Plastikbälle waren nur der Anfang

toplarDie Firmenhistorien türkischer Unternehmen gleichen z.B. die der Deutschen überhaupt nicht. Hier sind gewaltige Sprünge, in Sachen Branchenwechsel zu beobachten. Während deutsche Familienunternehmen über Generationen immer in der selben Branche bleiben (Schuster bleib bei deinen Leisten), so können türkische Familienunternehmen alles Kopf stellen und die Branche wechseln.

Yaylalar Holding fing in den 60er Jahren damit an die ersten türkischen Plastikbälle unter der Marke ‘Topsan’ zu produzieren. Schnell wurden die Bälle der Renner und fanden ebenso schnell Nachahmer. 1994 wurde das Unternehmen an ausl. Investoren verkauft. Heute macht Yaylalar 450 Mio USD Umsatz und ist in 16 verschiedenen Branchen aktiv. Petrochemie ist die tragende Säule des Unternehmens.

Das Unternehmen ist momentan dabei mit einer 15 Mio. USD Investition ein Wasserabfüllanlage in Dubai zu bauen. Dort besitz das Unternehmen eine ergiebige Quelle für Trinkwasser. Die Kapazität liegt am Tag bei 250.000 Stück Wasser in Vakuumplastikbechern, 150.000 Literflaschen und 250.000 Halbliterflaschen.

Wenn man bedenkt, dass der Großvater des jetzigen CEO’s damals mit geliehenem Geld eine gebrauchte Maschine zur Ballherstellung erwarb und so den Anfang einer Erfolgsstory ebnete, kann man nur Bewunderung entgegen bringen.

Diese Geschichte soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Misserfolge bei krassem Branchenwechsel überwiegen. Oft höre ich “Herr Dener, hätten wir nicht mit dem … Projekt angefangen, würde es uns heute besser gehen.” Ich bin schon viel Krasserem begegnet. Fahrschullehrer wollte ein Krankenhaus besitzen und ist heute bettelarm. Schuhladenbesitzer investierte in Telefonzentralen für Call by Call Systeme, die 25oT USD das Stück kosteten. Er hatte 3 davon (dabei würde ich gerne den Verkäufer dieser Anlagen mal kennenlernen). Da er nicht wusste, wie diese einzusetzen waren, blieben die Geräte 3 Jahre auf Zolllager. Als er starten wollte, gab es schon die nächste Generation der Geräte und er war ohne losgelegt zu haben, am Ende. In der Türkei müssen die Unternehmer nur was von Fördermaßnahmen hören und schon legen sie los. Anfang 90er Jahre machte die Nachricht die Runde, dass Fruchtsaftkonzentrate der Renner sein würden weil der Verbrauch in Europa ständig steigen würde. Es gab Fördergelder. So wurden an die 20-22 Anlagen, ausgestattet mit ‘Made in Germany’ Geräten, in und um Antalya gebaut. Davon haben nur 2 den Betrieb aufgenommen.

 

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