Nur 199 Euro ! Eine Woche 5 Sterne Bildungsreise Türkei

bosporus1„Fünf-Sterne-Bildungsreise in der Türkei zum Vorzugspreis!“ So bewirbt der Reiseveranstalter RSD Reise Service Deutschland GmbH aus Kirchheim eine achttägige Bildungsrundreise „Istanbul und weitere Glanzlichter der Westtürkei“. Dem Kunden wird in der Anzeige zunächst mit einem klassischen Stilmittel des Direktmarketings Vertrauen eingeflößt: dem Testimonial. Und wie der Einsatz von Fußball-Nationalspielern für Brotaufstrich und Milchprodukte bestätigt, helfen vertraute Gesichter beim Verkauf. Hier ist es der „TV-Weltreporter“ Dieter Kronzucker, der, unterstützt von einem zentral präsentierten Foto auf der Titelseite der Reisebroschüre, seine Empfehlung formuliert. Bei einem so angekündigten journalistischen Schwergewicht kann es auch nicht stören, wenn sich dessen Aussagen inhaltlich eher als Allgemeinplätze einordnen lassen. Kronzucker kommentiert lediglich die Attraktivität Istanbuls und die weiteren kulturellen Ziele der Reise, die ohnehin über jeden Zweifel erhaben sind.

Der gesamte Aufbau des Werbeschreibens belegt aber eindeutig, dass als entscheidender Vorteil des vorliegenden Angebots der Reisepreis und die konkret erzielbare Ersparnis anzusehen sind. Die Aufmerksamkeit der Leser wird ganz gezielt auf den Entscheidungsparameter „Preis“ hingeführt. Über nahezu eine ganze Seite hinweg werden die „Inklusivleistungen“ bildunterstützt hervorgehoben. In der Summe ergibt sich für dieses Leistungspaket ein Gesamtpreis von 799 Euro. Rot hervorgehoben: „Ihre Ersparnis 600 Euro pro Person“, was schließlich zu der Aussage führt: „Alles drin! Für Sie ab nur 199 Euro.“ Aber ist in diesem Vorzugspreis auch wirklich alles drin? Der aufmerksame Leser fühlt sich durch die verräterische Präposition „ab“ vor dem Reisepreis angehalten, nochmals genauer nachzulesen. Und in der Tat findet sich bei den Flugterminen ein Hinweis auf Saisonzuschläge, die nur für einen frühen, weil auch in der Türkei oft unwirtlichen Februartermin entfallen. Für die später angebotenen Reisetermine steigen die Zuschläge kontinuierlich.

Freundliche Helfer, moderne Busse
Gestützt auf diese Informationen, erfolgt die Buchung für einen Termin Mitte März problemlos über die im Prospekt genannte, kostenfreie Rufnummer des Reiseveranstalters. Nach Nennung des neben der Rufnummer angegebenen „Vorteilscodes“, der allerdings ausschließlich dazu dient, dem Reiseunternehmen die Zuordnung eines Anrufs zu einem konkreten Werbeträger zu ermöglichen, erfolgt der Vertragsabschluss zum Preis von 279 Euro pro Person. Die Bestätigung der Buchung erfolgt umgehend, die Flug- und Reiseunterlagen werden pünktlich versandt. Da im Namen eines der beiden Reiseteilnehmer ein Buchstabendreher enthalten ist, wird eine Korrektur erbeten, die auch sofort erfolgt. Allerdings begleitet von einer korrigierten Gesamtrechnung, die jetzt noch einen offenen Betrag von 25 Euro für den zusätzlichen, korrekturbedingten Verwaltungsaufwand enthält. Nach einem deutlichen Widerspruch folgt aber umgehend eine neue Rechnung, dieses Mal ohne Nachforderung.

Der Reiseantritt in Frankfurt erfolgt dann pünktlich und problemlos. Der nur wenige Jahre alte Airbus A320 ist bis auf den letzten Platz besetzt. Nach der Landung in Istanbul wird man von freundlichen Helfern zu den bereitstehenden, modernen Bussen geleitet. Diese weisen durch ihre Aufschriften aus, dass man es in der Türkei mit der NBK Touristic als Durchführungsgesellschaft zu tun haben wird.

