Spielort = Türkei, Niederlande schlagen Deutschland 2.316 zu 5.726

flag of flowersDas die Deutschen mit fast 6.000 Unternehmen in der Türkei vertreten sind und dabei mit Abstand die Spitzenreiter sind, hat die Türkei den Deutschtürken zu verdanken. Durch meine Tätigkeit als Türkei-Coach seit 1987 habe ich feststellen müssen, dass evtl. 5% der in der Türkei befindlichen Unternehmen aus Deutschland, aus eigenem Antrieb heraus in die Türkei gefunden haben. Sonst müssen die Türkischstämmigen den Leithammel spielen. Zu den erfolgreichsten ich mich selber zähle. Ich hatte schon einmal in einem anderen Beitrag erwähnt, dass fast jeder in Deutschland lebende Türke ein Türkei-Spezialist ist bzw. sich als solches anpreist. Für die ängstlich oder nennen wir es besser, vorsichtig agierenden deutschen Mittelständler, kommen dadurch noch mehr Fragezeichen auf. So viele Spezialisten, die einen im Bezug auf die Türkei beraten wollen. Kann das sein ?

So, wie wir es die den Deutschtürken es zu verdanken haben, dass die hohe Anzahl von deutschen Unternehmen in die Türkei gefunden haben, so haben wir es ebenfalls ihnen zu verdanken, dass diese Zahl nur auf dem ersten Blick hoch erscheint aber im Vergleich zu den Niederlanden (2.316 Unternehmen in der Türkei) doch herzlich wenig ist.

Nochmals anhand der Bevölkerungszahlen veranschaulicht :

Niederlande, ca. 17 Mio. Einwohner, Anteil Türkischstämmiger ca. 2,5%, mit 2.316 Unternehmen in der Türkei am Start

Deutschland ca. 82 Mio. Einwohner, Anteil Türkischstämmiger 2,5%,  mit 5.760 Unternehmen in der Türkei am Start

Wenn 20.000 deutsche Unternehmen in der Türkei vertreten wären, würde ich es als ‘Normal’ erachten.

Hier sieht man die Schere, welch ein Nachholbedarf vorhanden ist. Wieder führe ich die Hauptschuld daran (den Staat lassen wir mal raus, die sind nur an den ganz dicken Fischen interessiert), auf die deutschtürkischen Berater (Erstlinge, die noch nie einen Türkei-Auftrag hatten)zurück. Es reicht nicht, wenn man überall anklopft und sagt, dass man in der Türkei günstig produzieren kann und man dort einen sehr lukrativen Inlandsmarkt vorfindet. Das wissen bzw. erahnten die deutschen Unternehmer schon vor Ihrem Anklopfen.

Sie müssen die Vision und den Ausblick auf die Zukunft des Unternehmens auf dem türkischen Markt, wenn diese sich denn dafür entscheiden, vorweg zeichnen. Die hervorragende geographische Lage, steht auch in allen Büchern und Websites. Das alles muss man in Zusammenhang mit dem zu verkaufendem bzw. produzierendem Produkt begründen.

Ich vertrete z.B. auch die Wirtschaftsförderung Leipzig. So gesehen liegt Leipzig, geographisch gesehen, mitten in Europa. Hervorragende geographische Vorteile, die man von Anfang an im Gepäck hat. Das Gehaltsgefüge kann im Vergleich zu Europa, aus dem Blickwinkel des Unternehmers, ebenfalls glänzen.

In der türkischen Wirtschaft müsste mehr zu bewegen sein. Wieder lasse ich den Staat und die Regierung mal raus. Der Einzelne ist hier wie dort gefragt. Der innere Antrieb muss funktionieren und die richtigen Impulse liefern. Da dieses nicht funktioniert, müssen gute Berater her, die sich mit dem zu beratenden Unternehmen identifizieren und Vorwärts machen.

