Der Werbemarkt der Türkei

Ein Magazin aus Deutschland fragte mich, was ich zum Werbemarkt der Türkei sagen könnte. Das, was ich denen gesagt habe, wird Euch sicher auch interessieren, zumal es ganz anders laeuft als in Deutschland ist

Der Werbemarkt der Türkei

In der Türkei dominiert das Fernsehen. Der türkische Fernsehzuschauer sitzt am Tag ca. 5 Stunden vor dem Fernseher. Das ist weltweit einsame Spitze. Folglich bekommen die Sender den grössten Anteil des Werbekuchens. Das sind ca. 55% ! Da in der Türkei die Zeitungen und Magazine wenig gelesen werden, wird hier weniger geworben. Die Zeitungen bekommen 22% und die Magazine 2% vom Kuchen ab.

Dieser Wert ist, im Vergleich zum Westen, sehr gering. Man rechnet damit, dass die Internetwerbung in 2016 die Printmedien überholen wird.

Man schaetzt das Werbevolumen der Türkei auf ca. 2 Mrd. Euro Dieser Wert kann bzw. müsste viel höher sein, jedoch weiss ich aus eigener Erfahrung, dass alle Medien, mit sich verhandelnlassen. Das geht soweit, das einer für 1/1 Seite in der Zeitung, 100.000 Euro bezahlt und der andere, für die selbe Seite, gerade mal 3.000 Euro Die Zeitungen möchten sich mit den Top-Marken als Werbenden schmücken und andere Marken locken. Die multinationalen FMCG Unternehmen Unilever, P&G, Benckiser, Coca Cola, Telekom,

Turkcell, Vodafone, AVEA, Türk Telekom und Arçelik, Beko, Vestel (Weisswaren) sind die grössten Werbenden.

Waehrend die grossen Marken von den Agenturen die professionelle Dienstleistung abrufen, sind viele aber auch dazu übergegangen, eigene Einkaufsbüros zu unterhalten. Diese lassen lediglich die Planung den Werbeagenturen machen. Mit dem Wachstum des Sektors sind ausser den Multinational agierenden Agenturen auch viele kleine türkischen hinzugekommen. Mittlerweile sind 102 Werbeagenturen auf dem Markt.

Es gibt keine gleichen Kampfbedingungen auf dem hart umkaempften Werbemarkt. Waehrend den multinationalen Agenturen harte Bestimmungen auferlegt werden, können die einheimischen Agenturen frei agieren und bekommen immer grössere Stücke vom Kuchen ab.

Turkish Airlines ist, was Auslandswerbung angeht, die Nr.1. Alle anderen Marken, hauptsaechlich Banken, sorgen gelegentlich für Momentaufnahmen. Dann aber ist aber zumeist kein Plan dahinter (eigene Erfahrung und Meinung). Eher werden die Medien zufaellig herausgepickt.

Letztens sehe ich die Anzeige einer türk. Bank in der FAZ. Als ich aus Neugier recherchierte, warum man gerade dort geworben hat, antwortete die Chefsekretaerin, dass der Vorstand in der Lufthansa eine FAZ mitgenommen hatte. Rest kann man sich ausdenken. 🙂 (Übrigens, der Vorstand, den ich sehr gut kenne, spricht kein Wort Deutsch).

Auch kommt sehr oft vor, dass die türk. Marken, die Agenturprozente selber einstecken und die Agentur nur für die Graphik bzw. den Entwurf bezahlen. Nicht unwichtig, für unsere vielen Rückkehrwilligen, die in diesem Bereich arbeiten möchten.

Vielfach wird PR in Anspruch genommen (statt Werbung). Das ich auch der von mir bevorzugte Weg, wenn ich für meine Auftraggeber agiere. Die Zeitungen müssen irgendwie vollgedruckt werden. 🙂

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