Çırağan Palast Kempinski und mein Vater

1975 wollte man mein Vater Dr. Ing. Reyyan Dener und seinem Freund Fuchs Markovich (Architekt) aus Deutschland, in der Türkei den Prozess machen. Was hatten die beiden angestellt ? Mein Vater hatte die geniale Idee, den 1909 abgebrannten Cırağan Palast in ein Hotel umzuwandeln. Wohlgemerkt, er hatte nur die Idee und bat seinen Freund Fuchs Markovich dieses zu Zeichnen. Ich kann mich noch gut an das Modell erinnern. Nur, was als eine tolle Idee aussah, wurde in der damaligen Türkei ganz anders gesehen und verstanden. Meinem Vater und seinem Architekten Freund wurde bzw. sollte der Prozess gemacht werden. Man unterstellte denen türk. Kulturgut an Auslaender veraeussern zu wollen. 🙂 Man muss sich das mal vorstellen, es reichte schon allein die Idee zu haben und schon wurde einem der Prozess gemacht. Dabei hatte mein Vater lediglich den staatl. Stellen den Vorschlag unterbreiten wollen, die Ruine in ein Hotel umzuwandeln und wieder zu gewinnen. Eigentlich haette man die verklagen sollen, die die Ruine seit 1909 so stehen liessen. Mit Beziehungen konnte man den Prozess noch abwenden. Es kam nicht von Ungefaehr, dass ich dann 1987 im Team der Leute war, die das heutige Çırağan Palast Kempinski projektierten. 🙂 Mein Vater und Herr Markovich waren als stiller Geniesser bei der Eröffnung dabei. Ich war glücklich den beiden, die nicht mehr unter uns weilen, die Einladungen organisiert zu haben.  Hier noch die Geschichte Çırağan Palast :
Im 16. Jahrhundert gehörte das Grundstück am Wasser, auf dem das heutige Palasthotel steht, Admiral Kilic Ali Pascha. Das Kazancıoğlu-Garten genannte Grundstück erstreckte sich von Beşiktaş bis Ortaköy.
Lady Mary Wortley Montagu, die Ehefrau des englischen Botschafters Edward Wortley Montagu im Osmanischen Reich, beschrieb um 1717 in einem Brief den Çırağan Palast mit den Worten: Er steht an einem der wunderschönsten Orte am Kanal, und dahinter befindet sich ein Hügel mit einem herrlichen Wald. Seine Ausmaße sind erstaunlich; die Wache versicherte mir, er beherberge achthundert Zimmer, was ich allerdings weder bestätigen noch bestreiten kann, da ich sie nicht gezählt habe; allerdings ist die Anzahl sicherlich sehr groß, und alles ist geradezu verschwenderisch mit Marmor, Gold und wunderbaren Malereien von Früchten und Blumen verziert. Die Fenster sind mit feinstem Kristallglas aus England bestückt, und hier erlebt man all die kostspielige Pracht, die man von einem Palast erwartet, der von einem jungen Mann errichtet wurde, der über den ganzen Reichtum eines großen Imperiums verfügt.
Ahmet III. schenkte den Kazancıoğlu-Garten seinem Schwiegersohn, dem Großwesir İbrahim Pasha von Nevsehir, der dort das erste „Yali“ (am Wasser gelegene Villa) erbaute. Zusammen mit seiner Frau Fatma Sultan organisierte er dort Festlichkeiten mit Fackelbeleuchtung, die bald Ciragan Senlikleri (Ciragan Lichtfeste) genannt wurden. Daher rührt auch der heutige Name Çırağan her. Eine Zeitlang wurde der Palast von Mahmut I. auch als Bankettsaal für Staatsgäste benutzt.
Zu Beginn des 19. Jhdts wurde das Anwesen vom Großwesir des Sultans Selim III. gekauft, der das Gebäude abreißen und vom armenischen Architekten Krikor Balyan 1805 einen neuen Palast als Geschenk für den Herrscher errichten ließ. Dieser wiederum gab das Anwesen an seine Schwester Beyhan weiter, die das Geschenk jedoch nicht annehmen wollte. In der Folge benutzte Sultan Mahmud II. die Anlage als Sommerresidenz. Er ließ den Palast erneut abreißen, um ihn diesmal vom Architekten Garabed Balyan in prachtvollem Stil neu zu erbauen. 1855 entschloss sich Sultan Abdülmecid I., seinen offiziellen Wohnsitz im Palast von Dolmabahçe zu nehmen. Dies bewirkte einen neuerlichen Abriss und Wiederaufbau, diesmal durch Nigogos Balian. Der Bau konnte aber wegen politischer Krisen und damit verbundener finanzieller Probleme erst 1857 unter Sultan Abdülaziz fertiggestellt werden. Unter Sultan Abdülaziz erfuhr dar Palast einen architektonischen Stilwechsel hin zum Arabischen, wofür Künstler nach Nordafrika und Spanien entsandt wurden, um Kopien dortiger berühmter Gebäude zu erstellen. Der Legende nach wurden die Pläne des Baus aufgrund der wechselnden Wünsche des Herrschers zwanzigmal neu erstellt.
Im Berliner Museum kann man heute einige der Palasttüren, von denen jede für eintausend Goldstücke gefertigt wurde, bewundern. Diese Türen waren ein Geschenk an Kaiser Wilhelm II., der die Stücke bei einem Besuch in Istanbul ausgiebig bewundert hatte. Sultan Murat V. wurde nach einem Putsch bis zu seinem Tod im Jahre 1904 mit seiner Familie im Çırağan-Palast festgehalten. Ab dem 14. November 1909 diente der Palast zwei Monate lang als Parlament. 1910 wurde der Palast bei einem Brand zerstört. Nur die Außenmauern blieben erhalten. 1946 wurde die Gebäuderuine mitsamt des Parkes vom Parlament an die Gemeinde Istanbul übergeben. Die Gemeinde nutzte die Ruine am Bosporus als Baustoffdepot und Sportplatz.
1987 wurde der Palast von einer japanischen Investorengruppe übernommen und als Palasthotel der Kempinski Hotelgruppe ausgebaut. Die Inneneinrichtung wurde im mediterranen Stil gestaltet. Seitdem gehört das Hotel zur Vereinigung „The Leading Hotels of the World“.
Im Jahre 2007 wurde das Hotel erneut einer grundlegenden Generalrenovierung unterzogen.
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