Wieder einer weniger auf dem Do-it-yourself-Markt der Türkei

baumax

der Baumax-Figur passte eigentlich zur Türkei

Praktiker und Co. verlieren gegen traditionelle Verkaufswege. Baumax ist nicht die erste Heimwerkerkette, die den Rückzug aus der Türkei antreten muss. Auch andere internationale Do-it-yourself-Ketten haben bereits das Handtuch geworfen.

go2tr.de : Der Türke ist kein Heimwerker. Kaum einer, der in solchen Dingen selber anpackt. Dafür gibt es günstige Handwerker an jeder Ecke, die wiederum bei günstigen Quellen einkaufen, die es auch an jeder Ecke gibt. Die Heimwerkermärkte haben in erster Linie an den Handwerkern verdient, die nicht mehr zum Großhändler mussten und sich bei ihnen mit dem Tagesbedarf an Materialien abdeckten. Es ist verwunderlich, dass alle sich täuschen ließen und auf große Geschäfte in Do-it-yourself-Markt hofften. Dieses muss ich deshalb so klar herausstellen, weil ich einem der abgezogenen Unternehmen davon abgeraten habe in den Markt einzusteigen.

derstandard.at : Zuerst gab der deutsche Baumarktriese Praktiker im Februar 2013 sein verlustreiches Türkei-Geschäft auf. In diesem Februar ließ die französische Heimwerkerkette Leroy Merlin verlautbaren, sie werde innerhalb der nächsten sechs Monate die Depots ihrer beiden Standorte zu Schleuderpreisen leeren und sich verabschieden.

60 Millionen für das Türkei-Geschäft

Baumax war im Jahr 2010 mit drei Standorten und einer Investitionssumme von 60 Millionen Euro ins Türkei-Geschäft eingestiegen. Mittelfristig wollte das Unternehmen 40 Baumärkte in der Türkei eröffnen und hatte dafür 600 Millionen Euro Investitionskosten veranschlagt. Auch Leroy Merlin wagte im selben Jahr mit ähnlichem Optimismus den Markteintritt. Beide witterten Potenzial durch das Fehlen eines etablierten Großhandels und die geringe Baumarktdichte.

Das Gesamtvolumen des türkischen Heimwerkermarkts wird auf etwa zehn Milliarden Dollar geschätzt. Der organisierte Einzelhandel sowie Großmärkte haben laut der Zeitung “Milliyet” aber nur einen Anteil von 13 Prozent am Heimwerkersektor. Der Großteil des Geschäfts wird noch immer über traditionelle Verkaufswege abgewickelt: kleine Einzelhändler um die Ecke, Gassenverkäufe oder Handwerkerbasare.

Koctas, das Gemeinschaftsunternehmen der türkischen Koc Holding und der englischen Firma Kingfisher, ist mit seinem landesweiten Filialnetz aus 41 Standorten Marktführer bei den Baugroßmärkten. Weitere Mitbewerber am türkischen Do-it-yourself-Sektor sind die türkische Baumarktkette Tekzen, das deutsche Unternehmen Bauhaus und die französische Conforama.

Aber nicht nur die internationale Heimwerkerbranche kämpft mit den schwierigen Marktbedingungen. Auch die Elektronik-Riesen Electro World und Darty haben im Vorjahr das Handtuch geworfen. Beide verkauften ihr Filialnetz an die türkische Bimeks und kehrten der Türkei den Rücken.

go2tr.de : In dieser Branche ist Teknosa der Sabanci Gruppe der Branchenkrösus. Da Media/Saturn von Anfang an die Marktführerschaft anstrebte, wurde es ein heißer Tanz zwischen diesen beiden Gruppen. Teknosa zehrt noch von dem Vorteil, lange Jahre fast alleine den Markt bestimmt zu haben. Teknosa hat momentan auf dem Elektronik-E-Commerce-Geschäft 14% und im Filialhandel 42% Marktanteil. MediaMarkt 20%, Vatan Computer 17%, Bimeks 8,5%, ElektroWorld 8% und Darty 5%. Bimeks hat im letzten Jahr die Filialen von ElectroWorld und Darty übernommen. Apropos türkische Unternehmer. Da die meisten Unternehmen noch familiengeführt sind, reagieren diese auf die trägen ausl. Konkurrenten unkonventionell und schnell. Das betrifft allerdings nicht die Elektronikbranche, wo der Preiskampf sowieso kaum Spielraum für Verrücktheiten lässt.

Foto : Format.at

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