Unternehmensbeschneidung – Polierte Steinzeit lässt grüßen

kopfkratzenDiese Erklärungen finden wir, wenn wir das Internet nach der Bedeutung von ‘Beschneidungen’ fragen :

Beschneidung (mittelhochdeutsch: besnîden „stutzen, zurückschneiden“) steht für:
>Zirkumzision, Kürzung oder Entfernung der männlichen Vorhaut
>Brit Mila, Entfernung der männlichen Vorhaut nach jüdischer Sitte
>Weibliche Genitalverstümmelung
>Subinzision, Spaltung der Harnröhre an der Unterseite des Penis
>Beschneidung des Herrn, Kirchenfest am 1. Januar
>Schnitt (Gartenbau)
>Cropping, Technik der Bild- und Filmbearbeitung
>Umgangssprachlich: die „Beschneidung von Rechten“

Die neue Variante, nämlich die der “Unternehmensbeschneidung” muss noch hinzugefügt werden. Es ist eine Art “Zwangsbeschneidung”. Wie für viele Unternehmen im Ausland, so ist YouTube auch für türkische Unternehmen ein Verkaufsinstrument geworden. Die meisten oder fast alle Produktinformation- und Werbevideos der Unternehmen sind auf YouTube gespeichert und seit einigen Wochen nicht mehr erreichbar.

Die Online-Werbeausgaben der Türkei betrugen letztes Jahr 615 Mio. USD. Zwar macht das nur 1,4% des Online-Werbekuchens der USA aus, dennoch ist die Branche in der Türkei alleine in 2013 um 1/3 gewachsen.

Gerade heute habe ich bei einem Blog-Beitrag vorher die Übersetzung einer Nachricht um die Städtekrankenhäuser, um diesen Absatz beschnitten (ich kann es also auch) :

“Im Forum ging es um die Frage, warum der Türkei anderen Ländern wie Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) der Vorzug gegeben werden sollte und es wurde besprochen, dass die Türkei ein Teil von MINT (Malaysia, Indonesien und Nigeria) ist – eine Gruppe von zukünftigen Wirtschaftsriesen.”

Ein ‘Wirtschaftsriese’ ohne Internetfreiheiten. Geht das überhaupt im Internetzeitalter ? Die Zensur soll noch raffinierter werden. Dafür hat die Regierung Projekte mit US amerikanischen Softwarehaus Palo Alto Networks laufen und das in einer Phase, wo alle auf die Normalisierung hoffen. Polierte Steinzeit lässt grüßen.

Klar, die türkische Wirtschaft wird weiterwachsen, denn die vorhandenen Potentiale auf allen Gebieten sind kaum ausgeschöpft. Die Garanten für das Wachstum sind u.a. die im Land befindlichen ausländischen Unternehmen und Beteiligungen, die in der Türkei forschen und entwickeln. Nur wird die Türkei in sich und für sich auf diese Art kaum weiterkommen. Die ausl. Unternehmen entwickeln im Eigeninteresse und agieren Multinational. Die Türkei wird weiterhin im Fokus ausländischer Unternehmen sein, aber nur der geographisch optimalen Lage, niedriger Löhne und der Konsumfreude auf dem Inlandsmarkt wegen.

Unsereiner muss als Türkei-Berater den Mund fusselig reden und versuchen, die Situation den ausländischen Investoren gegenüber zu erklären. Wie das Wasser seinen Weg findet, so geht es auch in der Wirtschaft der Türkei weiter. Ein Unterschied zu früher und dieses ‘Früher’ ist gar nicht so lange her (01.06.2013 Gezi-Park-Demos und 17.12.2013 Korruptionsvorwürfe gegen die Regierungsmitglieder bzw. regierungsnahe Personen) gibt es schon. Mich haben, bis Mitte letzten Jahres, in der Woche 2-4 deutsche und Schweizer Unternehmer in Zusammenhang mit der Türkei kontaktiert. Jetzt sind es 1-2 in zwei Monaten. Auf dem Internetsektor sieht es noch brisanter aus. Der Zuständige von  www.webrazzi.com , dem Nr. 1 Blog, wenn es um Nachrichten über das Internetbusiness der Türkei geht, Arda Kutsal, wurde vor dem o.g. Zeitraum in der Woche 4-6mal durch ausl. Investoren kontaktiert. Diese Zahl ist momentan, wie ich weiß, auf ‘Null’ gesunken.

Einige Universitäten haben Entwicklungsprojekte mit den US Internetriesen laufen. Die Portale dieser Unternehmen sind in der Türkei zensiert bzw. gesperrt. Absurd nicht ?

 

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