Türkei – Die Alanyaner sind gut drauf !

Ich bin wieder einmal aus Alanya/Antalya kommend in Istanbul.

In der Provinz Antalya laufen die letzten Vorbereitungen. Die Hotels und Geschäfte werden auf Hochglanz gebracht. Bei den meisten ist es eine einfache Oberflächenreinigung, weil für mehr das Geld nicht reicht. Die Urlaubssaison 2012 war für alle ein unglückliches Jahr. Nach dem Rekordjahr 2011 waren die Erwartungen sehr hoch. Fälschlicherweise drückten die Hoteliers ihre Freude in Form von Preiserhöhungen aus. Die Quittung folgte prompt. Die Touristen kamen nicht wie erwartet. Dass man die Touristenzahlen von 2011 letztendlich doch noch überbot, hat man dem lange andauernd schönen Wetter und dem turbulent verlaufenden arabischen Frühling zu verdanken.

Übrigens bin ich erstmals vom kleinen Gazipaşa Airport (40km von Alanya-Zentrum entfernt) abgeflogen. Am Vortag rief ich ein Reisebüro an und fragte nach dem Shuttle-Service. Dort sagte man mir, dass die Stadtverwaltung Alanya einen kostenlosen Shuttle anbiete. Tolle Sache ! Man gab mir die Telefonnummer. Am anderen Ende der Leitung nahm direkt der Fahrer meinen Anruf entgegen. Er sagte mir ich sollte um 5:50 Uhr an der Metro Kreuzung sein. Für einen Moment schossen mir die Blitze durch den Kopf. Gab es in Alanya eine U-Bahn, von der ich nichts wusste. Dann fiel langsam der Groschen. Er meinte den Metro-Großmarkt. Auf meine dezente Frage, ob es den sicher ist, dass der Bus kommen werde, reagierte der Kollege verstimmt: “Die letzten 3 Monate hat es immer funktioniert” war seine kurze und bündige Antwort.

Ich war stolz auf die Alanyaner (eine neue Wortschöpfung von mir, die mir deswegen gefällt, weil es sich irgendwie wie “Marsianer” anhört, und ich mir manchmal hier wirklich wie auf einem anderen Planeten vorkomme). Welch ein toller Service. Am nächsten Morgen stand ich mit 4 anderen an der besagten METRO-Kreuzung. (jetzt, wo ich es weiß, kann ich es in Großbuchstaben schreiben. Es geht um Corporate Identity, you know ;))

Um 6 Uhr wurde ich noch nicht nervös. Ich musste mir nur bewusst machen, dass ich in der Türkei bin. Hier muss man froh sein, wenn der betreffende überhaupt kommt. Und dann die Top-Ausrede : “Herr Dener, ich dachte Sie würden sich verspäten !”

6:20 Uhr wurde mir schon anders. Auch wenn ich meinen Anruf an die Handynummer des Fahrers tätigte und ihn um 6:15 Uhr nicht erreichte, so hatte ich das auf ein Funkloch zurückgeführt, die es in der Türkei eigentlich gar nicht mehr gibt. “Die letzten 3 Monate hat es immer funktioniert !” hatte er gesagt.

Als einer der Wartenden die Idee hatte, bei der Stadtverwaltung anzurufen, musste ich schmunzeln. Um diese Uhrzeit !?

Wieder hat es sich aber bestätigt, dass wir in der Türkei – also auf einem anderen Planeten waren. Tatsächlich war einer da, der sogar die Telefonnummer des Busunternehmens hatte. Wir riefen dort an. Siehe da, es war der Busunternehmer himself. Er war sehr hilfsbereit, aber nicht besonders überrascht. Wir sollten ihn nach 3 Minuten nochmals anrufen. In der Zwischenzeit würde er den Fahrer anrufen. Er erreichte ihn auch nicht, aber war so freundlich einen Ersatzbus zu schicken. Der Vogel war weggeflogen, der Fahrer hatte gekündigt. Ob meine Frage : “Ist es den sicher, dass Sie kommen ?” ihn gekränkt hatte oder es nur der letzte Tropfen war, der das Fass zu überlaufen brachte …

Um 6:50 Uhr kam der Bus. Wir hatten noch 5 Haltestellen vor uns und ca. 30 Minuten Fahrt. Die letzten 2-3 km rechnete ich eigentlich nicht mehr damit,  dass uns am Ende der Straße ein Flughafen erwarten könnte. Durch Felder und Gärten steuerten wir auf das Taurusgebirge zu. Tatsächlich, am Gazipasa International Airport 😉 angekommen fragte uns der Mann von der Security vor dem Gelände : “Der Bus aus Alanya ?” Ich stellte die Gegenfrage : “Kommen noch viele Busse der Stadtverwaltung ?” Nein, es gibt nur den einen !

Sicherheitscheck ! Ich hatte vergessen, das gesamte Hartgeld und meine Wohnungsschlüssel aus der Hosentasche zu nehmen und dennoch piepste nichts. Das Gerät war wohl auf “Nicht stören !” eingestellt. Der Check-In Bereich war etwas größer als mein Wohnzimmer.

10 Schritte weiter schon der nächste Sicherheitscheck. Brille, Gürtel, Metallteile, Hartgeld, Brieftasche bitte entfernen ! Ich habe nur mein Hosengürtel demonstrativ aufs Band gelegt und alles andere bei mir behalten. Funktionierte ! Ich meine, es hat nicht gepiepst.

Hingegen ist in Istanbul immer Saison für alles. Schon 10 Minuten nach der Ankunft steckte ich vor der Zahlstelle auf der Autobahn im ersten Stau. Dabei kam ich glücklicherweise auf der asiatischen Seite an, wo wesentlich weniger Verkehr ist als auf der europäischen Seite.

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