“Deshalb bin ich in die Gewerkschaft beigetreten, und das ist mir schlecht bekommen”

In der Türkei steht das „sympathische Möbelhaus“ Ikea wegen seiner Arbeitsbedingungen schwer in der Kritik. 100 Ikea-Mitarbeiter aus aller Welt schließen sich zusammen, um überall gleiche Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Vier Jahre lang hatte sich der junge Mann aus Istanbul absolut anerkannt gefühlt bei seinem Arbeitgeber, dem Weltkonzern Ikea. Das „unglaubliche Möbelhaus aus Schweden“ hatte nach der Eröffnung am Bosporus alle Umsatzerwartungen übertroffen. „Aber mein Gehalt wurde nicht erhöht. Deshalb bin ich der Gewerkschaft beigetreten, und das ist mir schlecht bekommen“, sagt der 27-Jährige. Im Februar sei er viermal abgemahnt und dann entlassen worden. Er ist überzeugt: „Ich bin wegen meiner Gewerkschaftsmitgliedschaft gemobbt worden.“

Gemobbt? Bei Ikea, dem sympathischen Möbelhaus? „Oh ja“, sagt Mesut Yildirim von der türkischen Gewerkschaft Koop-Is, der mit dem jungen Kollegen im Veranstaltungssaal eines Hotels in Istanbul zusammensitzt. „Das ist ja auch der Grund, warum wir uns hier treffen.“ Im Saal sitzen rund 100 Ikea-Mitarbeiter aus aller Welt, Mitglieder von 20 Gewerkschaften aus 14 Ländern. Sie haben sich zu einer „Ikea Global Union Alliance“ zusammengeschlossen, um für alle 130.000 Beschäftigten des Möbelkonzerns gleiche Arbeitsbedingungen durchzusetzen – weltweit.

Überstunden nicht bezahlt

Auf der Istanbuler Veranstaltung vergangene Woche klagten türkische Ikea-Mitarbeiter Überstunden seien nicht bezahlt worden, im Lager müsse bei Temperaturen unter minus zehn Grad gearbeitet werden und: Gewerkschaften seien absolut verpönt. „Das Köttbullar-Rezept des Möbelkonzerns gilt weltweit, die Standards im Arbeitsrecht nicht“, sagt Mesut Yildirim.

Während Geschäftsführungen und Arbeitnehmervertretungen in den westeuropäischen Ikea-Häusern in aller Regel gut zusammenarbeiten, sieht das in anderen Teilen der Welt ganz anders aus. Nichts aber ist für einen weltweit agierenden Konzern so wichtig wie sein Image – und „genau da setzen wir an“, sagt die Deutsche Alke Bössiger vom internationalen Dachverband der Dienstleistungsgewerkschaften UNI, dem Organisator des Istanbuler Treffens. Gewerkschaften hatten dem schwedischen Möbelriesen 1998 einen Verhaltenskodex abgerungen, in dem ausdrücklich ein Verbot der Behinderung gewerkschaftlicher Arbeit formuliert ist. „Aber das gilt schon nicht bei uns in Irland“, sagt der irische Gewerkschafter Brian Forbes. „In Dublin werden Tarifverträge verhindert, 80 Kilometer weiter in Belfast in Nordirland werden sie abgeschlossen – weil das Gesetz es dort verlangt.“

Besonders gravierend sind die Missstände offenbar in der Türkei. So werden die bisher fünf türkischen Ikea-Einkaufszentren vom anatolischen Mischkonzern Mapa A.S. geführt, der die hauseigenen Regeln nicht besonders ernst zu nehmen scheint. Die Geschäftsleitung habe erklärt, dass Gewerkschaften nicht erwünscht seien, sagt Metin Güney, Vorsitzender von Koop-Is. „Und dann haben sie im Februar sogar ein Rundschreiben verteilt, in dem sie vor Gewerkschaftern warnen.“ In dem Dokument schreibt ein Mapa-Manager unter dem Ikea-Logo über die Gewerkschaftswerbung: „Derartige Propagandaaktivitäten wirken negativ auf den Betriebsfrieden.“ Die Folge: „Wir kennen mehrere Fälle, in denen Mitarbeiter, die der Gewerkschaft beigetreten sind, gemobbt und entlassen wurden“, so Güney.

Von diesen Vorwürfen wisse sie nichts, sagt dazu Petra Hesser, die aus Deutschland stammende globale Ikea-Personalmanagerin. „Wir wollen Probleme im gemeinsamen Dialog lösen und erwarten das auch von unseren Geschäftspartnern. Bisher habe sich noch keiner der 1650 türkischen Arbeitnehmer beim internationalen Management beschwert. Ob das reicht? Vor drei Jahren geriet der Möbelriese schon einmal in die Kritik wegen eines türkischen Geschäftspartners. Damals ging es um die Firma Menderes Tekstil aus der Westtürkei, einen der größten Lieferanten für Ikea-Textilien. Gewerkschafter berichteten von vielen Arbeitsunfällen und der Kündigung aktiver Gewerkschafter. Gewerkschafter Metin Güney sagt, die Zustände hätten sich trotz der Proteste dort bisher nicht geändert.http://www.fr-online.de/wirtschaft/mobbing-und-unbezahlte-ueberstunden-schuften-bei-ikea,1472780,11884976.html

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