Sonne & Türkei : Da muss es doch abgehen mit dem Solarstrom !

Die Städte Şanlıurfa, Diyarbakir, Mardin, Batman, Siirt und Şırnak haben letztes Jahr 19 Mrd. kWh Strom verbraucht. 70% der Stromgebühren konnten nicht eingetrieben werden, oder der Strom wurde schwarz bezogen. In dieser Region scheint es Tradition zu sein, keine Stromrechnungen zu bezahlen.

Auffällig ist in diesem Gebiet, dass fast alle mit Strom heizen. Klar, wenn es nichts kostet 🙂

Auch in den anderen Regionen der Türkei ist die Schwarzstromnutzung an der Tagesordnung. Ganze Teams sind unterwegs, um diese Übeltäter zu erfassen bzw. zu fassen.

Derzeit strömen viele ausländische Unternehmen hoffnungsvoll mit Wind- und Sonnenenergieprojekten auf den türkischen Strommarkt. Auf der sicheren Seite sind diejenigen, die den produzierte Strom direkt an das E-Werk einspeisen und dafür bezahlt werden. Anders sieht es für die aus, die Stromversorgungsprojekte für die Unternehmen planen und womöglich mit diesen den Strom abrechnen müssen. Geht das überhaupt ?

Der gesunde Menschenverstand sagt; die Türkei müsste den Strom fast ausschließlich aus der Sonne ziehen. Feine Feststellung ? Hinzu kommt, dass Einzelpersonen und Unternehmen seit über einem Jahr, eigenen Strom produzieren können und das ohne Genehmigung – ein weiterer Pluspunkt für die Sonnenenergie. Da kann ja fast nichts mehr schiefgehen. Tja, wenn Sie so denken, dann haben Sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der in diesem Fall nun mal ein Türke ist. Der Türke liebt Ratenzahlungen. Da der Strom monatlich also in 12 Raten bezahlt wird, stört es den Wirt nicht, was oder wie viel er bezahlt. Sie können mit Projekten aufwarten, die sich bei Stromeinsparungen innerhalb von 1-2 Jahren amortisieren. Selbst da stellt sich der Wirt die Frage : Warum soll ich die 2 Jahresrechnung für Strom auf einmal bezahlen ? Hier spricht die Erfahrung. Ich habe für ein deutsches Unternehmen (Stromsparanlagen) über 100 Kontakte mit Interessenten geknüpft, ohne einen Abschluss. Selbst als wir eine Referenzanlage fast kostenlos aufstellen wollten, klappte es nicht.

Wie sieht es mit Solarstromanlagen für Unternehmen aus ? Ganz bitter ! Dabei meine ich die Verkäuferseite. Diese Anlagen haben eine Amortisationsphase von 8-9 Jahren. Der Wirt denkt so : “Warum soll ich die 8-9 Jahre Strom als Einmalbetrag in Voraus bezahlen ?” Die hiesigen Wirte zahlen niemals etwas im Voraus. Nur im Nachhinein und das auch nur schleppend.

Spätestens jetzt kommt Ihnen der Gedanke, die Dächer, wie in Deutschland, anzumieten und den produzierten Strom an den Wirt, dessen Dach Sie für Solarpanele benutzen, zu verkaufen. Klingt gut, dann mal los !

Stopp ! Sie haben die Rechnung abermals ohne den Wirt gemacht. Der Wirt hat Respekt vor dem E-Werk und bezahlt zwangsläufig die Stromrechnungen. Nur, wird er Ihnen den gleichen Respekt entgegenbringen ? Was passiert, wenn Sie bei ihm den Strom abdrehen, weil er nicht bezahlt hat ? Sie müssen wissen, der Wirt denkt dann : “das ist mein Dach, mein Strom, wie kann er mir den abdrehen ?”. Ich kann Ihnen versichern, es wird lustig zugehen. Ende offen !

Klar, es gibt die Unternehmen, die in der Branche Geld verdienen. Die Logik schreit förmlich : Sonne und Türkei, das muss doch abgehen, mit dem Solarstrom ! Aber …

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