Bertelsmann schließt seinen Buchclub. Warum mich das nicht kalt lässt ?

derclubIm deutschen Buchclub-Geschäft von Bertelsmann wird das letzte Kapitel aufgeblättert: Bis Ende 2015 sollen alle Clubgeschäfte abgewickelt sein, von der Filiale bis zum E-Book-Abo. Nachricht

Ich war 16 Jahre alt und wurde auf der Schildergasse in Köln von einer tollen Lady angesprochen. “Kann ich Dir kurz was zeigen ?” Ich machte mir Hoffnungen und hätte fast gesagt : ” Die oder keine ! ”

Für die Lady ging es um Geschäft. Hartes Geschäft, wie es sich herausstellen sollte. “Wie heißt du ?”

“Ahmet”

“Hmm, schlecht. Wir schreiben besser Achim. Türken nehmen die nämlich nicht auf.”

“Wo auf ?” – “Ach, stimmt, ich hatte dir noch gar nicht gesagt, worum es geht. Kennst du Bertelsmann-Buchclub?” – “Nö !” – “Macht nichts, du gehst überhaupt keine Verpflichtungen ein. In bestimmten Abständen bekommst du Bücher zugeschickt, wenn du vergisst welche zu bestellen, so suchen die für dich bestimmte Bücher aus und schicken. So hast du immer ein Buch parat.”

Gerade wollte ich sagen, dass ich, im Gegensatz zu heute, kaum lese, fing sie mit dem Ausfüllen des Formulares an : “A-chi-m, und der Nachnahme ?” – “Dener” – “Das ist gut, klingt schon Deutsch, wir tun am besten noch ein ‘h’ dann haben wir Dehner.”

Im nu war ich eingedeutscht. Jeden Moment rechnete ich mit der Aushändigung des Passes 🙂 “Wie alt bist du ?” – “16” – “Hmm, schlecht. Wir machen daraus 18, manchmal muss man etwas schummeln, nicht wahr ?”

Dabei hatten wir bis dahin nur geschummelt. Nichts stimmte. “Wie ist die Anschrift ?” – Ich sagte : “Lenin Str.” in der Hoffnung, dass sie sagt : “Hmm, das ist nicht Deutsch, wir nehmen besser Konrad-Adenauer-Str.”.  Das passierte natürlich nicht. Sie erzählte mir noch, wie viele Verträge sie am Tag schreiben müsse, damit ihr Soll erfüllt ist. Fast hätte ich aus Mitleid einen zweiten Vertrag auf meinen Bruder unterschrieben. 😉

Da der Name nicht stimmte, bekam ich die zugeschickten Bücher nicht. Nur einmal kam was von denen bzw. von deren Rechtsanwalt. Ich sollte  meinen Verpflichtungen nachkommen und für die Bücher, die ich nie bekam, einen hohen 3 stelligen Betrag bezahlen. Erst als ich selber einen Rechtsanwalt einschaltete, konnte ich raus aus dem Vertrag.

Heute hätte ich gesagt : “Achim Dehner… kenne ich nicht !” Wenn ich mir überlege, hätte der Rechtsanwalt das damals auch sofort sagen können, aber eine längere Korrespondenz bedeutete wahrscheinlich höheres Honorar.

Schön, dass ich noch zu meinen Lebzeiten erlebe, dass die Sache ein Ende hat.

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