Türken kaufen EU Unternehmen

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Istanbul (gtai) – Finanzstarke türkische Großunternehmen verstärken ihr Engagement im Ausland und erwerben Produktionsbetriebe in Europa. Im November 2013 wurden die Zukäufe von drei bedeutenden Firmen aus dem Omnibusbau, der Medizintechnik und der Verpackungstechnik in Ungarn, Italien und Spanien bekannt. Für die nächsten Jahre rechnen Marktanalysten mit verstärkten Aktivitäten türkischer Unternehmen in der deutschen Kfz-Zulieferindustrie, im kanadischen Bergbau und in der italienischen Keramikbranche.

Kapitalstarke türkische Unternehmen zeigen zunehmendes Interesse am Erwerb von Firmen beziehungsweise Produktionswerken im europäischen Ausland, vor allem in der Europäischen Union. Für die kommenden Jahre erwartet das Beratungsunternehmen Deloitte eine sektorale Konzentration türkischer Aktivitäten in verschiedenen westlichen Industrieländern. So werden sich türkische Unternehmen in Deutschland voraussichtlich vermehrt in der Kfz-Zulieferindustrie engagieren, in Kanada und Italien werden sie sich verstärkt für den Bergbau beziehungsweise für die Keramikbranche interessieren.

Türkisches Unternehmen kauft NABI-Buswerk in Ungarn

Pressemeldungen zufolge haben türkische Unternehmen in den ersten zehn Monaten 2013 insgesamt 26 ausländische Firmen aufgekauft. Der türkische Hersteller von Verbundstoffen Metyx Composites gab im November 2013 den Erwerb des Buswerks der North American Bus Industries (NABI) in Kaposvar/Ungarn bekannt. Metyx Composites hatte bereits 2012 die Produzenten von Kompositmaterialien LEDA und ACT in Italien aufgekauft. Die Kapitalanteile der NABI-Tochterfirma in Ungarn wurden nach Angaben von Metyx-Präsident, Ugur Üstünel, vom Investmentfonds Cerberus übernommen.

NABI, der zweitgrößte Omnibushersteller der USA, verfügt – so Üstünel – über moderne Technologien zur Herstellung von besonders leichtgewichtigen Bussen. Die im ungarischen Werk produzierten Busse werden auch in die USA exportiert. Die Fabrik, die auf einer 230.000 qm großen Fläche steht, soll zukünftig unter dem neuen Namen “Metyx Composites Hungary” weitergeführt werden. Metyx Composites ist eine Tochtergesellschaft der Firma Telateks. Der türkische Produktionsbetrieb von Metyx befindet sich in der westlichen Provinz Manisa.

Das türkische Medizintechnikunternehmen Alvimedica Saglik Yatirimlari, eine Tochtergesellschaft der Alarko Holding, gab am 19.11.13 den Erwerb der italienischen Firma CID (Carbostent & Implantable Devices) bekannt. Alvimedica fertigt vor allem Katheter und Stentsysteme. Die Produktion nach GMP-Standards (Good Manufacturing Practice) und CE-Zertifizierung erfolgt auf einem 5.500 qm großen Gelände in der Freihandelszone Catalca westlich von Istanbul. Zeitgleich mit der Übernahme von CID gab der Vorstandsvorsitzende der Alarko Holding, Ishak Alaton, die Pläne seines Unternehmens für den Bau eines neuen Krankenhauses in Catalca bekannt. Das Projekt mit veranschlagten Investitionen von 60 Mio. $ soll 2015 in Angriff genommen werden. Das neue Krankenhaus werde unter dem Markennamen einer bekannten US-amerikanischen Universität aus Kalifornien operieren.

Türken übernehmen spanischen Betrieb für Eisverpackungen

Der türkische Hersteller von flexiblen Verpackungen Kalenobel Ambalaj Sanayi übernahm im November 2013 ein Werk für Verpackungsmaterialien der konkurrierenden Firma Big Drum in Spanien. Damit stieg Kalenobel nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden, Olcay Hephiz, an die Spitze der Hersteller von Speiseeisverpackungen in Europa auf. Zur Produktionspalette des türkischen Unternehmens, das 2010 eine Partnerschaft mit dem Investitionsfonds Argus Capital einging, zählen unter anderem Tüten, Becher und Deckel für Eisverpackungen.

Die türkische Verpackungsindustrie boomt zurzeit und verfügt wegen des noch vergleichsweise geringen lokalen Verbrauchs auch zukünftig über ein erhebliches Wachstumspotenzial. Nach Angaben von Hephiz wird der gesamte türkische Markt für Verpackungsmaterialien 2013 gegenüber dem Vorjahr um schätzungsweise 20% steigen und ein Volumen von 15 Mrd. $ erreichen. Dabei werde der Umsatz am Teilmarkt für flexible Verpackungen ebenfalls um 20% auf 2,9 Mrd. $ zunehmen.

Im November 2013 wurde darüber hinaus bekannt, dass der türkische Hafenbetreiber Global Ports den Containerterminal im montenegrinischen Adriahafen Bar übernommen hat. Für einen Anteil von 62% am bisher staatlichen Hafen zahlte die türkische Firma laut Pressemeldungen 8,1 Mio. Euro. Global Ports verpflichtete sich im Kaufvertrag, in den bevorstehenden fünf Jahren insgesamt 21,1 Mio. Euro in die Modernisierung des montenegrinischen Hafens zu investieren.

68 Übernahmen in vier Jahren

Nach einer Untersuchung von Deloitte investierten türkische Unternehmen zwischen 2007 und 2011 insgesamt 7,5 Mrd. US$ in den Erwerb von ausländischen Unternehmen oder in deren Beteiligung. In diesem Zeitraum wurden 68 Übernahmeprojekte gezählt. Die häufigsten Aufkäufe gab es mit großem Abstand in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. Etwa 40% der 7,5 Mrd. $ flossen in diese Branche. Interessant für türkische Unternehmen waren neben anderen Zweigen des verarbeitenden Gewerbes die Telekommunikationsindustrie sowie die Logistik- und die Finanzdienstleistungsbranche.

Rund 3,2 Mrd. $ (41 Projekte) entfielen auf Übernahmen in Europa, wobei Deutschland, Frankreich und Italien zu den wichtigsten Zielländern türkischer Investoren zählten. Darüber hinaus gab es Engagements in Russland, Georgien, Rumänien und in der Ukraine. So erwarb beispielsweise das türkische Brauereiunternehmen Anadolu Efes im Jahr 2011 für 1,9 Mrd. $ die russischen und ukrainischen Tochterfirmen von SABMiller. Das ist das bislang werthöchste türkische Übernahmeprojekt.

Bei den aufgekauften Firmen handelt es sich häufig um solche, mit denen türkische Unternehmen bereits Kooperationen besitzen und die wegen finanzieller Engpässe auf externe Finanzquellen zurückgreifen müssen. Bei ihren Übernahmen und Beteiligungen im Ausland nutzten türkische Unternehmen in der Vergangenheit auch die Privatisierungsprogramme in den jeweiligen Ländern. So erwarb das Konsortium Gübretas, Tabosan und Asia Gas Energy im Jahr 2008 die iranische Razi Petrochemical Company zu einem Preis von 532 Mio. $. Die türkische Firma Turkcell kaufte ebenfalls im Jahr 2008 für 500 Mio. $ die Belarusian Telecom in Weißrussland; die türkische Fintur Holding erwarb im selben Jahr für 180 Mio. $ das aserbaidschanische Unternehmen Azercell Telekom.

Quelle : gtai.de

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