“Dreiviertelmond” ist eine bittersüße Komödie, die direkt ans Herz geht

Film-ab! – Wertung:    8  /  10
Wenn zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen Welten aufeinanderstoßen ist das  Konfliktpotential ist hoch. Gespannt wartet man darauf, wie Sprachbarrieren mit Händen und Füßen überwunden werden und Kulturunterschiede zu lustigen Missverständnissen führen. Genau so eine Geschichte ist „Dreiviertelmond”: Das kleine türkische Mädchen Hayal (Mercan Türkoglu)  trifft auf den mürrischen Taxifahrer Hartmut Mackowiak (Elmar Wepper). Das war’s dann auch mit den Ähnlichkeiten. Denn „Dreiviertelmond” folgt keineswegs den Klischees, sondern entwickelt sich zu einer bewegenden Tragikkomödie.
Das Leben der sechsjährigen Türkin Hayat (Mercan Türkoglu) ändert sich komplett als sie einige Wochen bei der Oma im fremden Deutschland bleiben soll, während ihre Mutter Gülen (Ivan Anderson) auf einem Kreuzfahrtschiff jobbt. Auf der Fahrt vom Flughafen zur Oma werden sie von Hartmut Mackowiak (Elmar Wepper) gefahren. Der ist ein mürrischer Grisgram voller Vorurteile. Die rassistischen Sprüche werden von Hayats Mutter kurz kommentiert: „Nazi”. Das bleibt bei der kleinen Hayat hängen.
Doch auch beim „Nazi” läuft nicht alles rund: Seine Ehefrau Christa  (Katja Rupe) verlässt ihn nach 30 Jahren Ehe, mit seiner Tochter hat er kein sehr  emotionales Verhältnis.
Als Hayats Oma einen Schlaganfall erleidet, weiß das Mädchen nicht wohin. Den einzigen Menschen, den sie in dem fremden Land kennt, ist der mürrische Taxifahrer. Kurzerhand versteckt sie sich in seinem Auto. Doch Mackowiak hat so gar keine Lust auf das Mädchen aufzupassen, das kein einziges Wort Deutsch versteht. Doch notgedrungen nimmt er sich der Kleinen an. So lernt nicht nur die Türkin ein paar Brocken Bayerisch („Bunzkiebl”, Hundskrüppl verreckter”), auch der Eigenbrödler sieht die Welt nach einer Weile mit anderen Augen.
“Dreiviertelmond” lebt von seinen großartigen Schauspielern. Elmar Wepper zeigt nach „Kirschblüten” ein weiteres Mal, dass er auch schwierigere Rollen als in „Polizeiinspektion 1″ durchaus meistern kann. Sein Mackowiak ist ein rassistischer Mistkerl, den man am liebsten ordentlich verdreschen möchte. Doch schon im nächsten Moment wird man vom Mitgefühl überwältigt, wenn der Taxifahrer vor dem Scherbenhaufen seines Lebens steht.
Neben Wepper glänzt auch die sechsjährige Berlinerin Mercan Türkoglu. Die Grundschülerin, die nie zuvor vor der Kamera stand, wirkt mit ihren Mondaugen nicht nur zuckersüß – sie ist auch ein überragendes Schauspieltalent. Es macht einfach Spaß, den beiden zuzuschauen.
Fazit: „Dreiviertelmond” ist ein ebenso lustiger wie dramatischer Film, der es schafft ohne erhobenen Zeigefinger auszukommen. Dabei macht „Dreiviertelmond” das richtig, was Hollywood-Komödien meistens falsch machen: Während dort Story und Charaktere oft künstlich oder beliebig wirken, ist Dreiviertelmond eine ehrliche Geschichte mit tiefgründigen Figuren. Hier hopsen keine Teenie-Idole wie Justin Timerlake oder Ashton Kutcher vor der Kamera herum – “Dreiviertelmond” hat wirklich etwas zu sagen und das geht Dank der tollen Schauspieler direkt ans Herz. Dieser Film bleibt im Gedächtnis. Dreiviertelmond – Trailer zum Film

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