Was ist eine Gefühlte Gewinnspanne ?

‘Gefühlte Temperatur’ kennen wir, aber ‘Gefühlte Gewinnspanne’ ?Es ist schon nicht mehr Feierlich, das Verhältnis von Ladenbesitzern und deren Mietern in der Türkei. Alle Jahre wieder ein neuer Mieter in dem Laden. Der Grund ist einfach. Was die Ladenbesitzer an Miete verlangen, ist normalerweise exakt der Betrag, den man über haben würde, wenn man den Laden als Ladeneigentümer selber betriebe. Natürlich gesetzt den Fall, dass alles rund läuft und die Ziele erreicht werden. Pech auf der Mieterseite ist, dass es so viele geschäftstüchtige, in die Selbständigkeit drängende Menschen in der Türkei gibt, dass die Läden immer wieder weiter vermietet werden und so der Mietspiegel niemals der Realität angepasst werden muss.

Meine Erfahrung ist, dass nur die die eine staatliche Bezuschussung im Auge haben, einen Businessplan machen ‘müssen’. Alle anderen sind grundsätzlich ohne einen ‘Plan’ unterwegs. Man ist, so wie es auch sein soll, von dem was man vor hat felsenfest überzeugt. Kalkuliert wird nach Gefühl. Also gibt es eine ‘Gefühlte Gewinnspanne’ welche von der Realität meilenweit abweicht und sogar Verluste bedeutet.

Man sollte sich auch nicht auf die Spielchen einlassen, die grundsätzlich alle Vermieter, wenn es keine Kapitalgesellschaften sind, drauf haben. Man macht zwei unterschiedliche Mietverträge. Im realen Beispiel von letzter Woche sieht es z.B. wie folgt aus :

kopfkratzenDer Laden soll 130.000 Euro im Jahr an Miete kosten. Die Jahresmiete soll im voraus bezahlt werden. Der Mietvertrag hat eine Laufzeit von einem Jahr. Der Vermieter kommt mit einem Mietvertrag an, wo eine Jahresmiete von 10.000 Euro aufgeführt ist. Das er noch einen Bürgen verlangt ist für ihn das Sahnehäubchen. Zumal die Miete doch schon bei der Anmietung im voraus bezahlt wird. Wozu noch einen Bürgen, der außerdem aus Alanya stammen soll ? Er besteht darauf. Der Mieter von nebenan sagt : “Wenn die Miete sowieso bezahlt wird am Anfang, können Sie mich als Bürgen reinschreiben. Ich helfe gerne.” Das muss man mal in Deutschland versuchen sich vorzustellen. Ein Fremder bürgt für einen Fremden. Auch, wenn es keine Risiken zu geben scheinen, doch eine feine (wie auch seltsame) Geste.

Ich warne den Mieter, da er buchhalterisch nur 10T Euro Miete bezahlt, aber in Wirklichkeit 130T Euro, kann er den Differenz von 120.000 nicht absetzen. Stattdessen hat er 120.000 Euro zu viel in der Kasse, die er als Gewinn versteuern muss. Erst da fällt bei ihm allmählich der Groschen. Dennoch, er möchte zu den Konditionen des Vermieters unterschreiben, denn sonst bekommt er den Laden nicht. Dann sagt der nette Mieter und Bürge vom Nebenladen etwas, was unseren Deal dennoch zum Platzen bringt.

“Wissen Sie, der Vermieter holt sich ein Stuhl und sitz den ganzen Tag vor dem Laden. Er wird schauen, ob Sie gut verdienen (also möchte er auch den Gewinn erfühlen). Sollte das der Fall sein, können Sie im kommenden Jahr mit einer satten Mieterhöhung rechnen.” … jetzt kommt es, denn er sagt weiter : “Zum Glück laufen bei mir die Geschäfte schlecht, sonst hätte er die Miete schon längst erhöht.” Den Satz habe ich mir ein zweites Mal sagenlassen. Es war schräger als alles andere zuvor.

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