommt, dass was alle nicht mit auf der Rechnung haben, es müssen mehr Maschinen und Anlagen importiert werden, weil die Türkei diese dann nicht mehr selber herstellen wird.

Es hängt mittlerweile alles von der Bauwirtschaft ab. Man stelle sich mal vor, wenn die Blase platzt oder die Branche längere Zeit einen Tief erlebt. Dann ist die türkische Wirtschaft am Boden. Die Risiken müssen gestreut werden. Neue Industriebetriebe müssen her, auch wenn diese in ausländischer Hand sein werden, wie jetzt schon fast alles, was gut läuft, ist.

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