Soma u.a.

atletico

Deren Anteilnahme an dem Soma Unglück drückte Atletico Madrid mit diesem Bild aus.

SOMA ist der Ort der Trauer. Ich denke an die 400 Bergbautote (momentan 287 weil eine Bergung wegen der giftigen Gase nicht möglich) und mehr werden es am Ende sein. Mir ist heute nicht danach über die Wirtschaft zu berichten. Es läuft vieles falsch bzw. ungerecht ab in diesem Land. Irgendwie ist die Türkei kapitalistischer als die anderen Länder.

Zufällig am Tag der Veröffentlichung meines Interviews mit dem Deutschen Business TV, wo ich gerade auf diesen einen wunden Punkt hinwies, geschieht dieses Unglück. Lieber hätte ich meine Aussage nicht bestätigt bekommen.

Fakt ist, dass die Privatisierungen, wenn deren Zuschlag an rein türkische Unternehmer und Gesellschaften geht, kaum mehr in den Betrieb, Verbesserung der Infrastruktur und Arbeitsschutz investieren. Das Gewinnstreben steht im Vordergrund. Der Besitzer der Unglücksmine sagte noch vor einigen Monaten voller Stolz, dass der Staat die Tonne Kohle für 130 USD zutage brachte, aber er durch die Rationalisierungsmaßnahmen und Vollautomatisierung es geschafft hätte, dieses auf 24 USD zu senken.

Was er mit der Vollautomatisierung meinte, wo er doch nur auf Menschenkraft setzte, wird sein Geheimnis bleiben. Was er mit Rationalisierung meinte, kann man verstehen, denn an der Arbeitssicherheit hat er mit Sicherheit gespart.

Die ersten Geretteten antworteten auf die Frage, ob noch viele gerettet werden könnten : “Ganz sicher nicht !” Dabei stirbt die Hoffnung auch bei einem Türken zuletzt und viel später als bei anderen Menschen, wie ich meine.

Jeden Monat 100 Tote bei Arbeitsunfällen. Damit ist die Türkei nach China die Nr. 2 weltweit. Vergleicht man die Einwohnerzahlen, dann ist die Türkei mit Abstand die Nr. 1.

Der Ministerpräsident hat die Türkei nach dem Unglück in Soma, wieder mal auf ‘Schleudern’ gestellt. Anstatt zu sagen, dass er zu bewegt ist um heute, am Tag des Unglücks, viele Worte zu verlieren und deshalb nur seinen Beileid und Mitgefühl übermitteln möchte, brachte er Beispiele aus der Geschichte und  blickte auf die Unglücksfälle im Jahre 1862 in England, 1906 Frankreich und 1907 in den USA zurück. Also eine Art der Suche nach Rechtfertigung. Wer macht so etwas ?  Einer der ein schlechtes Gewissen hat.

Es war nicht überraschend, dass der Ministerpräsident in Soma mit 70.000 Einwohnern attackiert wurde. Die Stadt ist nämlich, wie viele der Minenarbeiter sagten, zwangerdoganisiert. Die Gesellschafter der Miene sind Mitglieder der AKP, der Partei Erdogans und die Minenarbeiter wurden nur unter der Bedingung eingestellt, wenn sie bereit waren die AKP zu wählen.

Das Land schafft nicht einmal im Trauer zusammen zu finden.

 

 

 

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