Türkische Textilien von Mönchengladbach in die große weite Welt

textilMönchengladbach (RP). Die türkische Firmengruppe Anka Textil startet zunächst mit einem Showroom, will aber höher hinaus: Gladbach soll zum zentralen Umschlagplatz der türkischen Modeindustrie in Europa werden. Die geplante permanente Textilmesse soll Hunderten Firmen eine Präsentationsfläche bieten. WFMG und NRW Invest unterstützen das Vorhaben.

Es ist noch immer eine kühne Vision, doch sie nimmt langsam Formen an. Sie geht wie folgt: Die alte Textilstadt Mönchengladbach, einst das rheinische Manchester, stoppt den Abwärtstrend und leitet eine neue textile Blütezeit ein. Der Mann, der sich diese Vision auf die Fahnen geschrieben hat, heißt Atalay Nadirler und ist Geschäftsführer eines Zusammenschlusses von elf türkischen Textilunternehmen, Anka Textil. Der hat jetzt zunächst einmal einen Showroom an der Odenkirchener Straße eröffnet, was aber, wenn es nach Nadirler geht, nur der “Türöffner” sein soll. Nichts Geringeres als eine permanente Messe für Hunderte von türkischen Textilfirmen schwebt ihm vor. Dadurch soll Gladbach zum zentralen Umschlagplatz der türkischen Modeindustrie in Europa werden. Denn die ist europaweit die einzige, die noch im eigenen Land produziert. Doch es gebricht ihr bisher an Vertriebs- und Absatzkanälen in Richtung Norden und Westen.Das Beste an Nadirler und seiner Vision: Er ist kein Fantast, sondern hat neben den Wirtschaftsförderungen der Stadt (WFMG) und des Landes (NRW Invest) auch die türkische Regierung hinter sich, die zur Eröffnung des Showrooms jetzt Konsul Hüseyin Emrah Kurt und Handelsattaché Serhan Alpaslan entsandte. “Wir brauchen für das Textilzentrum 30 000 Quadratmeter”, sagt Nadirler, der vor einem Vierteljahrhundert einmal 15 Jahre in Mönchengladbach lebte und studierte. Mit Monforts werde derzeit verhandelt, ebenso mit dem SMS-Meer-Businesspark (ehemals Schlafhorst). Dessen Leiter Josef Hellenbrand, ebenfalls bei der Eröffnung des 180 Quadratmeter großen Showrooms zugegen, kann als größte Halle allerdings nur 11 000 Quadratmeter anbieten.

“Deswegen möchte ich am liebsten neu bauen”, sagt Nadirler. Die WFMG habe ihm das Mülforter-Gelände vorgeschlagen, auch der Nordpark sei denkbar. “15 bis 20 Millionen Euro” an Investitionssumme schwebten ihm vor. Seine eigene Unternehmensgruppe, die nicht für Endkunden, sondern Auftraggeber produziert, sei in der türkischen Textilindustrie bei weitem nicht der größte Player, gibt Nadirler unumwunden zu. Auch wenn man mit 675 Mitarbeitern und elf Produktionsstandorten zu den größten Herstellern zähle. In Gladbach will er zunächst etwa fünf neue Stellen im Umfeld des Showrooms schaffen. “Aber stellen Sie sich mal 300 Ankas nebeneinander vor, dann sind das schon Tausende von Arbeitsplätzen.” Die türkischen Textilfirmen, da ist er sich sicher, würden ihm die Tür einrennen. Zumal das türkische Wirtschaftsministerium in den ersten vier Jahren die Mieten massiv bezuschusse.

Bevor er sich für Gladbach entschied, machte Nadirler eine sechsmonatige Marktuntersuchung. Drei Jahre baggerten WFMG und NRW Invest daran, Anka nach Gladbach zu holen. Der Kontakt entstand auf einer Messe in Istanbul. “Die Türkei, die Niederlande und China sind unsere drei wichtigsten Partner im Ausland”, sagt WFMG-Geschäftsführer Dr. Ulrich Schückhaus. “Gladbach ist das optimale Sprungbrett, um das Geschäft in West- und Nordeuropa zu bedienen.” Bis dato fehlen den meisten türkischen Textilunternehmen diese Verbindungen ganz. Wer heute etwa aus der Schweiz oder aus Dänemark türkisches Frottee ordern will, muss in die Hochburg Denizli fahren. Künftig könnte er die Produkte in Gladbach in Augenschein nehmen. Und für die türkischen Firmen fällt das lästige Zoll-Problem weg.

“Vielen türkischen Textilfabrikanten fehlen bisher noch der Mut und das Know-how, um nach Europa zu gehen”, sagt Nadirler. Und da ist sie wieder, die Vision vom “Türöffner”. “Man braucht einen, der vorweg geht, dann folgen die anderen von selbst”, sagt Petra Heller-Keusen, Projektmanagerin Türkei bei NRW Invest. Sie und Schückhaus wollen Anka Textil deshalb nach Kräften unterstützen, das geplante Textilzentrum zu realisieren. “Am liebsten sofort” wolle er starten, sagt Nadirler.

Quelle: RP

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