Türkei – Die Erholung der Finanzmärkte, die Balkorede von Erdogan u.v.a.m.

kopfkratzenDie Stimmung am türkischen Finanzmarkt unterliegt starken Schwankungen. Galt der Markt dank soliden Wachstumsaussichten und vorteilhafter Demografie noch vor Jahresfrist als Magnet internationaler Anlagegelder, kippte die Stimmung mit der Debatte über eine geldpolitische Wende in den USA und landesweiten Protesten gegen Ministerpräsident Erdogan. Seit kurzem zeigen nun die Daumen wieder nach oben, was nicht zuletzt mit der Stärkung von Erdogans AK-Partei bei den Lokalwahlen zu tun hat. Obschon der Wahlsieg erwartet worden war, legte der Borsa-Istanbul-100-Index vergangene Woche um 5% zu; der bankenlastige Index hat damit seit Jahresanfang um rund 7% an Wert gewonnen.

Stabilisierung der Lira

Die Erholung steht auf wackligem Fundament. Viele Marktbeobachter gehen von einem kurzfristigen Aufschwung aus. So sind die langfristigen politischen Risiken mit dem AKP-Sieg kaum kleiner geworden. In seiner Balkonrede nach gewonnener Schlacht zeigte sich Erdogan gegenüber den Gegnern unversöhnlicher denn je. Die Türkei bleibt ein polarisiertes Land, und ein Wiederaufflackern von Protesten scheint nur eine Frage der Zeit. Die im August anstehende Präsidentschaftswahl, zu der allenfalls auch Erdogan antreten wird, und die für Juni 2015 geplante Parlamentswahl sorgen dafür, dass die Politik weiterhin in einem konfrontativen Wahlkampfmodus agieren dürfte.

Ein Ende der politischen Kämpfe ist also nicht absehbar. Stabilisiert hat sich dafür die währungspolitische Lage. Nachdem die Zentralbank am 28. Januar unter dem Druck der Finanzmärkte die Zinsen kräftig erhöht hatte, kam der Sinkflug der Lira – 2013 verlor die Währung gegenüber dem Dollar um 17% an Wert – endlich zu einem Ende. Die Erholung, die danach eingesetzt hat, hat dazu geführt, dass der Wechselkurs derzeit wieder auf ähnlichem Niveau notiert wie zu Jahresbeginn. Diese Stabilisierung zu gefährden droht jedoch Erdogan, der am Freitag die Währungshüter einmal mehr dazu aufforderte, die Zinsen zu senken, trotz einer Inflation, die im März mit 8,4% weit über dem Zielwert von 5% lag.

Robuste Banken

Als Stütze für die Börse agieren weiterhin die Banken. Die Branche ist solide kapitalisiert und profitabel. Die Problemkredite machen zudem weniger als 3% der Ausleihungen aus. Eine Gefahr für diese Solidität ging in den vergangenen Jahren von einem Kreditwachstum aus, das Monat für Monat deutlich über der von der Zentralbank angestrebten Rate von 15% zu liegen kam. Die Zinskorrektur von Ende Januar scheint nun zu einer willkommenen Abkühlung geführt zu haben. So ist das Wachstum der Kredite von zuvor über 20% auf 13% im Vorjahresvergleich gesunken. Die Zentralbank geht von einer Fortsetzung dieses Trends aus. Damit die Prognose zutrifft, müssen die Währungshüter den Interventionsversuchen von Erdogan jedoch zu widerstehen vermögen.

Quelle : nzz.ch

 

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