Herr Erdogan aus Bommersheim
Unser Bus startet vom Charter-Flughafen Sabiha Gökcen kurz vor Mittag in Richtung Istanbul, besetzt mit vierzig erwartungsfrohen Reisenden mit einem Altersdurchschnitt im leicht vorgerückten Rentenalter. Als Fahrtzeit wird etwa eine Stunde angegeben. Diese Zeit nutzt unser Reiseleiter zunächst, um sich vorzustellen. Herr Erdogan, Anfang vierzig, wurde – eher zufällig – auf der Durchreise seiner Eltern im Kreiskrankenhaus von Bad Homburg geboren. Er wuchs dann bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr im nahe gelegenen Bommersheim auf. Nach der Rückkehr in die Türkei und dem Besuch des Gymnasiums studierte er Germanistik. Er gibt an, eine Vorliebe für das Alt- und Mittelhochdeutsche zu besitzen, Teile des Brantschen „Narrenschiffs“ ins Türkische übersetzt zu haben, eine spätmittelalterliche Moralsatire, in der pikanterweise auch vor den Türken gewarnt wird. Herr Erdogan spricht folglich bestens Deutsch. Er wird uns in den Folgetagen höchst kompetent und mit viel Detailwissen die kulturellen Höhepunkte der Reise, aber auch viele Fakten über Geschichte, Land und Leute näherbringen.

Beliebtes Mitbringsel, nicht immer von erstklassiger Qualität: orientalische Gewürze in leuchtenden Farben.
Bevor er aber diese zu Recht im Reiseprospekt ausgelobten Talente nachweisen kann, beginnt für Herrn Erdogan ein schwieriger Spagat. Er muss – ganz explizit – zunächst die Gunst der Stunde nutzen, alle Reiseteilnehmer präsent zu haben, um seine Qualitäten als Verkaufsagent unter Beweis zu stellen. Eine Vorgehensweise, die keineswegs überraschend kommt, lassen doch die bisher im Reisepreis enthaltenen „Inklusivleistungen“ noch genügend Raum für Erweiterungen. Herr Erdogan nutzt geschickt die Windschutzscheibe des fahrenden Busses, um mit einem Filzstift die beiden möglichen Optionen für die Buchung von Zusatzpaketen aufzuzeigen. Da gibt es zunächst auf der rechten Fensterhälfte ein „Basis- oder Komfortpaket“, das sich inhaltlich mit leichten Nuancierungen an das bereits im Reiseprospekt beworbene „Kultur- & Genusspaket“ anlehnt, mit einem Preis von 159 Euro aber um 40 Euro hinter diesem zurückbleibt. Dafür enthält es zusätzlich zu allen Eintrittsgeldern und Führungen auch nur sechs Abendessen, nicht aber die Mittagessen. Dieses Paket müsse man auf jeden Fall erwerben, rät Herr Erdogan.

Aus 199 Euro werden 535 Euro
Ferner biete es sich an, auch noch das Zusatzpaket zu buchen. Dieses enthält neben den bereits im Prospekt erwähnten „fakultativen Ausflügen“ (Bosporus-Bootsfahrt für 39 Euro pro Person und Aspendos-Ausflug gleichfalls für 39 Euro pro Person) eine abendliche „Lichterfahrt“ in Istanbul sowie sämtliche Mittagessen und schließlich auch – geschickt verzahnt – das bei einer achttägigen Reise anstehende siebte Abendessen. Auch hier rät der Reiseleiter wort- und argumentationsreich zum Erwerb. Und er macht das gut.

Die in bilateralen Dialogen vollzogene, nachfolgende Erfolgskontrolle führt zu einem beeindruckenden Ergebnis. Neunzig Prozent der Businsassen buchen beide Pakete, ein Ehepaar möchte auf das Zusatzpaket verzichten. Und damit liegt man genau im Trend, wie sich bei späteren Zusammentreffen mit den anderen Bussen zeigen wird. Für all diejenigen, die sich für die Zusatzangebote entschieden haben, stellt sich die Reise jetzt quasi als All-inclusive-Paket dar. Aus dem Blickfangpreis des Reiseprojekts von 199 Euro sind so im Bus aber stolze 535 Euro pro Person geworden.

Der Reiseplan gerät durcheinander
Dann wird den Reiseteilnehmern eine kleine Änderung des Reiseprogramms verkündet. Diese besteht darin, dass nicht unmittelbar das Hotel angesteuert wird, sondern es wird die zunächst als fakultativ beworbene Bootsfahrt auf dem Bosporus vorgezogen. Dies bedeutet für alle Mitreisenden ohne gebuchtes Zusatzprogramm, dass man im Bus verbleiben muss und zur Anlegestelle des Bootes transportiert wird, um dort auf die Ankunft des Bootes zu warten. Das könne dann eine halbe Stunde dauern, so der Reiseleiter. Der Busfahrer verändert diese Einschätzung dahin gehend, es dauere mindestens eine Stunde bis zum Erscheinen des Bootes, tatsächlich dauert es dann zwei Stunden. Die Folgen wären bei genauer Zeitangabe gut beherrschbar gewesen, befindet sich die Anlagestelle doch in unmittelbarer Nähe des Ägyptischen Basars und der Altstadt. Bei den tatsächlichen Zeitvorgaben wird die Nutzung der vorhandenen Alternativen unnötig eingeschränkt. Dies scheint aus erzieherischen Gründen aber gewollt, steht doch als nächste gemeinsame Station für alle Reiseteilnehmer überraschend der Besuch des Ägyptischen Basars an, der in der Reisebeschreibung ebenfalls für den zweiten Reisetag vorgesehen war.

