Illegale Stromabzapfer kosten der Türkei Milliarden

kacakelektrikDer illegale Stromverbrauch hat die Türkischen Stromkunden im Vorjahr fast fünf Milliarden Lira (1,7 Mrd. Euro) gekostet. Vor allem der Südosten des Landes zeigt sich zahlungsresistent. In einigen Provinzen betrug der Stromklau weit mehr als 70 Prozent.

Laut einem Bericht der türkischen Zeitung “Vatan” haben nicht bezahlte Stromrechnungen und illegal abgezapfte Elektrizität im Südosten des Landes im Jahr 2013 ein Loch von insgesamt 4,9 Milliarden Lira in die nationale Stromrechnung gerissen. Die Rechnung bekamen alle registrierten Stromabnehmer in der Türkei präsentiert.

Um das Defizit auszugleichen, mussten die türkeiweit 35 Millionen zahlenden Haushalte jährliche Mehrkosten in Höhe von 140 Lira (47,27 Euro) schlucken. Die Vorjahresgewinne aus der Privatisierung der noch verbliebenen staatlichen Energieversorger im Umfang von umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro wanderte hingegen in die Staatskassen.

Der Fehlbetrag von knapp fünf Milliarden Lira geht auf das Konto eines im Vorjahr privatisierten Stromversorgers, Dicle Electric Distribution A.S. (DEDAS). DEDAS versorgt die südöstlichen Provinzen Diyarbakir, Sanliurfa, Mardin, Batman, Siirt und Sirnak mit Strom. Das Übernahmekonsortium hat ein schweres Erbe angetreten.

Wie der Sprecher von DEDAS, Mehmet Gökay Üstün, erklärte, nutzen dort rund zwei Drittel der Bevölkerung den Strom illegal. Im Vorjahr wurden im Einzugsgebiet des Stromversorgers 19,3 Milliarden Kilowatt Strom verbraucht. Gerade einmal 1,5 Milliarden Lira wurden bezahlt, die Gesamtkosten inklusive Steuern betrugen aber 6,4 Milliarden Lira. Hinzu kommt, dass der Stromverbrauch in den vergangenen fünf Jahren in den südöstlichen Provinzen um 24 Prozent angewachsen ist.

Positiv bilanzierte der Stromversorger, dass der illegale Stromklau seit der Privatisierung um ein Prozent auf knapp 75 Prozent zurückgegangen sei. Dadurch habe das Unternehmen 40 Millionen Lira an Mehreinnahmen erzielen können.

Unter der Ägide des Stromversorgers DEDAS sind 330.000 Dorfhaushalte registriert. Um die Zahlungsmoral der Bauern steht es schlecht. Allein für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Anbauflächen in der Region wird Strom im Umfang von rund vier Milliarden Kilowatt benötigt. Der Großteil wird illegal abgezapft. Von dem jährlich anfallenden Stromverbrauch im Wert von 1,4 Milliarden Lira zahlten die Bauern im Vorjahr nur 29 Millionen Lira. Würden die Landwirtschaftsbetriebe ihre Stromkosten begleichen, käme ein Kilo Baumwolle gleich teuer wie die damit produzierten Baumwolljeans, rechnet der DEDAS-Sprecher vor.

Das Stromklau nicht nur im Südosten ein Thema ist, hat Energieminister Taner Yildiz während der Budgetverhandlungen Ende des Vorjahres deutlich gemacht. Die Strompiraterie in der Türkei müsse dringend unterbunden werden. “Wir werden unsere Einwohner dazu bringen, ihre Stromrechnungen zu bezahlen”, erklärte er in seiner Rede im Parlament. Yildiz versprach eine umfassende “Schulden-Amnestie” für Stromdiebe, sollten sie sich als legale Stromverbraucher anmelden.

Um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen, haben Ministerpräsident Erdogan und Energieminister Taner Yildiz auch das Amt für Religiöse Angelegenheiten, Diyanet eingeschaltet. In den Freitagspredikten wurden die Einwohner des Südostens dazu angehalten, ihre Stromrechnungen zu begleichen. Die erhoffte Wirkung blieb jedoch aus, bedauerte der DEDAS-Sprecher.

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wirtschaft/international/625764_Illegale-Stromabzapfer-kosten-Tuerkei-Milliarden.html

Vodafone Türkei FlatKaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener