204.000 Familien leben vom Teeanbau. Aber wie ?

Tee

Im Schiff zwischen Asien und Europa ein MUSS

Auftragsbedingt lese ich derzeit so ziemlich alles mögliche über Tee. Sage und schreibe 204.000 Familien leben vom Tee-Anbau. Pro Familie sind das dann ca. 4-4,5 Hektar, die sie besitzen. Bei dieser Fläche kann man ca. 4,8 Tonnen Tee im Jahr ernten. Das bringt der Familie satte (!) 2.500 TL (keine 1.000 Euro). Im Monat sind dies dann 200 TL für die Familie. 1/4 des gesetzlichen Mindestlohnes. Leben unter der Armutsgrenze. Für all diese Familien ist der Tee-Anbau mittlerweile zum Zusatzverdienst bzw. Gewohnheit geworden, der sie traditionell bedingt, nachgehen. Leben kann man davon nicht. Der Staat subventioniert weiterhin den Ex-Monopolisten Caykur (der Staatsmonopol wurde 1984 aufgehoben) und sorgt für Ungleichgewicht auf dem Tee-Markt. Dieses wird umso unverständlicher, wenn man weiß, dass Caykur ebenfalls privatisiert werden soll, wie die meisten Staatsbetriebe.

10-15% des Tees ist Schmuggelware, welches sogar ordentlich statistisch erfasst wird. Trotz Zustürzen sind die Felder über 50 Jahre alt und der Tee grundsätzlich von schlechter Qualität (Nicht denken, dass dieses meine eigene Meinung bzw. Bewertung ist. Der Züchterverband schreibt das in ‘Türkiye Siyah Cay Raporu’ von 2009). Traurig und witzig zugleich finde ich die Tatsache, dass gerade in den Gegenden der Türkei, wo Tee angebaut wird, der meiste Schmuggeltee konsumiert wird (steht auch in dem erwähnen Bericht).

Des Türken Nationalgetränk (96% der Türken trinken Tee täglich und mit über 3kg/Kopf/Jahr Nr. 1 weltweit) beinhaltet neben den Teeblättern, die verarbeitet werden, auch sehr viel Holz von den Ästen. Wenn man also auf den tollen Geschmack des türkischen Tees schwört, dann kann es durchaus sein, dass es vom guten Holz kommt. 😉

Tee aus Teebeuteln kommt immer mehr zum Tragen. Die jährlichen Steigerungen liegen bei 20-25%. Wenn vor den Fast-Food Läden 15 Mopeds für den Bring-Service stehen, zeigt dieses, dass der türkische Konsument ein bequemer Zeitgenosse ist. So wird es nicht lange dauern, dass die Teebeutel ein Teil unseres Lebens werden.  Nach dem, was ich in der letzten Zeit über türkischen Tee erfahren habe, muss ich über die Damen schmunzeln, die sagen, wenn sie erfahren, dass der Tee aus dem Beutel kommt : “Wusste ich sofort, den Papiergeschmack konnte ich schmecken.” Du schmeckst nicht einmal das Holz, was dem Tee beigemischt ist, wie willst du da das Papier rausschmecken, welches absolut geschmackneutral ist ? Die Antwort folgt auf dem Fuße : “Ich kann das !”

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