Ein Muss für jeden Kulturtouristen in der Türkei: die Hagia Sophia in Istanbul.
Erst nach einer weiteren Stunde geht es am frühen Abend dann zum Hotel. Und dieses befindet sich, wie der Reisepreis vermuten lässt, nicht in Lauflage zu den touristischen Highlights Istanbuls, sondern eine halbe Autostunde entfernt in unmittelbarer Nähe zum internationalen Flughafen Istanbul-Atatürk. Erfreulicherweise entsprechen Ambiente und Sauberkeit des Hotels nicht den durch die Lage und das äußere Erscheinungsbild genährten Befürchtungen. Und das gilt auch für den weiteren Reiseverlauf: An den Hotels der Landeskategorie vier und fünf gibt es kaum etwas zu bemängeln. Es handelt sich um einfache, aber durchweg saubere Mittelklassehotels.

Heftige Diskussionen am Frühstückstisch
Allerdings wird die Vorfreude auf den zweiten Reisetag mit den Höhepunkten des historischen Istanbuls dadurch getrübt, dass der allen Reiseteilnehmern versprochene Weckruf ausbleibt. Dennoch erscheinen wir pünktlich zur Inklusivleistung „Frühstück“. Dort erfahren wir vom Reiseleiter, dass der Weckruf ganz bewusst nicht erfolgte, sei doch das Leistungsversprechen des heutigen Tages ausschließlich den Reiseteilnehmern vorbehalten, die zumindest das Komfortpaket hinzugebucht hätten. Unser Verweis auf die Reisebeschreibung und den daraus abgeleiteten Anspruch, zumindest den Bustransfer beanspruchen zu können, führt dann zu einer längeren und heftigeren Diskussion um die Leistungsinhalte. Wohl auch deshalb, weil das eskalierende Streitgespräch im Frühstücksraum den Mitreisenden nicht verborgen bleibt, unterbreitet der Reiseleiter nach ein paar Minuten das folgende Angebot: Zum Preis von 59 Euro offeriert er ein Mini-Zusatzpaket, das sämtliche Eintrittsgelder sowie die Führungen bei den anzusteuernden Sehenswürdigkeiten einschließt. Wir stimmen dem „Kompromiss am Bosporus“ zu und schließen so unseren Frieden mit dem Reiseleiter. Und in der Tat ist es eine Freude, unter seiner kompetenten Führung den Hippodrom-Platz, die Sultan-Ahmet-Moschee, den Topkapi-Palast sowie die Hagia Sophia zu besichtigen.

Am Folgetag werden wir absprachegemäß pünktlich um 5.30 Uhr – Bildungsreisen sind nun mal keine Erholungsreisen – zur Weiterfahrt nach Troja geweckt. Im Tagesverlauf müssen wir aber auch da erfahren, dass es nicht einfach werden wird, in der Mittagszeit zufriedenstellende Alternativen zum Angebot des Reiseveranstalters zu finden. Die Mittagspause findet in einer abgelegenen Raststätte irgendwo im „fruchtbaren Hinterland“ statt. Ein kärgliches Bistroangebot zu weit überhöhten Euro-Preisen bildet die einzige Verpflegungsalternative zum Achtzehn-Euro-Monopolpreis des Reiseanbieters. Und diese Konstellation gilt dann auch weitgehend für die Folgetage. Wesentlich besser wird es dann aber am Abend bei der Übernachtung in der Nähe von Ayvalik. Auch wenn saisonbedingt die meisten Restaurants noch geschlossen haben, bietet in unmittelbarer Nähe zum Hotel ein kleines Restaurant besten, fangfrischen Fisch zu fairen Preisen.

