Türkische Firmenübernahmen im Ausland stark gestiegen

eurosIstanbul (gtai) – Türkische Unternehmen zeigen steigendes Interesse am Erwerb von ausländischen Firmen. Im Fokus der Investoren stehen europäische Betriebe, die den Zutritt zum EU-Markt erleichtern und beim Technologietransfer helfen. Nach einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft Deloitte gaben türkische Unternehmen 2012 und 2013 zusammen 6,5 Mrd. US$ für Übernahmen und Beteiligungen aus. Wichtigste Zielbranchen waren Energie, Industrie und Immobilien.
Das Auslandsengagement türkischer Firmen steigt spürbar. Viele türkische Unternehmen sind auf der Suche nach ausländischen Partnern, über die sie einen erleichterten Zugang zu den globalen Märkten und zu fortgeschrittenen Technologien erhalten. Insbesondere seit der Finanzkrise 2009 ist ein zunehmender Übernahmetrend durch türkische Konzerne zu beobachten.
Nach einer Untersuchung der Beratungsfirma Deloitte bevorzugen türkische Investoren eine komplette Übernahme von attraktiv erscheinenden Firmen. Nach Möglichkeit streben sie eine beherrschende Kapitalmehrheit an. Häufig handelt es sich bei den aufgekauften Firmen um zukunftsträchtige Unternehmen, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken und externen Kapitalbedarf haben. Nach Angaben von Deloitte investierten türkische Unternehmen 2012 und 2013 zusammen 6,5 Mrd. US$ in den Erwerb oder die Beteiligung an insgesamt 107 ausländischen Firmen. Detaillierte Informationen zu diesen Übernahmen und Beteiligungen enthält die Internetseite von Deloitte (http://www.deloitte.com).

Im Mittelpunkt türkischer Firmenaufkäufe stehen europäische Unternehmen. In Europa erfolgten laut Deloitte 2012 und 2013 insgesamt 56 Übernahmen und Beteiligungen im Wert von insgesamt 2,8 Mrd. $. Auf Platz 2 der Zielregionen standen die Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit zwölf Engagements im Wert von rund 1,1 Mrd. $. Bezogen auf die einzelnen Zielländer türkischer Investoren standen Italien und die USA mit je zehn Engagements an der Spitze, gefolgt von Russland, Irak, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Spanien und Griechenland.
Bevorzugte Sektoren bei den Übernahmen waren Energie, Immobilien und Industrie, darunter die Lebensmittelbranche. Darüber hinaus war laut Bericht der Finanzsektor eine wichtige Zielbranche. Türkische Konzerne, die mit ihren Engagements im Ausland auffielen, waren die Anadolu-Gruppe sowie die Holdinggesellschaften Dogus, Esas, Yildirim und Yildiz.
Die Yildirim Holding erwarb 2013 von der russischen Gesellschaft Mechel das Chrombergwerk in Kasachstan und die Fabrik für Ferrolegierungen in Russland zu einem Preis von 425 Mio. $. Die größten Engagements 2012 waren die Beteiligungen des türkischen Energieunternehmens Genel Enerji an den irakischen Öl- und Gasfeldern Miran (450 Mio. $; 100%) und Bina Bawi (240 Mio. $; 44%). Deloitte rechnet damit, dass die türkischen Konzerne im Zuge ihrer Globalisierungsstrategien zukünftig auch in Asien und Afrika verstärkte Aktivitäten entfalten werden.
Dabei geht es nicht nur um die Übernahme bestehender Firmen im Zielland, sondern auch um den Aufbau von eigenen Produktionsanlagen, wie das Beispiel des Unternehmens Er-Bakir, eines der beiden größten Kupferdrahtproduzenten der Türkei aus der Provinz Denizli, zeigt. Er-Bakir wird nach Angaben von Generaldirektor Macit Taskin in den USA mit Investitionen von 70 Mio. $ ein neues Produktionswerk für Kupferdrähte mit einer Jahreskapazität von 24.000 t errichten. Die Entscheidung zwischen den Standorten El Paso in Texas und Santa Teresa in New Mexico soll unter Berücksichtigung der staatlichen Förderungen in den genannten Bundesstaaten in Kürze fallen. Er-Bakir erreichte 2013 einen Umsatz von knapp 1,4 Mrd. $ und tätigte Exporte im Wert von rund 400 Mio. $. Etwa 30% der Produktion gehen in den Export.

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