Ich behaupte z.B. die Erfolgsformel für die türkische Exportindustrie zu haben. Durch die Anwendung dieser simplen Formel können die türkischen Exporte innerhalb kurzer Zeit verdoppelt werden. Ich rede von 1-3 Jahren, wenn die Kapazitäten in der Produktion dieses zulassen oder die Produktion mitziehen kann. Wie das gehen soll ? Jetzt müssen bitte alle, die nicht Türkisch angehaucht sind, die Augen zuhalten. Es ist so einfach und selbstverständlich, dass es mir peinlich ist, hier zu schreiben. Wie wäre es mit einem Vertrieb und einer funktionierenden Exportabteilung, wo nur Vertriebspersonen arbeiten, die die Ware im Ausland an den Mann oder Frau bringen müssen ?

Das ist ein Manko der gesamten türkischen Wirtschaft. Es wird produziert aber dem Vertrieb wird kaum Beachtung geschenkt. Vordergründig sind immer die Gehälter, die der Unternehmer zu zahlen hat. Was ist, wenn ‘der Neue’ nicht den erwarteten Erfolg einbringt ? Ja, wie willst du das feststellen, wenn du ihn nicht einstellst und testest ?

“Wir möchten in den deutschen Markt, können Sie uns behilflich sein ?” Klar, dass kostet aber was ! ………… Funkstille !
Also versucht man selber, in dem man einige E-Mails dahin und dorthin schickt, nicht nachhakt, abwartet und vergisst, was man eigentlich vorhatte. Eher passiert es zufällig, dass die EinkäuferInnen aus dem Ausland in die Türkei kommen und zufällig einen als Produzenten bzw. Lieferanten auswählen. Immer wieder sage ist, dass hier für die Deutschtürken ein großes Potential brach liegt. Krampfhaft bewerben sie sich als Top-Ausgebildete (O-Ton Rückkehrwilliger) bei den zumeist deutschen Unternehmen und verlieren wertvolle Zeit. Im Vertrieb liegt der Segen (wobei der Vertrieb nicht jedem liegt). Den passenden türkischen Produzenten suchen, kleines Gehalt + Provision vereinbaren, loslegen und beweisen, dass man wirklich ‘Top’ ist. Das ist zwar zu allgemein ausgedrückt und dargestellt aber darüber lässt sich für jeden das Passende ableiten (wenn man möchte).

Zwar etwas vom Thema abgewichen aber es bleibt dabei. Deutschland und die deutschen Unternehmen haben die besten Karten in der Türkei. Wo wollen sie sonst so viele Deutschsprachige außerhalb Deutschlands finden, außer im China Europas ?  Die Deutschtürken bilden das Reservoir an gut ausgebildeten Mitarbeitern, angereichert mit erfahrenen Personen in der Türkei und man kann davon ausgehen, dass es mehr als die halbe Miete ist. Sorry, der Leithammel muss ‘Top’ sein ! 😉

Deutschland und Türkei sind kompatibel in jeder (wirtschaftlicher) Hinsicht. Es funktioniert auch anders herum. z.B. türkisches Textilunternehmen mit einem Umsatz von 150 Mio. Euro hat ein Maschinenpark von 40 Mio. Euro (Neuwert). Der Unternehmer möchte noch günstiger produzieren und seine Maschinen nach China verlagern. Ich frage ihn, wo seine Kunden sitzen. Er sagt ‘Deutschland’. Warum dann einige Tausend km weiter weg ziehen und all die Vorteile wegwischen, die die Türkei als Standort hat. Günstige Löhne, gute Fachkräfte und vor allen Dingen 1-3 Tage Lieferzeit nach Europa hinein. Die Kurzfristigkeit und Flexibilität sind Trumpf. Ich schlage ihm vor mit einem Teil der Maschinen, statt nach China, nach Leipzig zu ziehen. Ich weiß, klingt nicht rund aber die Erklärung folgt auf dem Fuß : Die, im Vergleich zu Europa, günstigen Löhne und die Fördermittel mitnehmen, die Halbfertigerzeugnisse in der Türkei produzieren und nach Leipzig schicken und folglich die Konfektionierung in Deutschland realisieren. Heraus kommt “Made in Germany”. Da ist der deutsche Einkäufer gerne bereit, etwas mehr zu bezahlen. Danach kann er seine Produkte wieder in die Türkei reimportieren. Denn hier steht man auf “Made in Germany”. Sonnige Grüße 🙂

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