Obligatorischer Besuch einer Teppichmanufaktur
Auch am nächsten Tag bleibt es beim frühen Start. Kultureller Höhepunkt ist das nahe gelegene Laodikeia, eine einstmals reiche Wirtschaftsmetropole, in römischer Zeit vor allem wegen der roten Baumwollstoffe geschätzt. Auf einem flachen Hügel gelegen, beeindrucken die noch gut erhaltenen Theater und die erst vor wenigen Jahren freigelegten Zeugnisse einer der ersten frühchristlichen Kirchen. Das war’s dann aber mit der Kultur an diesem Tag, denn geschickt und für alle Reiseteilnehmer unentrinnbar in den Reiseverlauf integriert, steht der Besuch einer Teppichmanufaktur an. Der Reiseleiter versucht, die Besichtigung dadurch schmackhaft zu machen, dass er den Informationsaspekt besonders hervorhebt. Und in der Tat: Es ist schon faszinierend, zu sehen, wie Seidenfäden gewonnen und verwertet werden und welche handwerkliche Kunst dazu gehört, bis zu vierzig mal vierzig Seidenknoten auf einem Quadratzentimeter zusammenzuknüpfen.

Aber unmittelbar nach diesen Demonstrationen wird klar, dass nicht die Wissensvermittlung, sondern der Verkauf das primäre Ziel dieses Zwischenstopps bildet. Und hier wird dann ein weiteres Element der ökonomischen Logik derartiger „Reisen zu Vorzugspreisen“ deutlich. Man nimmt – quasi als Opportunitäskosten – billigend in Kauf, dass man zu Destinationen verbracht wird, in denen geschickte Händler versuchen, vorhandene Kaufkraft auszuschöpfen. Der vorher klar fixierte Adressatenkreis der Werbung des Reiseveranstalters in seriösen Zeitungen und Zeitschriften bildet eine attraktive Klientel.

Etikettenschwindel in Antalya
Nach zweieinhalb Stunden in der Teppichmanufaktur ist man froh, die Fahrt im Bus fortsetzen zu können. Auch wenn das Taurus-Gebirge malerische und imposante Ausblicke bereithält, registriert man dennoch erfreut, dass die Verkehrsschilder das nahe Antalya ankündigen. Das Ende der Reise für diesen Tag? Weit gefehlt, denn zu den ökonomischen Bedingtheiten dieser Reise gehört auch, dass nicht der Reiseverlauf alleine die geografische Lage der Übernachtungen bestimmt. Im Reiseprospekt angekündigt ist auch nur eine Übernachtung „im Raum Antalya“. Dies bedeutet im konkreten Fall, dass der Bus die Stadt Antalya durchquert, um dann nach einer zusätzlichen Fahrtzeit von mehr als einer Stunde im circa vierzig Kilometer entfernten, noch verwaisten Küstengebiet ein Hotel anzusteuern. Auch hier liegt der volkswirtschaftliche Nutzen darin, in der sicher wirtschaftlich schwierigen Nebensaison zumindest punktuell für einen Ausgleich zu sorgen. Die Reiseteilnehmer bezahlen mit ihrer Zeit, und sie müssen auch am nächsten Morgen wieder mit dem Koffer am Bus erscheinen.

Der sechste Reisetag verheißt als Highlight „Antalya & Altstadt“, entpuppt sich aber rasch als Etikettenschwindel. Den Vormittag des Tages verbringt man in den Verkaufsräumen von Pelz-, Leder- und Schmuckhändlern. Deren Räumlichkeiten befinden sich an einer unwirtlichen Ausfallstraße Antalyas. Auch hier ist ein Entkommen, sprich eine sinnvolle Alternative, nicht in Sicht. Die Anlehnung an die in Deutschland berüchtigten Kaffeefahrten wird hier am deutlichsten. Die gastgebenden Unternehmen bemühen sich erst gar nicht um tiefer gehende Information. Im Mittelpunkt steht allein der Verkauf. Beim Lederwarenhersteller D’enver sorgt zunächst eine kleine Modenschau unter Einbeziehung mehrerer Reiseteilnehmer für eine lockere Einstimmung. Danach führt der Weg direkt in die üppig mit Leder- und Pelzprodukten bestückten Verkaufsräume. Landestypische Getränke werden gratis angeboten. Und wieder ist es eine Armada von Verkäufern und Verkäuferinnen, die die Produkte überschwänglich anpreisen. Rasch und geschickt werden den einzelnen Besuchern entsprechende Produkte zugeordnet.

