Grubenunglück in Soma – Gab es ein Hinterausgang ?

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“Arbeitssicherheit geht vor” steht auf der Tafel. Das Bergwerk in Soma wurde zugemauert.

Wenn man seit Jahr und Tag für die Unternehmen und Auftraggeber das Beste herausholen muss, analysiert und recherchiert man unentwegt. Danach sind die Übergänge zum Leben nahtlos. Als professioneller Zeitungsleser, der nie eine Zeitung länger als 5-10 Minuten in der Hand hält und doch fast alles gelesen oder überflogen hat, fallen mir, bei den türkischen Zeitungen im Besonderen, viele Ungereimtheiten auf. Manchmal bekomme ich sogar die Bestätigung, dass ich Recht hatte. Das Hochgefühl, Recht gehabt zu haben, kann man nicht beschreiben. Schließlich pickt man die Wahrheit aus den wenigen Hinweisen heraus.

Dieser Tage stehen wir mit dem Unglück in Soma auf und gehen damit schlafen. Die Regierungspartei steht im Kreuzfeuer der Kritik. Auch als neutraler Beobachter muss man sagen, ‘zu Recht !’

Der Premierminister ohrfeigt einen seiner Bürger und trotzt des Videos ist sein Minister in der Lage, dieses als eine Lüge abzutun. Sein Berater tritt einen, von zwei Sicherheitsleuten festgehaltenen Angehörigen eines der Unglücksopfer, der am Boden liegt, so brutal, dass nicht der Opfer sondern er am nächsten Tag wegen einer Knöchelverletzung für eine Woche krankgeschrieben wird. Das was jetzt folgt, hört sich an, als wollte ich nochmals was hinterher schicken, was den Erdogan schlecht dastehen lässt, aber es basiert auf meine Beobachtungen, Mathematik und Logik.

Schon am Tage des Unglücks sickerte raus, dass 787 Arbeiter bei der Unglücksschicht die Arbeit antraten. Danach machte der Energieminister kehrt und sagte, die genaue Zahl wisse man nicht. Die die gerettet werden konnten, kamen nur am 1. Tag und direkt nach dem Unglück raus. Danach war Pause. Angeblich machten immer wieder neue Brände und Gase, eine Bergung unmöglich.

Am Ende waren es 301 Tote, obwohl zwischenzeitig mal auch 314 genannt wurde. Danach machte man wieder kehrt und einigte sich auf 301. Ab 300 Toten wird eine Miene geschlossen und stillgelegt.

Am 3. Tag nach dem Unglück traten der Eigentümer und Geschäftsführer vor die Kameras. Wir erfuhren, dass in diesem Werk 2.880 Menschen arbeiteten. 6 Tage Woche und 3 Schichten am Tag. Wie viele unten waren, wollte man nicht wissen bzw. sagen.

Jetzt kommt es ! 301 Tote, ca. 80 bis 90 Verletzte, die raus konnten. Definitiv nicht mehr. Schließlich zählten die Kameras ständig mit. Die Zahl wurde auch des Öfteren mit 88 Angegeben.

Gestern nun wird die Liste der 486 Überlebenden veröffentlicht. Ein Wunder ! Wo sind diese rausgekommen ? Gab es noch einen Hinterausgang ?

486 + 301 = 787 (?) Also war die erstgenannte Zahl der Menschen, die in dieser Schicht gearbeitet hatten, doch richtig (geraten). Meine Vermutung basiert ausschließlich auf Beobachtungen und Mathematik.

Noch etwas kommt hinzu. Man veröffentlicht, wenn überhaupt, die Namen der Toten, aber nicht die der Überlebenden, wie in diesem Fall geschehen. Die Liste der Überlebenden zusammenzustellen ist nicht schwer. Man nimmt einfach welche, die in den Schichten vorher gearbeitet haben. Wird sowieso niemand kontrollieren können. Allerweltnamen, die in der Türkei Tausendfach existieren.

Dennoch werden wir die Wahrheit Soma nie erfahren. Das Bergwerk wurde schon die letzten Tage mit Asche und Wasser voll gepumpt und letztendlich heute zugemauert (siehe Foto).

 

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