Schnäppchenjäger mit freudig erregten Gesichtern
Die nachfolgenden Preisverhandlungen vollziehen sich nach einem festen Ritual. Zunächst wird ein exorbitant hoher Mondpreis genannt. Danach wird schrittweise die Widerstandslinie ausgetestet, wobei als ultimatives dramaturgisches Stilmittel die Zustimmung des Chefs einzuholen ist. Zurück im Bus, dokumentieren freudig erregte Gesichter, dass das eine oder andere Schnäppchen erstanden werden konnte. Und mit jeder weiteren Tüte glätten sich bei den Käufern die berühmten Festinger’schen kognitiven Dissonanzen. Und überhaupt: Wer wird denn im Urlaub so genau auf den Preis schauen.

Klar, allein die Umstände des Kaufs legen die Vermutung nahe, dass man zu viel gezahlt hat. Alle Schutz- und Preisvergleichsmechanismen, die uns sonst im Alltag vor einer Übervorteilung schützen, sind weitgehend außer Kraft gesetzt. Hier wird so mancher schwach, der ansonsten jedes nur denkbare Preisvergleichsportal nutzt. So können denn auch seriöse Überprüfungsergebnisse nicht überraschen, die, auf das Urteil vereidigter Sachverständiger gestützt, nahelegen, dass die gezahlten Preise tatsächlich als deutlich überhöht anzusehen sind. Im Internet lassen sich zahlreiche Belege recherchieren. So wurde im ARD-Morgenmagazin am 19. März eine bei einer ähnlichen Reise für 400 Euro erworbene Lederjacke gutachterlich dem Preisbereich 170 bis 200 Euro zugeordnet.

Die Markenpiraterie feiert fröhliche Urständ
Für all diejenigen, die bisher allen Versuchungen erfolgreich widerstanden haben, bildet der Stopp aller Busse an einem sogenannten Volksbasar von Antalya die letzte Gelegenheit, doch noch schwach zu werden. Und das wird man schließlich auch, denn so ganz ohne Mitbringsel möchte man ja doch nicht nach Hause kommen. Und sei es auch nur der in Form von Kinderbekleidung für die Enkelin dokumentierte Beleg, dass die Markenpiraterie in der Türkei noch immer fröhliche Urständ feiert.

Schließlich steht zum Ausklang dieses Tages noch eine Entscheidung über ein weiteres, wenn auch diskretionäres Kostenelement dieser Reise an: das Trinkgeld. Die gedankliche Auseinandersetzung mit dieser Frage wird vom Reiseleiter in der Weise geschickt eingeleitet, dass er die umsichtige Leistung des Fahrers nochmals hervorhebt und dabei beschreibt, dass es sich in der Türkei gehöre, sich persönlich zu bedanken. Natürlich zumindest subkutan mit einem „argumentum a minore ad maius“ im Hinterkopf. Also, wenn schon der Busfahrer, dann der Reiseleiter erst recht. Und wenn man davon ausgeht, dass beide ein geringes Fixum bekommen, das Trinkgeld als wesentlicher Bestandteil des Einkommens unterstellt wird, dann gehört es sich auch, eine gute Leistung entsprechend zu honorieren.

Viele Kompromisse, wenige Enttäuschungen
Aber viel Zeit bleibt ohnehin nicht. Für den Reiseveranstalter gilt es, die eigenen Flugzeuge möglichst früh am Morgen einzusetzen. Deshalb wird der Start für die Rückreise am achten Tag bereits für Mitternacht terminiert, schließlich soll nach dem Transfer das Flugzeug zur Heimreise um 4.05 Uhr von Antalya abheben. Selbst für hartgesottene Charterflieger eine außergewöhnliche Zeit. Der achte Tag ist also eine erneute kleine „Schummelei“ des Reiseveranstalters.

Fazit: Wer eine Bildungsreise der hier beschriebenen Art plant, ganz gleich wohin, der ist gut beraten, sich nicht allzu schnell von vordergründiger Werbung verführen zu lassen. Wie bei allen Konsumentscheidungen zahlt es sich aus, das Für und Wider exakt abzuwägen, die Leistungsinhalte eindeutig zu bestimmen, vergleichbare Angebote zu eruieren und in die Entscheidung einzubinden. Wer dann nach eingehender Lektüre der Reisebeschreibung ein exaktes Bild der Kosten und des Leistungsumfangs abgeleitet hat, wer sich die ökonomischen Bedingtheiten dieser Art von Reisen bewusst macht und diese zu akzeptieren bereit ist, wer sich stark genug fühlt, den oftmals massiv vorgetragenen Verkaufsangeboten erfolgreich Widerstand zu leisten, der wird am Ende nicht enttäuscht sein. Geboten werden – wie ausgelobt – in dichter Abfolge „Glanzlichter der Westtürkei“, gut organisiert und begleitet durch eine kompetente Reiseleitung.

Quelle: F.A.Z.

 

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